Das Ende aller Träume

Dieses Wochenende bedeutet für das Schwenninger Eishockey in der Tat ein Ende, das Ende aller Träume. Ich schreibe bewußt nicht „Saisonziel verpasst“ oder so etwas, denn das Saisonziel „So lange wie möglich Platz 10 in Reichweite zu haben.“ haben wir mit Hängen und Würgen halbwegs erreicht, die Play-Offs – oder korrekterweise Pre-Play-Offs – sind und waren ein Traum. Und wie bei Träumen so üblich, bleiben es halt oft Träume. So auch wieder in diesem Jahr. Mit den Niederlagen gegen München und in Straubing ist es zwar mathematisch immer noch möglich, aber nicht mehr realistisch. Die Zahlenspielerei von letzter Woche nochmal aktualisiert müssten wir schon über dem Niveau von Spitzenreiter Nürnberg spielen, um das noch zu erreichen. Vergessen wir’s.

Doch kamen diese Niederlagen überraschend? Ich meine nein, denn im Laufe einer Saison gibt es etwas was selten lügt: Die Tabelle. Und auch wenn die wehtut, weil man sieht was an der Nordseeküste mit ähnlich begrenzten Mitteln in diesem Jahr gelingt, sie sagt aus, dass wir im Schnitt nur einen Punkt pro Spiel holen. Die vier Punkte am vorvergangengen Wochenende waren ein Ausreißer nach oben, das Wochenende jetzt mit 0 Punkten hat uns wieder genau auf Schnitt gebracht.

Ich glaube nicht, dass das an der Einstellung liegt, ich glaube einfach, dass es gute und schlechte Tage gibt. Jeder unserer Jungs kann tolles Eishockey spielen, jeder kann den Gegner aussteigen lassen, jeder kann genau in den Winkel schießen, das Team kann jeden in der Liga schlagen. Aber eben nicht konstant und immer. Das ist neben läuferischen und technischen Grundlagen und taktischer Flexibilität ein grundlegendes Qualitätsmerkmal. Und ich finde es falsch, dann immer auf der Mannschaft herumzuhacken, wenn einfach nicht mehr geht.

Vergleichen wir mal andere Sportarten. Ganz aktuell, Mischa Zwerev wirft in Melbourne bei den Australien Open den Weltranglistenersten Andy Murray raus. Ist er jetzt der beste Tennisspieler der Welt und muss er das nicht in jedem Spiel bringen? Nein, denn er kann dieses Niveau nicht konstant bringen. Das unterscheidet die guten von den sehr guten. Und an einem guten Tag und bei einem schlechten Tag des Gegners schlagen wir daheim eben Mannheim oder Nürnberg, aber dieses eine von zehn Spielen in denen uns das gelingt, das ist eben nur eines. Anderer Vergleich: Biathlon oder Ski Alpin. Es gibt sicher 30 oder mehr Leute, die ein Rennen gewinnen können, aber in der Konstanz kann es derzeit nur ein Fourcade. Es gibt jede Menge gute Skiläufer, denen mal ein Traumlauf aufgeht, aber diese Läufe in Serie können eben nur ein Marcel Hirscher oder eine Mikhaela Shiffrin bringen.

Deswegen ist das Erwachen aus dem Traum für mich kein böses Erwachen, sondern einfach ein Ergebnis einer rationalen Betrachtungsweise der Realität. Dieses Jahr ist eben nicht das Jahr in dem der Knopf aufgeht, dann eben nächstes Jahr. Dafür kann man jetzt die Weichen stellen und wenn man Bremerhaven ausblendet und mal die Historie von Straubing und Iserlohn in der DEL betracht, dann sind wir voll im Soll. Straubing ist mit den Plätzen 12,14,13,13,13,6 (Play-Offs) gestartet, die Roosters mit 15,12,9,12,11,11,11,5 (Play-Offs), wir stehen bei 13,14,14,??. Alle Mannschaften wollen in die Play-Offs, es gibt für uns keine Garantie und wenn wir es einmal in fünf Jahren schaffen, dann ist das für uns ein Erfolg.

Deshalb gilt es jetzt auch schon den Fokus auf die neue Saison auszurichten und dort einen neuen Anlauf zu wagen. Natürlich, Platz 11 oder 12 als beste Platzierung in der jüngeren DEL-Geschichte ist ein schönes Ziel und auch die bisher beste Punktzahl von 55 Punkten aus dem Vorjahr gilt es noch zu übertreffen – aber man sollte jetzt genau drauf achten, wer noch mitzieht und sich damit für einen weiteren Vertrag empfiehlt. Ich bin nach dieser Saison nicht so verbittert und enttäuscht wie in den vergangenen Jahren – natürlich spüre ich auch keine überbordende Freude – aber dann eben einen nächsten Anlauf im neuen Jahr. Das ist eben unsere Rolle in der DEL und die kann und muss ich akzeptieren.

