Katzenjammer

Über das gestrige Spiel gegen die Adler hüllen wir am besten den Mantel des Schweigens. Auch wenn die Mannheimer durchaus gefällig gespielt haben und für mich in den Play-Offs als Dark Horse weit kommen können, aus Schwenninger Sicht war das in einem der drei wichtigsten Spiele der Saison einfach zu wenig. Egal was wir in der Pause gemacht haben, wir hätten besser was anderes gemacht. Zwei Dinge für mich bezeichnend, die hängen geblieben sind: Ein gnadenlos schlechtes, pomadiges und ideenloses Powerplay und eine Szene zu Beginn des ersten Drittels. Bohac, einer unser härtesten Checker, erwischt Wolf aus guter Position wuchtig an der Bande und Wolf zuckt noch nicht mal mit der Wimper. Körperlich und spielerisch waren wir gestern unterlegen und ich glaube, dass wir Mannheim nur sehr schwer hätten schlagen können, aber etwas mehr Wehren wäre schon erlaubt gewesen.

Dementsprechend die Reaktionen in den Foren, leider manchmal etwas über das Ziel hinausschießend inkl. Abgesang auf die Pre-Play-Offs. Doch ist wirklich etwas passiert? Nein. Gut, die direkte Play-Off Qualifikation ist weg und für uns ist – lassen wir unrealistische Verschiebungen im Torverhältnis mal außen vor – maximal noch Platz 8 drin, doch war die direkte Qualifikation über lange Zeit der Saison durch die mehr absolvierten Spiele ein Trugbild und es ging begradigt immer nur um die Pre-Play-Offs. Und hier vor allem der Blick nach unten. Und nach unten ist gar nix passiert außer einer minimalen Veränderung im Torverhältnis (-2) im Vergleich zu Düsseldorf und Augsburg.

Wir haben weiterhin 3 Punkte auf Düsseldorf plus das bessere Torverhältnis und weiterhin 5 Punkte auf Augsburg. Mit einer wichtigen Änderung: Es ist ein Spiel weniger zu absolvieren und wir haben das schwerste der drei Spiele bereits hinter uns. Wir stehen sogar besser da, als noch vor dem Spieltag, weil Düsseldorf und Augsburg jeder eine Chance verspielt haben auf uns aufzuholen. Aufgrund des schlechteren Torverhältnisses MUSS Düsseldorf gegen Berlin punkten, Augsburg MUSS beide Spiele gewinnen. Warum um alles in der Welt müssen wir jetzt das große Jammern anfangen?

Brust raus, Selbstvertrauen, Männer sein. Ja, wir haben schlecht gespielt aber den ersten Angriff der Teams hinter uns abgewehrt und stehen immer noch in den Play-Offs. Wir sind noch drin. Wir müssen nichts aufholen. Und in Iserlohn ist absolut was drin, das ist viel mehr ein Duell auf Augenhöhe als es gestern war. Wir in Iserlohn vs. Düsseldorf gegen Berlin – ist das tatsächlich ein Szenario, das uns Angst macht?

Mir nicht. Überhaupt nicht. Wir haben alle Trümpfe in der Hand und sollten uns selbst mental nicht ins Tal der Tränen schubsen. Das können wir Sonntag abend immer noch, wenn es nicht reicht, aber doch nicht jetzt. Über die Ziellinie stolpern ist ausreichend. Vamos! Venceremos!

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Pausenanalyse (IV): Die nächste Saison

Jetzt befinden wir uns in der heißen Endphase und der fängt mit der neuen Saison an? Ja, denn das müssen auch die Verantwortlichen tun. Ich schreibe am Ende noch etwas zum heutigen Spiel und dem Drumherum, aber Manager und Trainer müssen schon lange in den Planungen für die neue Saison stecken und deshalb als Ergänzung zum vorigen Artikel, liste ich die Kernpunkte auf, die unbedingt verbessert werden müssen bzw. je nach finanzieller Lage verbessert werden sollten. Im Kern sind es für mich drei Punkte:

Konstantere Ausländer

Fast keiner unserer Ausländer hat wirklich enttäuscht, Poukkula z.B. sogar überrascht, aber bis auf Acton nehmen sie sich alle zu viele Auszeiten während der Saison, haben zu viel Leerlauf. So waren es Poukkula, Rech, Giliati und Hult, bei denen sich superbe Partien mit totalem Untertauchen abwechselten. Bartalis erwähne ich nochmal extra, der hat für mich leider körperlich nicht das Niveau für die DEL. Läuferisch und stocktechnisch erste Sahne, aber fast jeder Zweikampf an der Bande geht verloren. Es hat in diesem Jahr funktioniert, weil immer irgendeiner gescort hat und Acton sowieso eine Maschine ist. Man kann sich natürlich damit zufrieden geben und ich würde keineswegs alle austauschen, aber wenn man den nächsten Schritt gehen will, dann muss man auf den Positionen Spieler finden, die nicht nur in der Hälfte der Spiele punkten, sondern dies in zwei Drittel aller Spiele schaffen. Tauscht man alleine zwei Spieler aus – da wären für mich der verletzungsanfällige Hult und der in der Summe doch zu blasse Rech die ersten Kandidaten – die diese Quote erreichen, dann wäre dies ein großer Schritt für uns.

Mehr Grit

Spätestens nach Weihnachten haben die anderen Teams begonnen konsequenter und verstärkt mit Härte gegen uns zu spielen. Teilweise – wie bei der Partie in Mannheim – über die Grenzen, aber die meiste Zeit im Rahmen des Regelwerks und das hat uns nicht wirklich geschmeckt. Unserer technischen „kleinen“ Mannschaft schmeckt das nicht, auch wenn sich die Spieler erstaunlich robust gezeigt haben. Aber das kostet Kraft, das hat man vor der Pause gemerkt und es war keiner auf dem Eis, der mal gesagt hat „Bis hierhin und nicht weiter.“ Es gehört zu diesem Sport dazu, dass man dem Gegner auch körperlich wehtut. Hier ist auf jeden Fall noch Potential vorhanden und das sollte man auch nutzen. Keine große Strafe in dieser Saison ist zwar sehr fair, aber für Fairness allein kann man sich auch nichts kaufen.