Und die Fischköppe stürzen nächstes Jahr auch ab. Punkt.

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Platz 10 – eiskalt kalkuliert

Gutes Wochenende, zwei Spiele gewonnen, aufsteigende Form – sportlich hatten wir in Schwenningen schon deutlich schlechtere Zeiten. Und so schielen Fans und Team – zurecht – auf Platz 10. Ausgehend von einer kleinen Diskussion im esbgforum über die noch zu vergebenden Punkte und die mögliche Erreichbarkeit von Platz 10 habe ich kurz eine kleine Excel-Tabelle angelegt, die aus meiner Sicht die Wichtigkeit des direkten Duells am Freitag in Straubing unterstreicht. Dieses Spiel müssen wir gewinnen, das ist ein Schlüsselspiel und wenn man am Kader noch etwas tun will, dann muss dies bis Freitag geschehen. Hier zuerst die Grafik (anklicken zum Vergrößern):

Erläuterung: Platz , Teamname, Spiele und Punkte sind aus der aktuellen Tabelle übertragen. Die fünfte Spalte berechnet den bisherigen Punkteschnitt und die sechste Spalte die Endpunktzahl, wenn der bisherige Schnitt beibehalten wird. Dort sieht man, dass die Zielmarke für Platz 10 derzeit 65 Punkte sind. Die weiteren Spalten zeigen dann jeweils den Punkteschnitt, den das Team in den kommenden Spielen erzielen muss, um die Punktzahl in der Kopfzeile zu erreichen. Mathematisch nicht mögliche Zellen sind ausgeblendet. Die beiden rechten Spalten zeigen dann noch den notwendigen Schnitt für die prognostizierte Punktzahl für Platz 6 und Platz 1. Daraus lesen wir also, dass wir in den kommenden Spielen 1,81 Punkte im Schnitt pro Spiel machen müssen. Also genauso weiter wie dieses Wochenende.

Schauen wir nun das Spiel in Straubing am Freitag an, ein Team auf Augenhöhe, das derzeit Platz 10 behält. Nehmen wir zwei Szenarien: Straubing gewinnt oder wir gewinnen.

Die obere Rechnung zeigt einen möglichen Sieg der Wild Wings in Straubing. Dann würden sogar 64 Punkte reichen und wir müssten nur noch 1,62 Punkte im Schnitt erreichen. Immer noch sehr ambitioniert, aber nicht völlig unrealistisch. Verlieren wir aber das Spiel, dann braucht man 68 Punkte für Platz 10 und wir bräuchten einen Schnitt von 2,15. Besser als ihn der jetzige Tabellenführer über die ganze Saison halten kann. Sehr unrealistisch. Faktisch unmöglich.

Ich weiß, dass in der Rechnung die Unbekannten Berlin und Bremerhaven fehlen (dann wäre der Sollschnitt aber auch bei mindestens 1,95) und die Realität jede Statistik schlagen kann – aber für mich ist im Bezug auf Freitag klar: Verlieren verboten!

 

 

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Der Tag danach

Zum Jahreswechsel hat es auf der Schwenninger Geschäftsstelle wohl einen neuen Füller gegeben, soviel Verträge wurden in den letzten Tagen unterschrieben. Danner, Kurth und Brückner langfristig – da gab und gibt es viel Zuspruch. Danner gehört bald schon zum Inventar und ich würde nicht dagegen wetten, dass in einigen Jahren ein Freiburger sein Trikot unter unser Dach hängen darf. *brrr* *schüttel*. Einsatzmäßig kann man Danner und Brückner nie etwas vorwerfen, sie sind natürlich keine Überflieger, aber sie spielen das was sie können mit sehr viel Herz. Beide passen nach Schwenningen. Bei Kurth ist definitiv noch mehr Potential da, hier finde ich es gut, dass man nach dem kleinen Rückschritt in diesem Jahr das Vertrauen in ihn nicht gleich verloren hat.

Für mehr Aufregung sorgt die Verlängerung des Vertrages von Jürgen Rumrich um zwei Jahre, schließlich ist der Manager nicht unumstritten. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ihn nicht für die Idealbesetzung auf der Position halte und ich habe mich über die Verlängerung nicht freuen können. Auch die Aussage von Herrn Werner, dass man Rumrich organisatorisch entlasten möchte, damit er sich mehr auf das Sportliche konzentrieren kann, finde ich schade – ich hätte mir da gewünscht, dass man Cortina mehr sportliche Macht zugesteht. Aber gut, es bringt nichts wöchentlich das gleiche Gemeckere zu bringen, es ist für uns nicht einfach eine Person zu finden, die sich diesen Manager (+plus Team-Organisator) Job in Schwenningen für vergleichsweise kleines Geld antut – wir müssen jetzt mit Rumrich leben, also machen wir das Beste draus. Positiv ist für mich ganz eindeutig, dass die Gesellschafter durch die langjährigen Verträge ein klares Bekenntnis zum Standort Schwenningen abgeben und Rückzugsgerüchten mal kurz den Mittelfinger präsentieren.

Lassen wir also den Manager mal Manager sein und überlassen ihm die sportliche Planung fürs kommende Jahr. Ich möchte noch gar nicht so über mögliche Verlängerungen nachdenken, schließlich sind wir noch mitten in einer Saison in der durchaus noch etwas möglich ist. Die letzten Wochen haben neben einem fantastischen Erlebnis Wintergame die bisherige Saison fortgeschrieben: Die Mannschaft spielt das was sie kann, versucht hinten dicht zu machen und konnte sich nach der Rückkehr einiger Verletzten in der Offensive und im Powerplay – wir haben die viertbeste Überzahl der Liga(!) –  stabilisieren und dadurch ein paar enge Spiele gewinnen, die man im November noch verloren hat.

Natürlich sind sieben aufzuholende Punkte in sechzehn Spielen auf dem niedrigen Niveau was heuer im Tabellenkeller herrscht kein Pappenstiel, aber der restliche Spielplan kommt uns entgegen. Von den sechzehn noch zu bestreitenden Partien gehen ganze zehn gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte. Ausgangsgedanke ist, dass der Kampf um Platz 10 von allen Teams ab Platz 7 geführt wird. Dort ist der große Bruch in der Tabelle. Und von den übrigen sechs Spielen gegen die Top-Teams hat man immerhin vier daheim. Die Ausgangslage könnte also schlechter sein.

Und ich finde, da sollten wir uns jetzt alle drauf konzentrieren. Fans und Team. Falls finanziell möglich nochmal einen zusätzlichen Spieler verpflichten und dann alles reinwerfen. Wir haben Mitte Januar noch eine Chance auf Platz 10 – das haben wir uns immer gewünscht. Wir haben eine Mannschaft, der man wenig vorwerfen kann – auch das haben wir uns immer gewünscht. Wenn wir an Fasnacht Platz 10 feiern, dann wird am Ende keiner mehr fragen, ob und wieviel Punkte man dafür gebraucht hat und zu was das im Vorjahr gereicht hätte.

Und wenn wir es nicht schaffen, dann können wir immer noch Sündenböcke suchen und motzen. Kräfte bündeln – wir haben alle ein gemeinsames Ziel!

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Die Entmannung des Schwenninger Eishockey

Selten bin ich so frustriert wie gestern aus dem Stadion gegangen. Nicht wegen der Niederlage, man kann verlieren. Ich habe eine verunsicherte Mannschaft gesehen, die durchaus  gewollt hat, die nach 10 Minuten führen muss, die sich Chancen erspielt hat (ein mehr als deutliche Plus bei den Schüssen) um diese dann leichtfertig, überhastet mit Pech und Unvermögen teils kläglich zu vergeben, die das Spiel auch nach dem 0:2 durch den Anschlusstreffer wieder spannend gemacht hat und dann so ein saudummes Ei zum 1:3 kassiert. Man könnte auch über manche Coaching-Entscheidung diskutieren, ich hätte mir zum Beispiel bei doppelter Überzahl drei Minuten vor Schluss gewünscht das MacDonald vom Eis geht und ich finde es auch merkwürdig, wenn MacDonald dann quasi eigenmächtig vom Eis geht aber kein Feldspieler sich bemüßigt fühlt das Eis zu betreten. Vieles heute ist auch „haste scheiße am schläger haste scheiße am Schläger“ gewesen, doch das ist alles nichts was mich so frustriert.

Nein, es geht um etwas anderes. Eine wichtige Regel im Eishockey ist „Defend Home Ice!“ Und da haben wir heute kläglich versagt, eine schlagbare Düsseldorfer Mannschaft hat uns mit ein bißchen Gift und Härte an den Eiern gepackt und am Nasenring durch die Arena geführt. Im Tabellenkeller geht es bisweilen dreckig zu und wir haben uns nicht gewehrt. Danner wird in die Bande geworfen, unser Kapitän vor dem Tor in die Mangel genommen und Samson sieht sich nahe der Düsseldorfer Bank alleine gegen fünf rot-gelbe stehen. Das passt alles zu den bisherigen Spielen, wo gegen Köln unser Topscorer folgenlos zusammengefahren wird oder die regelmäßigen Attacken die unsere Torhüter einstecken müssen.