Bessere Special-Teams

Sind wir ehrlich, über weite Strecken war unser Powerplay grausig anzuschauen. Belegen auch die Zahlen. 13,61% ist unterirdisch und weit weg vom Ligaschnitt. Das Penalty Killing ist zwar auch nicht überragend, aber ordentlich. In Überzahl dagegen muss man etwas tun, eine Steigerung auf den Liga-Durchschnitt würde uns etwa 10 Tore mehr pro Jahr einbringen. Bei den durch unsere Taktik oft knappen Spielen, wären das die paar Punkte mehr, die uns jetzt schon in die Play-Offs hieven würden. Ich bin übrigens der Meinung, dass Powerplay nur bedingt trainierbar ist. Mag Cortina auch nicht der Powerplay-Trainer-Gott sein, aber sehr viel hängt da auch an den Spielertypen. Übersicht, Ruhe an der Scheibe, Antizipation und das Auge für den Passweg kann man nur schwer erlernen. Schnelligkeit braucht man da gar nicht, man erinnere sich nur an Wayne Hynes, den pummeligen Dirigenten unseres Powerplays. Eine weitere Schwäche ist eine gewisse Eindimensionalität, denn oft werden Acton oder Fleury gesucht, die blaue Linie ist bei uns nicht gefährlich. Das wissen die Gegner auch, machen die Box enger und es uns damit schwieriger. Mit einem gefährlichen Blueliner, wie es Sascha Goc war, muss der Gegner diesen zustellen und öffnet damit die Box. Das heißt nicht, dass dieser viele Tore schießt, aber alleine die Möglichkeit, dass er es könnte, zwingt den Gegner zum handeln. Beim Zusammenstellen des Teams sollte man genau auf diese Aspekte beachten.

Und jetzt der Blick auf Mannheim

Heute also gegen die Adler, gespickt mit fünf Silbermedaillengewinnern. Sind sie müde, sind sie euphorisch? Wir sollten uns darüber gar keine Gedanken machen, denn das können wir nicht beeinflussen. Wir müssen sowieso alles geben, alles raushauen und dann werden wir am Ende sehen ob es reicht. Und wir sollten uns auch nicht von Ehrungen für die Helden von PyeongChang verrückt machen lassen. Es gebietet der Anstand, dass man insbesondere einen aus dem Schwenninger Nachwuchs stammenden Spieler wie Marcel Goc gebührend ehrt, wenn er eine eigentlich für deutsche Eishockeyspieler als unerreichbar geltende Medaille mit nach Hause bringt. Da bricht keinem ein Zacken aus der Krone, wenn man vor Spielbeginn auch den Mannheimern Spielern applaudiert, die uns in den letzten Wochen viel Freude gemacht. Sobald der Puck fällt, sind sie unser Gegner, aber vor und nach dem Spiel wird doch die tolle Fankultur im Eishockey hochgehalten: „Da kann man mit dem Gegner auch ein Bier trinken.“ Hier sollten wir sie dann auch leben.

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Pausenanalyse (III): Die Wild Wings im Detail

An einem historischen Tage für das deutsche Eishockey folgt der dritte Teil der Pausenanalyse. Doch schnell noch ein paar Worte zum olympischen Finale: Es war eine vielleicht einmalige Chance ohne die NHL-Cracks und ein tolles deutsches Team hat fantastisch gespielt. Und es ist bitter, wenn du 55,5 Sekunden von Gold entfernt bist. Ich glaube nicht, dass wir das in unserem Leben nochmal erleben und ich glaube aber leider auch nicht, dass es dem deutschen Eishockey nachhaltig helfen wird. Dazu ist der Fußball zu stark, dazu fehlen auch die individuellen Helden und Vorbilder. Das Team war stark – aber wer ragt heraus?

Doch zurück zu den Wild Wings – nach dem Blick auf die Liga, die Zahlen und das Restprogramm möchte ich mich heute mit der Frage beschäftigen: Warum stehen die Wild Wings da wo sie stehen, was hat uns geholfen, was hat uns in die Position gebracht? Über offene Potentiale spreche ich dann im vierten Artikel der Serie.

So dachte man zu Beginn, das ist ein Strohfeuer, das ist nicht nachhaltig, so haben uns die Wild Wings über die ganze Saison bewiesen, dass es eben doch kein Strohfeuer ist, sondern die Ergebnisse eines durchdachten Konzepts sind. Es ist auch keineswegs so, dass die anderen so schwach sind. Natürlich hat man z.B. Mannheim weiter oben erwartet, aber die Wild Wings haben schon jetzt 10 Punkte mehr als im Vorjahr, das ist eine Steigerung um fast 20%. Und hoffentlich kommen noch welche dazu. Insgesamt habe ich vier Hauptgründe für den Aufschwung ausgemacht.

Unbedingte Dizsiplin

Es hat sich im letzten Jahr schon angedeutet, doch erst in diesem Jahr konnten sich Cortina und Rumrich das Team vollständig wie gewünscht zusammenstellen. Und Cortina legt Wert auf Disziplin, Wert auf Spieler, die immer (oder nahezu immer) ihre zugedachte Rolle auf dem Eis einnehmen und ihren eigenen Erfolg zu jederzeit dem Teamerfolg unterordnen. Und diese Disziplin manifestiert sich besonders in der Defensive. Offensiv sind wir nicht so prickelnd, aber ich muss sagen, dass ich selten eine Mannschaft in Schwenningen gesehen habe, die so konsequent auf das System achtet und so selten in einen Harakiri-Modus verfällt. Man ist eng an den Leuten, man steht dem Gegner auf den Füßen und wenn man vorne die Scheibe verliert, dann sind alle schnell wieder hinten. Es passiert uns fast nie, dass wir mit zwei Mann tief vorchecken und dann so überspielt werden, dass wir uns in der Abwehr in Unterzahl-Situationen befinden. Dadurch muss jeder Gegner gegen uns sehr hart arbeiten um ein Tor zu erzielen, wir geben quasi kaum „leichte Tore“ her. Und wir sind auch bei Strafen diszipliniert, haben noch keine große Strafe kassiert.

Das ist aufwendig, das ist nicht immer schön anzusehen, aber es ist – wenn man es perfekt spielt – sehr, sehr effizient und das scheint das Team verinnerlicht zu haben. Alle sehen, dass sie so eine Chance haben und deshalb ziehen auch alle an einem Strang, stehen als Team auf dem Eis. Cortina muss man für dieses System und die Taktik loben, Rumrich dafür, dass er die passenden Spieler herangeschafft hat. Führt zum zweiten Punkt:

Breiter Stamm an deutschen Spielern

Breite Kritik gab es, als im Sommer ein deutscher Spieler nach dem anderen verpflichtet wurde, am Ende gar noch Wörle kam. Aussagen wie „Da haben wir jetzt 10 Spieler für Reihe 3 und dann?“ machten die Runde. Doch dieser Stamm ist wichtig, denn er ermöglicht es uns zu variieren und auf Verletzungen zu reagieren. Wir hatten nie Probleme in der sehr wichtigen 3. Reihe adäquate deutsche Spieler aufzubieten. Und was noch viel wichtiger ist: Man hat vor allem erfahrene Spieler geholt. Danner, Wörle, Maurer und Co. kennen vor allem auch ihre Rolle. Sie wissen, dass sie keine Nationalspieler mehr werden, sie wissen, dass sie Role-Player sind. Holst da ein paar 20jährige, die sich nach zwei guten Spielen für den neuen Wayne Gretzky halten und dann meinen, dass sie nicht mehr für den Erfolg arbeiten müssen? Nein, diese Gefahr besteht bei unserem Team nicht. Und das stellt sich als richtig heraus: Lieber auf 4 oder 5 Scorerpunkte verzichten und dafür einen Spieler holen, der kein Divenverhalten an den Tag legt.

Die Nachverpflichtung von Damien Fleury

Es ergab sich die Chance Fleury zu holen und zum Glück hat man sie genutzt. Natürlich lief es auch vorher gut und ein positiv überraschender Markus Poukkula hat gut gescort – aber es war abzusehen, dass es auf Dauer nicht reichen würde sich auf das Scoring von Will Acton zu verlassen. Dafür waren alle anderen Ausländer zu unkonstant. Mit Fleury hat man Acton entlastet und eine zweite produktive Waffe in den Sturm gestellt, die Zahlen nach 30 Spielen belegen das auch. Hier muss der Respekt den sportlich und wirtschaftlich Verantwortlichen gelten, die die Chance gesehen und das Risiko in Kauf genommen haben.

Verletzungsglück

Eine kontroverse Überschrift, denn wir hatten doch über viele Spiele hinweg einige Verletzte zu beklagen: Sacher, Höfflin, Hult, El-Sayed, Timonen, Brückner fielen länger aus. Doch all das konnten wir ersetzen, da viele unsere deutschen Spieler – siehe „breiter Stamm“ – und die meisten Ausländer auf einem ähnlichen Level gespielt haben. Bis auf mit Abstrichen Sacher hat keiner dieser Spieler aus dem Team herausgeragt. Wir haben zwei Spieler, die sich nicht verletzten dürfen: Der unverwüstliche Will Acton und Dustin Strahlmeier. Strahlmeier – sowieso eine sehr gute Saison spielend und sich als absolut souveräner DEL-Starter etabliert – und Acton waren unsere Lebensversicherung und diese beiden haben sich zum Glück nicht verletzt. Deswegen sage ich trotz einiger Ausfälle: Es hätte uns wesentlich schlimmer treffen können.

In der Summe kommt damit eine Saison heraus, in der man bis zum letzten Spieltag die Dinge selbst in der Hand hat. Respekt an die sportliche Leitung, die gegen viele Widerstände diesen Weg weiterverfolgt haben. Hoffentlich werden sie – genauso wie die Mannschaft – dafür am Ende auch belohnt.

 

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Pausenanalyse (II): Statistische Zahlenspielereien und das Restprogramm

Weiter geht es, heute schauen wir mal auf das Restprogramm und die Ausgangslage und garnieren das danach mit ein paar statistischen Analysen. Nehmen wir mal die Plätze 8 – 12 ran, dann sieht es punktemäßig so aus:

8. Iserlohn 71 -16
9. Mannheim 70 -4
10. Schwenningen 68 -10
11. Düsseldorf 65 -20
12. Augsburg 63 -4

Und da es so eng ist, habe ich das Torverhältnis, das am Saisonende bei Punktegleichstand zählt, noch angefügt. Da für uns am wichtigsten der Blick nach hinten ist und wir praktisch nie Klatschen kassieren, sind das schon beinahe 4 Punkte Vorsprung auf Düsseldorf. Rechnerisch ist es einfach: Zwei glatte Siege reichen auf jeden Fall, 5 Punkte reichen höchstwahrscheinlich und bei weniger Punkten und/oder nur einem Sieg beginnt die Rechnerei und der Blick auf die Konkurrenz. Nehmen wir dafür erstmal das Restprogramm ran:

Iserlohn

Köln (H)
Schwenningen (H)
München (A)

Mannheim

Schwenningen (A)
Köln (H)
Augsburg (A)

Schwenningen

Mannheim (H)
Iserlohn (A)
Wolfsburg (H)

Düsseldorf

Nürnberg (A)
Berlin (H)
Krefeld (H)

Augsburg

Bremerhaven (H)
Wolfsburg (A)
Mannheim (H)

Das Positive bei der ganzen Sache ist, dass wir aufgrund der langen Pause Faktoren wie „einen Lauf haben“ vernachlässigen können, es geht doch für alle bei Null los. Was fällt beim Blick auf das Restprogramm auf? Wir spielen noch gegen zwei direkte Konkurrenten, die wir bei einem Sieg überholen würden. Und auch sonst haben wir alles selber in der Hand. Zwei Heimspiele, Gegner, die wir alle dieses Jahr schon geschlagen haben. Und ja, beim Blick auf Düsseldorf sieht es nach einem Freilos am letzten Spieltag aus. Nach dem großen Winterschlussverkauf in Krefeld sollten die dezimierten Pinguine auf dem Papier keine Gefahr mehr darstellen – doch es ist immer noch ein Derby und lass die Düsseldorfer dann mal den großen Druck spüren. Gehen wir trotzdem von einem Düsseldorfer Sieg aus, dann bleibt die Frage ob wir uns gegen Mannheim und in Iserlohn besser schlagen als Düsseldorf in Nürnberg und gegen Berlin. Es besteht natürlich die geringe Gefahr, dass Nürnberg und Berlin – für die es nur noch um die Frage Platz 2 oder 3 geht – im Hinblick auf die Play-Offs etwas schleifen lassen, während wir Teams spielen, für die es auch noch um die Play-Offs geht. Doch abgesehen davon sehe ich keinen Grund warum wir uns da in die Hose machen sollten. Brust raus, Düsseldorf muss aufholen.