Eishockey ist ein Spiel, das nicht nur über Technik und Taktik entschieden wird. Eishockey ist ein Mannschaftssport und ein Vollkontaktsport, ein Kampfsport, bei dem auch viel über Respekt, Einschüchterung und Härte geht. Wenn der Gegner weiß, dass es ein Echo gibt, dann wird er vorsichtiger. Wenn er weiß, dass es Haue gibt wenn man den Topspieler angeht, dann wird er sich das zweimal überlegen. Jeder Stürmer, der sich in unseren Slot bewegt, muss wissen, dass es dort weh tut. Wer dazu The Code oder die Autobiographie von Terry Ryan gelesen hat, der weiß wie wichtig dies für das Innenleben einer Mannschaft ist. Es gibt zwei Sachen, die ein Team zusammenschweißen: Ein zünftiges Kabinenfest und eine anständige Prügelei in der Vorbereitung. Denn nur wenig hilft Dir für ein Team mehr, als das Wissen, dass Du Dich im Kampf gegenseitig aufeinander verlassen kannst und das einer für den anderen einsteht. Aufstehen, wenn Du hinfällst. Keine Schmerzen, keine Schwäche –  und auch das Spielen mit Verletzungen.

Und in diesem Bereich haben wir völlig versagt, wir haben keinen solchen Spieler im Team, wir lassen alles mit uns machen. Und die Spieler, die sich wehren würden haben nicht die Statur und es fehlt die Unterstützung. Wir können nicht rein über das Spielerische kommen, das können vielleicht Teams wie München oder Nürnberg, aber auch die haben mit Pinizzotto oder Brandon Prust entsprechende Typen und Polizisten im Team. Düsseldorf hatte Conboy dabei. Diese Spieler müssen gar nicht soviel fighten, ihre Präsenz alleine reicht aus. Das haben wir in den vergangenen Jahren mit O’Connor und Pelech selber beobachten können.

Ich will keine Boxliga wie die LNAH, aber eine gesunde Härte gehört zu diesem Sport dazu und sie kann Spiele auch verändern oder entscheiden. Siehe ganz akut „Flyin‘ Reimer“ in Nürnberg oder auf ganz hohem Niveau der Stanley Cup-Run der Pittsburgh Penguins 2009, der sich auch darauf gründete, dass Max Talbot in nahezu aussichtsloser Situation in der ersten Runde den wesentlich größeren Dan Carcillo zum Kampf herausforderte und dem ganzen Team einen gewaltigen Boost gab.

Man kann verlieren, man kann auch viel verlieren – aber man darf sich, vor allem in der eigenen Festung daheim, niemals alles gefallen lassen. Nicht in diesem Sport. Ich will kein Schwenningen indem jedes dahergelaufene Gastteam machen kann was es will. Die Rymsha-Brüder, Guy Lehoux, Dave Chyzowski, Rich Chernomaz, Mike Bullard, Sandy Moger, Sean O’Connor, Andi Renz, Sana Hassan, Adam Borzecki, Ian MacNeil, Jason Deleuerme, Mike Stevens und zuletzt Matt Pelech, Ashton Rome und Damien Fleury waren alles Spieler, die sich eben nicht alles gefallen haben lassen, die dazwischen gehauen haben, die den Torwart beschützt haben, die für das Team eingestanden sind und die Respekt für unsere blau-weißen Farben erzeugt haben. Und letztlich haben sie auch die Zuschauer unterhalten.

Warum, Herr Rumrich, haben wir keinen einzigen solchen Spielertypen im Team?

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Eine ehrliche Saison

November in Schwenningen bedeutet: Krise, Frust und gegenseitige Anfeindungen. Warum sollte es in 2016 anders sein? Die Mannschaft steht beinahe abgeschlagen am Tabellenende, die Zuschauer bleiben aus und im Schrotflintenmodus wird vom Gesellschafter bis zum Eismeister jede Sau mindestens einmal pro Wochenende durchs Dorf gejagt. Ich möchte da gar nicht so sehr einstimmen, ich finde nämlich, dass das was wir dieses Jahr sehen gar nicht so sehr zum Skandal taugt. Im Vergleich zu den Vorjahren haben wir keinen vermeintlichen Sauhaufen, keine gerüchtete Trümmertruppe, keine für von Sofacoaches für inkompetent gehaltenen Fragezeichen auf der Trainerbank – sondern schlicht und einfach eine Truppe, die das spielt was sie kann. Ich möchte das auch gerne begründen und näher ausführen.