Im Vergleich zu Augsburg sehe ich nicht, dass die Panthers mit dem Restprogramm fünf Punkte auf uns aufholen. Die stehen bei mir nur noch als Fußnote auf der Rechnung. Und der Blick nach oben? Iserlohn hat auch kein leichtes Restprogramm und – wie gesagt – wir spielen sie genauso wie Mannheim noch selber. So ganz abwegig ist eine kleine Klettertour in der Tabelle nicht.

Am besten schlagen wir gleich im ersten Spiel die Adler, dann sind wir fast sicher drin, schieben die Mannheimer weiter nach unten und außerdem ist so ein Derbysieg auch ohne Implikationen für die Tabelle eine ziemlich geile Sache. Emotionen raus – was sagen die Zahlen?

Disclaimer: Zahlen und Statistiken werde aussagekräftiger, je größer die Datenbasis ist. Mir ist bewusst, dass die Zahl von drei Spielen viel zu gering ist. Wer also keine Lust auf numerischen Hokuspokus hat, kann gerne aufhören zu lesen. 😉

Recht aussagekräftig im Bezug auf die Stärke eines Teams ist der Punkteschnitt über die ganze Saison. In der folgenden Grafik ist der Punkteschnitt für alle Teams aufgeführt. In den folgenden Spalten steht dann jeweils der notwendige Punkteschnitt den ein Team erreichen muss, um die in der obersten Zeile aufgeführte Punktzahl am Saisonende zu haben. Als mögliche Punktzahlen habe ich alle Punktzahlen aufgelistet, die wir noch erreichen können. Danach habe ich noch alle Werte entfernt, die mathematisch nicht mehr möglich sind.

Selbst wenn wir nur zwei Punkte holen, müssten die Teams hinter uns über ihrem bisherigen Saisonschnitt spielen. Wenn wir unseren bisherigen Schnitt halten, dann müssten Düsseldorf und Augsburg auf einem Level spielen, was über dem Niveau liegt, dass Branchenprimus Red Bull München über eine ganze Saison erreicht. Beim Blick nach oben zeigt sich aber genauso, dass auch wir weit über unserem Niveau spielen müssen, wenn wir die Teams über uns noch angreifen wollen.

Adjusted Predictions

Für die letzte Statistik habe ich anhand der bisherigen Spiele, der erzielten Punkte Heim- und Auswärts die wahrscheinlichen Punkte für das Restprogramm berechnet. Diese Rechnung berücksichtigt damit auch die Schwierigkeit des Restprogramms, in dem nicht der bisherige Punkteschnitt einfach weiter angenommen wird, sondern die Stärke des Gegner als Faktor mit reinkommt. Damit ergibt sich für die oben benannten Teams in der folgenden Schlusstabelle die erste Zahl. Die zweite Zahl ist wenn man beim Vergleich der Stärke der Teams annimmt, dass sich das bessere Team durchsetzt.

Iserlohn 76 77
Mannheim 74 73
Schwenningen 72 71
Düsseldorf 69 68
Augsburg 67 69

Beide Tabellen sehen uns am Ende auch auf Platz 10. Was der Blick auf das Restprogramm schon vermuten lässt, bestätigen auch die Zahlen. Die Liga ist sehr ausgeglichen, kein Team hat einen Vor- oder Nachteil durch das Restprogramm. Netter Ausreißer der Statistik: Nach der verwendeten Metrik wird Bremerhaven kein Spiel mehr gewinnen, null oder maximal einen Punkt holen und am Ende mit 72 Punkten ganz knapp am Strich ins Ziel einlaufen.

Fazit

Es sieht gut aus. Restprogramm vergleichbar, Zahlenspielereien sprechen auch für uns, wir haben alle Trümpfe in der Hand. Spielen wir sie aus. Mein persönlicher Tipp: Gegen Mannheim holen wir nix, die rächen sich für die Derbyniederlage. Dafür beweist die Mannschaft Moral, gewinnt in Iserlohn und rettet sich gegen Wolfsburg in die Verlängerung und damit in die Pre-Play-Offs.

Was ist Euer Tipp?

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Pausenanalyse (I): Lage der Liga

Olympiapause – eine tolle Saison wird unterbrochen, damit sich die dritte Garde international in Korea vergnügen kann. Wenn das Turnier wenigstens mit den Top-Spielern besetzt wäre. Dazu Zeitverschiebung mit Spielen zu unmöglichen Zeiten und eine leichte Aversion gegen das deutsche Team, weil Marco Sturm es gewagt hat auf Schwenninger Spieler zu verzichten. Dabei war der Palausch Strahlmeier doch so gut. Kurzum: Bei mir ist kaum Interesse für das olympische Turnier vorhanden, ich würde lieber die Saison fortsetzen. Doch nun ist die Pause da, Zeit für eine etwas ausführliche Analyse zum Überbrücken der freien Tage. Bis es wieder losgeht werde ich insgesamt vier Artikel dazu veröffentlichen:

  • (I) – Lage der Liga und der Wild Wings
  • (II) – Statistische Zahlenspielereien und das Restprogramm
  • (III) – Die Wild Wings im Detail
  • (IV) – Die nächste Saison

Lage der Liga

Nach einem historisch niedrigen Wert von 64 Punkten, der im Vorjahr für die Play-Off Qualifikation gereicht hat, sind es jetzt bereits 68 Punkte für das Team auf Platz 10. Die Liga ist enger zusammengerückt. Lediglich die Red Bulls aus München an der Tabellenspitze (Vorjahr 69% der möglichen Punkte, dieses Jahr 70%) spielen auf einem ähnlich hohen Level. Dahinter ist es enger geworden, Teams wie Köln und Mannheim sind abgestürzt und die Kellerteams haben sich prozentual verbessert. Besonders auffällig, der „dicke Bauch“ der Tabelle, zwischen Platz 4 und Platz 11 liegen keine 10 Punkte. Platz 4 ging letztes Jahr mit 97 Punkten weg, heuer hat der Vierte gerade mal 74 Punkte. Man kann sagen, dass die Liga in der Spitze nachgelassen aber in der Breite zugelegt hat. Über die Attraktivität kann man natürlich immer streiten, aber mir gefällts. So eine Spannung um die Play-Off Plätze abseits der drei enteilten Teams aus München, Nürnberg und Berlin hat man selten gesehen. Schon seit einigen Wochen ist jedes Spiel wichtig, für alle Teams, die um den Strich kämpfen, ist schon seit Wochen Play-Off Atmosphäre.

Das merkt man auch in den Spielen, seit Weihnachten hat die Intensität und die Härte sichtbar zugenommen und aus diesem Grund ist es sehr schade, dass diese Intensität jetzt rüde durch die Pause unterbrochen wird.

Diese enge Tabelle und die Tatsache, dass die Wild Wings lange Zeit ein bis zwei Spiele mehr hatten als die Konkurrenz, hat dafür gesorgt, dass wir lange Zeit besser geführt wurden als wir eigentlich waren. Platz 5 und Platz 6 waren toll, haben aber den Blick etwas verdeckt, dass es für uns bis zum letzten Spieltag um den Kampf um Platz 10 gehen wird. Inzwischen ist die Tabelle bereinigt und wir stehen auf Platz 10. Grund zur Sorge? Nein. Denn wir haben allen Grund selbstbewusst zu sein.

Wir stehen auf Platz 10! Wir sind derzeit in den Play-Offs! Natürlich haben wir Druck, aber der größere Druck haben die Teams hinter uns. Die MÜSSEN punkten, die MÜSSEN aufholen, die haben derzeit ihr Saisonziel verpasst. Vergleichen wir das ganze mit Poker, dann haben wir keinen Grund unsere gute Hand wegzuwerfen, nur weil Düsseldorf und Augsburg möglicherweise ein Royal Flush haben. Brust raus, die Saison zu Ende bringen und dann ist eine wunderbare Chance da, die Saison zu verlängern.

Und wie ist die Pause jetzt zu bewerten? Gut für uns, schlecht für die anderen. Ich glaube, das kann man nicht eindeutig beantworten. Es gibt gute Argumente für beide Seiten. Wir können uns regenerieren und in Ruhe an den Schwächen arbeiten, während andere Teams ihre Spieler für Olympia abstellen müssen. Andererseits können die anderen Teams auch den Schwung von Olympia mitnehmen und wir holen uns durch ständiges Trainieren ohne Testspiele einen Lagerkoller. Der einzige tatsächliche Unterschied: Andere Teams legen personell nochmal nach, das ist bei uns wohl ausgeschlossen. Wir können nur auf die Rückkehr einiger angeschlagener Spieler hoffen, bei Timonen sieht es wohl gut aus und auch Will Acton kann sich auskurieren.

Ein geschwurbelter letzter Absatz, aber die Konsequenz ist für mich eindeutig: Konzentriert weiter arbeiten, alles in die nächsten drei Spiele reinlegen und selbstbewusst diese Partien angehen – denn wir haben uns diese Saison jede Menge Respekt verschafft, keiner spielt gerne gegen uns, keiner sieht Schwenningen mehr als „Selbstläufer“. Und dann schauen wir am 04.03. abends mal, wie es für uns aussieht und auch wie es in der Liga aussieht. Wen hat es erwischt, wer spielt Play-Offs, wer hat Urlaub.

 

 

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Falsche Prioritäten?

Es ist inzwischen leider eine – überhaupt nicht lieb zu gewinnende – Tradition in Schwenningen, dass gefühlt nach allen Niederlagen und auch nach der Hälfte der Siege über die Schiedsrichter gemotzt und gemeckert wird. Leider bisweilen auf einem einfach nur unanständigen Niveau. Exkurs zum gestrigen Spiel:

Natürlich war die erste Strafe gegen Danner sehr soft, dennoch vertretbar, aber die glasklaren fünf Schwenninger Feldspieler in der darauffolgenden Unterzahl werden dann unterschlagen, weil es nicht ins Bild der die Schwenninger stets benachteiligenden – bitte setzen sie hier ein ihrem Niveau angepasstes Schimpfwort ein – Zebras passt. Klar hätte man aus den Birken für das Verschieben des Tores im ersten Drittel sanktionieren können, komischerweise fordert keiner dies gegen Strahlmeier, als ihm im zweiten Drittel dasselbe passiert. Und dass das Tor im Schlussdrittel nochmal an derselben Stelle aus der Verankerung reißt, als Seidenberg und Fleury im Zweikampf dagegen stoßen, lässt es nicht ganz abwegig erscheinen, dass die Eisqualität dort nicht die Beste war.

Zurück zu den Prioritäten: Warum muss diese Aufregung sein? Mit einer gewissen Portion Fatalismus oder wahlweise Realismus sollte man erkennen, dass sich dadurch nichts ändert. Wir werden keine anderen Schiedsrichter kriegen und es ist verschwendete Energie. Sieht übrigens auch Cortina so, der sich zwar während des Spiels echauffiert – was ich für völlig legitim halte – aber fast nie auf der PK danach noch über den Spielleiter herzieht. Bringt nix. Ich würde und ich habe gestern auf andere Sachen geschaut: Der vielleicht beste, aber zumindest erfolgreichste, Trainer der DEL-Geschichte verlässt unser Eis und muss kräftig durchpusten, ist auf der PK stolz auf seine Mannschaft, die ein „Top Five – Team“ der Liga geschlagen hat. Wann haben wir in Schwenningen zuletzt solche Komplimente erhalten? Das geht runter wie Öl, das ist echte Wertschätzung und man muss unsere Mannschaft absolut dafür loben, dass sie den Top-Teams der Liga alles abverlangt. Keiner kann in Schwenningen in diesem Jahr mehr mit Halbgas gewinnen. Darauf können und sollten wir stolz sein. Ich bin gestern zufrieden aus dem Stadion, ich hab ein temporeiches und intensives Eishockeyspiel gesehen, bei dem mein Team alle über viele Jahre herbeigesehnten Tugenden gezeigt hat und durchaus mit Chancen war gegen den amtierenden deutschen Meister mit mehrfachem Etat einen oder mehrere Punkte zu holen. Und das verdient. Ohne Glück.