Vorweg eins – so Spiele wie in Krefeld gibt es. Das war unterdurchschnittlich, aber eine solche peinliche Vorstellung war bisher nicht die Regel und ich gestehe es jeder Mannschaft zu, dass sie ein paar solcher Tage im Jahr hat. Die haben wir alle auch und wenn man unterdurchschnittlich spielt, dann gibt es auch Spiele die überdurchschnittlich sind. Reine Mathematik.

Doch zurück zum Begriff ehrliche Saison. Wir haben eine Mannschaft, die nicht das Talent hat, in der DEL eine tragende Rolle zu springen. Auch ich habe im Vorfeld schon gefragt, ob wir Torjägerpotential und Grit abgeben und adäquat ersetzen. Die Tore von Fleury, Rome und Stastny fehlen uns. Die Härte und Robustheit von Pelech und Rome fehlen uns. Die Spieleröffnung von Pikkarainen fehlt uns. Dazu kommt das mathematische Phänomen der Regression zur Mitte, dass erwartungsgemäß dafür sorgt, dass Acton, Hult oder Danner nach ihrem statistisch sehr guten Jahr wieder in Richtung ihrer durchschnittlichen Werte tendieren. Gut, wir erleben das auch andersherum – Maurer und El-Sayed tendieren nach schwachem Jahr nach oben, können das aber keineswegs ersetzen. So fehlen uns Tore, Tore, Tore und mal einer der dazwischenhaut.sc

Womit wir beim Trainer sind. Pat Cortina hat das offensichtlich erkannt, dass diese Mannschaft nur eine sehr begrenzte Offensivpower hat. Also lässt er ein Defensivsystem spielen, versucht die Zahl der Gegentore niedrig zu halten und vorne hilft der liebe Eishockeygott. Das hat in einigen Spielen (z.B. in Köln) funktioniert, in vielen aber auch nicht. Denn damit das gelingt muss man vorne eine exzellente Chancenverwertung und die nötigen Spieler mit Speed haben. Ein Giliati hat das, ein Acton hat das – aber gerade die Seuche am Schläger -, ein Samson dagegen ist ein Spieler mit hervorragenden Qualitäten wenn das Team das Spiel macht. Er ist kein Konterspieler. El-Sayed und Maurer sind durchaus Aufwertungen zum Vorjahr, aber es sind Arbeiter, keine Torjäger. Dazu kommt, dass die Stürmer defensiv arbeiten müssen. Das kostet Kraft und so fehlen uns Tore, Tore, Tore.

Und aufgrund dieser mangelnden Qualität bringt uns das durchaus effektive Defensivspiel nichts zählbares ein. Wir kriegen keine drei Gegentore im Schnitt, das ist für uns der beste Wert seit DEL Rückkehr und Empty-Netter oder Tore tief im Schlussdrittel wenn alles schon entschieden ist, sind dabei noch gar nicht rausgerechnet. Von den Gegentoren her sind wir locker ein Kandidat für Platz 10, aber Eishockey besteht leider nicht nur aus Verteidigen, sondern auch aus Offensive und da fehlen uns Tore, Tore, Tore.

Ich weiß, ich wiederhole mich – aber das ist für mich die Diagnose dieser Saison. Es ist schwer gegen uns Tore zu erzielen, aber es ist noch viel, viel schwerer für uns selber Tore zu erzielen. Und da ist die Crux. Die Mannschaft will, die Mannschaft kann aber nicht. Die Spieler wollen, den Spielern fehlt aber die Qualität.

Das sieht man auch und gerade im Powerplay. Das ist bisweilen erbärmlich und vielleicht – oder wahrscheinlich – ist es auch nicht Cortinas Stärke. Aber für mich steht und fällt das Powerplay mit den beteiligten Spielern. Wayne Hynes und vier Pylonen waren eine gefährliche Powerplay-Formation, weil der gute Wayne eine Übersicht, Ruhe und ein Spielverständnis hatte. Dagegen kriegst du mit fünf Arbeitern ohne Spielwitz auch mit dem besten Trainer nix zusammen. Wir haben im Powerplay einen Goc der schießen kann – das weiß die ganze Liga – und mit Acton und Samson durchaus gefährliche Leute, die aber nicht gefährlich angespielt werden, weil uns der Spielmacher, der Stürmer mit Finesse und der Quarterback an der blauen Linie fehlen. Gysbers – leider bei vielen inzwischen völlig unten durch – hat nicht das Passpiel von Pikkarainen, Goc und Kaijomaa auch nicht. Und der trickreichste Stürmer – Istvan Bartalis – ist leider schon länger verletzt. Ein Dilemma.