Und es ist mein Plädoyer sich darüber zu freuen und nicht die Energie, die wir noch brauchen, auf unnötige, sinnlose und in vielen Fällen falsche Schiedsrichterschelte zu verwenden. Zumal der Weg zum Jammern nach Niederlagen kurz ist. Nochmal ein Exkurs zum Spiel: Was ist in den letzten Wochen passiert? Es geht auf die Play-Offs zu und damit nimmt auch die Intensivität zu. Die anderen Teams haben gemerkt, dass sie den Wild Wings mit Härte beikommen können. Das schmeckt unserer eher kleinen und technisch veranlagten Truppe nicht so recht und bei einigen Fans – wer kann es ihnen verdenken – ist „Play-Off Härte Level DEL“ ebenfalls unbekannt. München hat gestern natürlich am Rande der Legalität gespielt, aber das tun Top-Teams so und die allermeisten Zweikämpfe an der Bande waren völlig im Rahmen. Wenn die Münchener Verteidiger im Schnitt einen Kopf größer und 10 Kilo schwerer als unsere Stürmer sind, dann ist nicht jeder Zweikampf bei dem ein Schwenninger Spieler zu Boden geht automatisch ein Foul. Kein Grund zum „Heeeeeeeeey“ – Schreien. Und Nickligkeiten und Provokationen gehören zu diesem Sport ebenfalls dazu, da muss man entweder cool bleiben oder sich wehren. Spiele in den Play-Offs werden mehr als in der regulären Saison über Körperspiel und Zweikämpfe gewonnen.

Worauf wir stolz sein können: Dass München dieses Niveau gegen uns auspacken muss. Das können wir mitnehmen, da sollten unsere Prioritäten liegen. Wir haben die beste Mannschaft seit Menschengedenken auf dem Eis stehen und keiner weiß, ob so ein Jahr so schnell wiederkommt und anstatt das anständig zu feiern und zu würdigen, reiben wir uns in fruchtlosen Schiedsrichterdiskussionen auf. Sehr schade.

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Crunch Time

Die Wild Wings spielen bisher eine wunderbare Saison, doch ab Freitag geht es um die Wurst. Oder wie man im Sport so sagt: Es ist Crunch Time. Denn blicken wir mal auf die Tabelle, dann haben sich oben 3 1/2 Mannschaften deutlich abgesetzt. Doch von Platz 5 – wo sich unsere Wild Wings gerade befinden – bis zur roten Laterne sind es nur 13 Punkte. Da haben alle Teams noch alle Chancen, das ist so ein enges Höschen, da kann jeder noch die Play-Offs erreichen und jeder auch noch rausfliegen.

Deshalb sind die nächsten Spiele so wichtig. Binnen sechs Tagen spielt man gegen drei direkte Konkurrenten um die Play-Offs, da sollte man doch zwei Spiele von gewinnen. Denn wenn wir alle ehrlich zu uns selbst sind: Auch wenn die Saison hervorragend ist, wenn wir am Ende doch nur auf Platz 11 einlaufen, dann wären wir alle enttäuscht. Und der Mannschaft geht es genauso. Da reißt Du Dir Woche für Woche extrem den Arsch auf und belohnst Dich am Ende nicht mit dem Einzug in die Play-Offs. Nein, das will keiner. Platz 11 oder schlechter wäre nach dem Saisonverlauf eine Enttäuschung.

Wir haben den großen Vorteil, dass wir nicht wie in all den vergangenen Jahren mit Rückstand in die letzte Saisonphase gehen, sondern einen Vorsprung haben, den wir nur verteidigen müssen, von dem wir zehren können. Das ist eine völlig neue Situation und dafür hat die Mannschaft seit September gekämpft und dieses Polster hat sie sich verdient.

Das hat aber viel Kraft gekostet, der Verschleiß ist bei einigen Spielern klar sichtbar, die Verletzungen tun ihr übriges dazu. Deshalb muss man jetzt auf die Zähne beißen und jetzt sind auch die Fans gefragt. Die Mannschaft hatte kaum Kredit und hat sich davon umso mehr erarbeitet. Jetzt müssen wir es zurückgeben und sie in der schwierigen Phase lautstark über die Ziellinie schieben. Auch wenn man gegen Straubing nicht mehr die nötige Kraft aufbringt, auch wenn man in Berlin mal eine Klatsche kassiert – es ist Zeit gemeinsam an unserem Traum zu arbeiten.

Packen wir es an – stimmungsvoll und vor vollem Haus gegen die DEG.

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Frohe Weihnachten

Frohe Weihnachten an alle meine Leser – gibt es für Schwenninger Fans ein schöneres Weihnachten als dieses Jahr? Platz 5 und frisch von einem Derbysieg aus Mannheim gekommen, eigentlich können wir die Saison jetzt auch beenden. Mehr geht nicht.

Doch, es geht mehr. Denn dieses Team wirst Du in einigen Jahren im Duden als Paradebeispiel für „Team – Gemeinsam mehr als die Summe der einzelnen Teile“ wiederfinden. Viele Spieler sind nur mit durchschnittlichen Zahlen nach Schwenningen gekommen, wenige haben auch wirklich überragende, spielentscheidende Fähigkeiten. Doch gemeinsam funktionieren sie. Funktionieren durch eiserne taktische und persönliche Disziplin – wir sind so fair, eine Reise nach Oslo am 10. Dezember 2018 können wir fest einplanen – bei der jeder seine persönlichen Fähigkeiten bis zur Selbstaufgabe einbringt.

Gut, manchmal fehlt etwas die Härte, aber das gestrige Spiel der Adler hat gezeigt, dass man sich mit Härte auch selber aufreiben kann. Wir spielen unseren Stiefel runter, fast schon langweilig geordnet. Müssen um jedes Tor und jede Chance hart kämpfen, aber lassen den Gegner auch genauso für jedes Gegentor noch härter kämpfen.

Platz 5 ist kein Glück, keine Phase – nach 2/3 der Saison stehen wir zurecht da, wo wir stehen. Und auch wenn die Saison noch lang ist und der Verschleiß durch die Verletzungen zunehmend sichtbar wird – diese Mannschaft verkörpert Schwenninger Tugenden und selbst wenn sie noch bis auf Platz 10 durchgereicht wird – dieses Jahr bisher, die vielen tollen Momente, die grandiosen Auswärtssiege bei all den großen Teams – die kann uns keiner mehr nehmen.

Und dafür gehört den Verantwortlichen ein großer Dank. Allen. Ich weiß nicht, wer welchen Anteil an der Mannschaft hat, ich weiß nicht, wer in Poukkula dieses Potential gesehen hat, ich weiß nicht wie die Rollenverteilung intern ist – ich habe immer gesagt, die sportliche Leitung muss sich im Gesamten rechtfertigen. Und jetzt muss sie sich auch im Gesamten loben lassen: Rumrich, Cortina und Väkkiparta haben ein Team aufs Eis gestellt und geformt, das gute Chance hat, sich dauerhaft einen Platz in der Schwenninger Eishockey Hall-of-Fame zu sichern. Ich hab das im Vorfeld mit dem Kader so nicht gesehen, umso schöner wenn man positiv in dieser Art und Weise überrascht wird. Und ein Lob auch an die finanziell Verantwortlichen, die mit der Nachverpflichtung von Damien Fleury es ermöglicht haben, den vielleicht größten Fehler im Kaderbau noch rechtzeitig zu korrigieren.

Mit all diesen positiven Gedanken sollten wir jetzt alle ein schönes Weihnachtsfest feiern. Es könnte schlimmer sein…. *vorsichtig in Richtung Kurpfalz schiel*

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Plädoyer gegen die Hysterie

Sportlich voll im Soll, die Play-Offs fest im Blick – der Schwenninger Fan könnte sich eigentlich gemütlich zurücklehnen und sich des Lebens freuen. Doch leider scheint das nicht zu reichen. Denn wie auch in anderen Bereichen der Gesellschaft, wo aus jeder Mücke gerne ein Elefant gemacht wird, wo jedes noch so kleine Thema eine Bühne findet um hochgejazzt zu werden, gibt es auch im Eishockey Ereignisse, die beinahe hysterisch und übertrieben bearbeitet und besprochen werden.

Thema 1, hier in Schwenningen: Der Bremerhavener Bus wird besprüht. Klar, dass ist keine schöne Sache, der Verursacher – wenn er denn gefunden wird – sollte auch „die Ohren lang gezogen“ bekommen. Aber was man sonst so gelesen hat? „Steinigen und lebenslanges Stadionverbot“. Bitte? Geht’s auch ne Nummer kleiner? Ja, es gibt einen Sachschaden, aber der ist in überschaubarem Rahmen. Es wurde keiner verletzt, es wurde keiner gefährdet und wenn es abwaschbare Farbe wäre, dann könnte man darüber sogar schmunzeln. Man merkt es auch ligaweit, dort wurde von der Aktion Notiz genommen, kurz der Kopf geschüttelt und dann ist man zurück zur Tagungsordnung. Bremerhaven hat eine launige Meldung, Stichwort „Spätzle-Aboriginies“ geschrieben und mehr Aufmerksamkeit haben solche Aktionen, möglicherweise gerechtfertigt durch eine krude Ultra-Kultur, überhaupt nicht verdient. Nur in Schwenningen überbietet man sich mit den Forderungen nach Konsequenzen, schreibt weitschweifige Stellungnahmen und Entschuldigungen als hätten Schwenninger Fans einen Kindergarten überfallen. Ist das wirklich nötig und der Sache angemessen? Ich denke nein.

Thema 2, ligaweit. Die Adler aus Mannheim spielen Champions Hockey League, verlieren in Brynäs, scheiden aus, werden durch die Schiedsrichter – mit neutraler Brille – über das ganze Spiel benachteiligt und am Ende entlädt sich der aufgestaute Frust, besonders bei Thomas Larkin manifestiert er sich in einem üblen Blindside Hite gegen Daniel Paille. Ohne jede Diskussion, das war ein böses und gesundheitsgefährdendes Foul. Doch Worte wie „Amoklauf“, „Mordversuch“ und Forderungen nach lebenslanger Sperre sind auch hier völlig übertrieben. Man muss die Kirche im Dorf lassen, Fouls gehören zum Sport (leider) dazu und bei Vollkontaktsportarten, wie Eishockey eine ist, kann es bei harten Fouls auch zu ernsten Verletzungen kommen. Dies wird von den Spielern aber akzeptiert, das sind alles keine Unschuldslämmer und Hasenfüße.

Kleiner Exkurs, weil sich immer wieder beschwert wird, dass man nix über Verletzungen erfährt: Weiß ich, dass mein Gegenspieler z.B. eine Oberschenkelprellung rechts oder eine Bänderdehnung in der Schulter links hat, dann bearbeite ich die Stelle auf legale und illegale Weise, mit Körper, Stock und allem was ich habe. Jeder, der selber auf dem Eis stand, weiß, wieviele Möglichkeiten du dazu im Spiel hast, die ein Schiri gar nicht sehen kann. Das ist wie beim Boxen, da haue ich auch immer wieder auf den offenen Cut drauf. Fair? Bedingt. Zur Sportart zugehörig: Definitiv.

So, und das ist üblich und Verletzungen gehören zu dieser Sportart dazu. Es hat böse Fouls wie das Larkin-Foul schon immer gegeben (die Älteren werden sich in unserer Welt z.B. an Handrick-Martin erinnern) und es wird sie auch weiterhin geben. Und im Vergleich zu anderen Fouls aus der Vergangenheit ist diese Aktion jetzt auch nicht „outstanding“, sondern reiht sich in die Sammlung der „Dirty Hits“ ganz gut ein. Ob die Strafe mit nun 4 Spielen um 2 Spiele zu niedrig ausgefallen ist, darüber kann man streiten, aber in Relation zur Länge der CHL-Saison ist das eine harte Strafe, vergleichbar 20 Spiele in der NHL. Blicken wir kurz in die Vergangenheit:

Die Eishockey-Welt kennt eine gültige lebenslange Sperre (Ryspayev, KHL) und eine begnadigte lebenslange Sperre (Coutu, Boston, 1927). Und in vielen zigtausend Spielen seit 100 Jahren und mehr gibt es nur gut zwanzig dokumentierte Sperren für 20 oder mehr Spiele, darunter auch der hier bekannte Gordie Dwyer oder der in Deutschland hoch angesehene Tom Kühnhackl. Die meisten Strafen übrigens für Stockaktionen und/oder Attacken gegen Offizielle. Wenn die ganze Eishockey-Welt, die aus Spielern und ehemaligen Spielern besteht, wirklich der Meinung wäre, dass solche Aktionen so schlimm sind wie sie in den letzten Tagen vermeintlich gemacht wurde, müsste dann nicht ein Konsens herrschen, dass es viel mehr dieser hohen Strafen gibt?