Der geneigte Leser, der bis hierhin durchgehalten hat, wird sich jetzt vielleicht die Frage stellen: „Konnte man das denn nicht schon bei der Zusammenstellung der Mannschaft ahnen?“ Die Frage stellt er zurecht und die stelle ich mir auch. Und damit landet man auch automatisch bei der Person, die für diesen Kader verantwortlich ist. Für mich ist Rumrich der erst Kandidat für kritische Fragen, nicht die Mannschaft, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihre Leistung abruft.

Um mit einem Bild abzuschließen: Wenn der Chef dem Handwerker fünf Akkuschrauber zur Verfügung stellt, dann kann dieser den Dachstuhl leidlich zusammenschrauben, wird aber spätestens beim Mauerwerk scheitern. Es braucht einen ausgewogenen Werkzeugkasten um ein stabiles Haus zu bauen. Und Cortina – man kann beinahe sagen die ärmste Sau – hat vom Manager seines Vertrauens eben nur die Akkuschrauber bekommen und muss zusätzlich damit leben, dass bei zweien das Bohrfutter gebrochen ist.

Scheiss Situation. Perspektive? Ich sehe gerade keine.

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Quartalsbericht

Ein Viertel der Saison (plus ein weiteres Derby) sind gespielt, mit jedem Gegner wurden unsere Wild Wings einmal konfrontiert. Zeit, eine erste kurze Bilanz zu ziehen.

Was gut ist

  1. Der Start: Lassen wir mal das erste Wochenende außen vor, dann gab es schöne Spiele, eine für den Gegner unangenehme Spielweise und eine deutlich sichtbare Handschrift von Pat Cortina. Zwischendurch stand man sogar auf Platz 5 und Anflüge von Euphorie waren rund um das Schwenninger Moos zu spüren. Wir haben sicher nicht die Qualität für Platz 5, aber es war nach dem Vorjahr und dem mißmutigen Sommer eine schöne Momentaufnahme.
  2. Marc El-Sayed (und mit Abstrichen Uli Maurer): Manch einer, auch ich, hatte bei den Verpflichtungen der deutschen Spieler so seine Zweifel doch gerade El-Sayed, Maurer und Danner können mit einer herzerfrischenden, aktiven und aggressiven Spielweise überzeugen. El-Sayed ragt heraus, als Torjäger, als Arbeiter und Teamplayer, der sich auch für einen Faustkampf nicht zu schade ist.

Was nicht gut ist

  1. Die Punkteausbeute: Mit 15 Punkte aus 14 Spielen ist man ein gutes Stück von den anvisierten 3 Punkten pro Wochenende weg, hochgerechnet sind das um die 60 Punkte und damit leicht verbessert im Vergleich zu den Vorjahren, aber nicht in Reichweite des großen Zieles Platz 10. Die Liga ist noch eng beisammen, es sind 3 Punkte zu Platz 10 aber die Schwäche einiger andrer Teams sollte man nicht zum Anlass nehmen ebenfalls zu schwächeln. Mit einer Serie kann man sich nach oben bewegen, man kann aber auch schnell den Anschluss verlieren. Aufpassen und dran bleiben.
  2. Diskussionen, ob der Weg richtig ist und das Einschlagen auf einzelne Spieler. Ob das nun die breit getretene Causa Gysbers ist oder die offen vorgetragene Forderung man sollte doch wie Bremerhaven und Iserlohn den Weg der Doppelflaggenspieler gehen – beides hilft uns nicht weiter. Grundsätzlich finde ich unseren Weg gut, man sollte sich aber nicht unnötig selber beschränken. Wenn ein guter Kanadier mit deutschem Pass um die Ecke kommt, dann sollte man sich die Option offenhalten. Die Leistungsfähigkeit und der Preis eines Spielers sind für mich wichtiger als der Geburtsort Villingen-Schwenningen. Unabhängig vom langfristigen Plan werden wir dieses Jahr nicht Knall auf Fall drei unserer Spieler gegen Doppelflaggenspieler austauschen. Die Diskussion ist also in gewissem Sinne überflüssig – wir müssen jetzt mit diesem Kader glücklich werden und die Gedanken für das kommende Jahr sollte man sich unabhängig von einzelnen Spielen und Ergebnissen machen.