Also auch hier – runterfahren und nicht den ganzen Hass auspacken, nur weil es sich um einen Mannheimer handelt. Als Alex Dück einst in den Play-Downs Frankfurts Superstar Pat Lebeau mit einem üblen Hit gleich im ersten Spiel aus der Serie genommen hat, da hat kein Hahn in Schwenningen danach gekräht. Waren die Zeiten anders? Ist es eine Generationenfrage, die heute ein anderes und „weicheres“ Eishockey sehen wollen?

Das Gegenargument zum ganzen Thema ist, dass so schnell die Hysterie beginnt, alles auch wieder vorbei ist. Wie bei einem guten Shitstorm. Doch macht es das besser?
Deshalb: Plädoyer gegen die Hysterie. Calm Down. Runterkommen und Sachen realistisch betrachten. Durchatmen => Nachdenken => Posten.

Oder welche Sau treiben wir nächste Woche lautstark durchs Dorf?

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Helle Aufregung am Feiertag

Eigentlich ein Tag der Ruhe und der Familie, entspannt und vergnügt – nicht in Schwenningen. Helle Aufregung – und das gleich mehrfach. Das Spiel dabei noch am harmlosesten. Wer viele gute Spiele macht, muss auch mal schlechte Spiele abliefern – das ist schon immer so gewesen und eine natürlich Schwankung. Eine nach vielen tollen Aufholjagden platte und dezimierte Mannschaft und clevere Bremerhavener. Man kann nicht jedes Mal mehrere Tore aufholen, hat eben heute nicht gereicht. Trotzdem ist man punktemäßig noch im Soll…

..und kann optimistisch nach vorne blicken, denn entgegen aller, teils derben, Aussagen der Verantwortlichen über die leere Kasse und die Unmöglichkeit eines zusätzlichen Ausländers wurden die vielen Wünsche der Fans erhört und der größte Fehler bei der Zusammenstellung der Mannschaft endlich korrigiert. Und nicht nur korrigiert, sondern sehr überzeugend korrigiert. Damien Fleury kehrt zurück nach Schwenningen, der französische Nationalspieler und mit 25 Treffern in einem DEL-Jahr sehr erfolgreiche Stürmer, den nach einem Jahr das große Geld nach Peking in die KHL lockte. Jetzt kehrt der Weltenbummler also zurück an den Neckarursprung. Natürlich sind Rückholaktionen oft gescheitert und man darf nicht zu hohe und verklärte Erwartungen an ihn haben – aber mich begeistert diese Verpflichtung, denn er ist nicht nur ein zusätzlicher Ausländer im Kader sondern bringt viel mehr mit:

Er ist der Torjäger, der uns im Sturm fehlt und hat bereits bewiesen, dass er mit Acton funktioniert.

Er ist giftig und aggressiv, passt gut in unser Spiel.

Er ist einer der bei uns so rar gesäten Rechtsschützen.

Er kennt das Umfeld, die Fans und Teile des Teams.

Er ist vielleicht das fehlende Puzzleteil um uns tatsächlich eine echte Chance auf die Play-Offs zu geben.

Mein großer Respekt an die Verantwortlichen, sowohl an die sportliche Leitung, dass der Kontakt nie abgebrochen wurde und man bei der sich überraschend gebotenen Chance zugegriffen hat und genauso auch an die wirtschaftliche Leitung, dass man trotz Etat-Unterdeckung und noch nicht zufriedenstellenden Zuschauerzahlen die Schatulle nochmal geöffnet hat. Chapeau!

Doch damit nicht genug, nein, es gab auch noch Gesprächsstoff neben dem Eis. Der Mannschaftsbus der Bremerhavener wurde in der Nacht vor dem Hotel mit einem übergroßen „Meedale“ – Schriftzug besprüht. Die Aktion ist scheiße, doch man erlaube mir zwei kleine Anmerkungen dazu:

  1. Die allgemeine Empörung, auch bei den Bremerhavenern und ligaweit ist übertrieben. Lebenslanges Stadionverbot, Beleidigungen, etc.. – das volle Programm an Forderungen und Entgleisungen. Es ist kein Mensch zu Schaden gekommen, es handelt sich „nur“ um Sachbeschädigung. Das gehört aufgeklärt, das gehört gebüsst und sowas ist Kindergarten und sinnloser Vandalismus. Aber: Es ist für mich auf einem ähnlichen Level wie das Anbringen von Aufklebern auf fremden Eigentum. Nur größer. Und diese Aufkleber findest Du von allen Clubs überall in den Stadien und in der Liga – diese Unsitte ist nicht nur ein Schwenninger Problem. Man darf und muss die Aktion kritisieren und verurteilen, aber man sollte sich noch Empörungspotential für denkbare Steigerungen bewahren.
  2. Es liegt nahe, dass die im Graffiti benannte Gruppe an der Entstehung beteiligt war, denn meistens wollen Ultras doch auch, dass man weiß welche Aktion jetzt von wem stammt. Aber man weiß es nicht. Eine Vorverurteilung oder Sippenhaft kann nicht die Lösung sein, die Unschuldsvermutung muss gelten. Solange keiner der Beteiligten redet oder es eine Überwachungskamera gibt wird die Aufklärung schwierig – was soll die Polizei da groß machen? Aber wer immer das auch war, der sollte am Unmut der Fanszene ganz klar merken, dass so etwas keiner sehen will und er (oder sie) keinerlei Unterstützung in der Schwenninger Fanschaft für solche Aktionen hat.

Insgesamt ein unnötiges Schmierentheater, das vom überwiegend positiven Saisonstart leider ablenkt und niemandem hilft.

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