Was jetzt passieren muss

  1. Die Verletzungsmisere muss aufhören. Man kann bei Bartalis und Hult trefflich über den Grad des DEL-Niveaus streiten – ich glaube außer bei uns würden die in der Liga nirgendwo spielen und ein Bartalis hat trotz technischer und läuferischer Klasse nicht wegzudiskutierende Nachteile in der Robustheit. Trotzdem sind die beiden die Spieler, die eine stärkere spielerische Komponente ins Angriffsspiel einbringen, die kreativer sind als unsere anderen Reihen. Acton, Samson und Hansen sind eher Arbeiter, El-Sayed, Maurer und Co. sowieso. Dadurch ist unser Angriff eindimensionaler, ausrechenbarer geworden. Giliati ist ebenfalls ein Versprechen auf größere Variabilität, jetzt müssen die anderen zügig zurückkommen. Hoffen wir es, wir brauchen sie.
  2. Pat Cortina muss das Team weiterentwickeln. Die bisherige Taktik mit defensiv unangenehmer Arbeit und überfallartigen Angriffen hat für einen guten Start gesorgt, wurde aber auch schnell entschlüsselt. Die Verletzungen taten ihr übriges. Cortina muss der Mannschaft Optionen an die Hand geben, wie sie sich aus dem Dauerdruck der nominell stärkeren Gegner besser befreien kann und vor allem die Special Teams in die Spur bringen. 18.87% Überzahl ist zwar noch in Ordnung, aber die Gegentore sind zuviel und die Kurve zeigt nach unten. 68.09% Unterzahl ist dagegen indiskutabel und der Liga nicht würdig.

Fazit

Könnte besser sein, könnte aber auch viel schlechter sein. Es ist noch alles drin, es ist noch nichts Weltbewegendes passiert und es herrscht kein Grund zur Aufregung. Weiter kämpfen, gemeinsam Fans und Team. Morgen erstmal Ehrhoff einnorden.

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Videoanalyse…. und warum ich Gysbers trotzdem nicht verteufel

Eine Niederlage gegen Krefeld die weh tut – und ein Moment, der allen in Erinnerung bleibt: Das 3:3 und der Fehler von Gysbers. Nicht der wiederholt verschlafene Start oder das pomadige Überzahlspiel – nein, an diesem einen Fehler wird das ganze Spiel aufgehängt. Schauen wir uns das mal an, deshalb herzlich willkommen zur ersten Videoanalyse und anschließend einer (kleinen) gebrochenen Lanze für unsere #67.

Schauen wir uns die Ausgangslage auf dem ersten Bild an:

gysbers1

Überzahl der Wild Wings. Krefeld steht nicht gut in der Box. Die Wild Wings mit vier Spielern (#2 – #5 ) tief und #5 spielt den Puck an der Bande hoch zu Gysbers. Bis dahin alles perfekt, drei Krefelder Verteidiger auf der Puck-Seite gebunden und der vierte viel zu weit weg, „bewacht unseren zweiten Verteidiger“ der überhaupt nicht an der blauen Linie steht. Für Gysbers (#1), der den Schläger rechts hat, bietet sich eigentlich der ideale Passweg an den langen Pfosten zu #2 an, der dann drei sehr gute Optionen hätte: Schuss, Pass zu #3, Pass zu #4. Eine sehr vielversprechende Spielsituation in der der entscheidende Fehler passiert. Gysbers spielt den Pass nämlich NICHT, sondern nimmt die Scheibe erst an und schaut.

gysbers2

Keine Sekunde später und auf einmal hat Gysbers praktisch keine Optionen mehr. Zu beachten ist auch, dass er die Scheibe an der Rückhand vom Schläger führt. Der zuvor noch ideale Passweg an den langen Pfosten ist zwar theoretisch noch möglich, dafür hat er die Scheibe aber falsch am Schläger und Verteidiger #1 könnte den Passweg erreichen. Der in dem Fall „natürliche“ Pass entlang der blauen Linie ist nicht möglich, weil dort zum einen gar kein Spieler von uns steht und zum anderen Verteidiger #2 den Raum abdeckt. Bliebe noch die Möglichkeit den Puck wieder rechts an der Bande tief zu spielen. Mit der Rückhand ginge das nur mit wenig Zug und ungenau, zudem könnte auch hier Verteidiger #1 den Passweg erreichen bzw. Verteidiger #3 den Passempfänger direkt unter Druck setzen. Um den Puck mit Wucht die Rundung entlang zu spielen, passen Körper- und Schlägerhaltung sowie Gysbers‘ Bewegung Richtung Mitte überhaupt nicht zusammen. Ähnlich verhält es sich mit der Option „Schuss“, dazu fehlt die Zeit weil Verteidiger #1 mit Tempo kommt. „Sicher“ wäre nur gewesen den Puck unkontrolliert Richtung langer Pfosten tief zu spielen.

gysbers3

Ohne „leichte“ Option sieht Gysbers nur die Chance den auf ihn zustürmenden Verteidiger auszuspielen und sich in den freien Raum zu bewegen (als blauer Punkt markiert). Durch das Tempo des Verteidigers wäre dieser aus dem Spiel und Gysbers hätte alle Optionen: Freie Eisfläche vor sich, Pass an den langen Pfosten, Pass die Bande entlang, Pass vors Tor, Schuss (ein Spieler steht gut im Slot um die Sicht zu nehmen). Ich kann ihn da verstehen, er hat die Chance gesehen und alle anderen Optionen waren nicht wirklich attraktiv. Geht das gut, dann hat man eine sehr gute Chance auf das 4:2, geht das schief – dann passiert eben das wie gestern. Der Verteidiger hat spekuliert, Gysbers hat gezockt und der Verteidiger diesmal gewonnen. Passiert.

Soweit zum Video.

Der Fehler gestern ist offensichtlich, da muss man auch nix schönreden. Trotzdem sollte man die Gesamtbilanz angucken. Gysbers ist neben Goc unser einziger Verteidiger mit nennenswerter Torgefahr und trotz seiner Böcke mit dem drittbesten +/- Wert ausgestattet. Ja, er verschuldet Tore! Aber: Ja, er produziert auch Tore! Wenn man jetzt einen Yannick Mund als Ersatz fordert – das wird ja fleißig getan – dann mag es sein, dass er diesen Bock an der blauen Linie nicht schießt. Vielleicht weil er auch gar nicht die Möglichkeit dazu bekommt. Wird er dieselben Scorerpunkte wie Gysbers einfahren und weniger Gegentore (mit) zulassen? Oder wird er gar die gleichen Gegentore (mit) zu lassen, aber nach vorne nichts produzieren?

Man weiß es nicht und ich wäre da arg skeptisch. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich persönlich eine Schwäche für Offensiv-Verteidiger mit einem Hang zur lässig, eleganten Spielweise habe, man erinnere sich z.B. an einen Michael Schutte, den ich auch lange nicht so kritisch gesehen habe. Ich mag Spieler, die etwas riskieren, ich mag Spieler, die auch mal etwas probieren – auch wenn es schief gehen kann. Offensiv-Verteidiger, die sich vorne einschalten, haben immer das Problem, das es bei Fehlern keine Absicherung gibt. Anders als der Stürmer hat er maximal seinen Verteidigungspartner und den Torwart hinter sich. Und Offensiv-Verteidiger, die regelmäßig scoren, immer die richtige Entscheidung treffen und mögliche Fehler sogar läuferisch noch selber ausbügeln können – die sind weit jenseits unserer Gehaltsklasse.

So muss ich eben clever agieren, einem Laissez-faire Verteidiger einen Stay-at-home Aufpasser dazustellen, der die Fehler ausbügelt. Dann kann ich auch die Punkte mitnehmen, die er regelmäßig produziert. Gestern fehlte diese Absicherung und Gysbers hat die falsche Entscheidung getroffen – sowas passiert und die Wirkung war aufgrund des Spielverlaufs natürlich extremer als z.B. der Tiefschlaf von MacDonald beim 0:1.

Cortina hat es richtig gesagt – alle müssen sich steigern. Auch Gysbers. Seine Art zu spielen war im Vorfeld bekannt, wenn man vernünftig gescoutet hat. („Has great patience with the puck…..but doesn’t play a very physical or aggressive game,….“ Eliteprospects) Ihm jetzt vorzuwerfen, dass er auch so spielt, das finde ich problematisch. Und eine Hexenjagd ist sowieso unanständig. In München ist er noch maßgeblich am Ausgleich beteiligt, aber jeder sieht und wartet nur auf seine Fehler. Das ist schade. Denn Eishockey besteht nicht nur aus Tore verhindern (da hat er seine Schwächen), sondern auch aus Tore erzielen (da hat er seine Stärken). Sonst könnten wir genauso jedes Spiel auf Hunkes rumtrampeln, der es gerade mal zu einem mickrigen Assist gebracht hat und dazu noch die schlechteste +/- Bilanz aller Verteidiger aufweist. Trotzdem spielt er genauso seine Rolle wie Gysbers, Goc und alle anderen und gehört zum Team. Unserem Team!

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Das schwerste Wochenende

Der morgendliche Blick auf die Tabelle ist derzeit für jeden Wild Wings Fan viel angenehmer als der Blick auf die Waage. Platz 5 lacht uns da entgegen, 13 Punkte und gesichertes oberes Mittelfeld vor einigen namhaften Clubs. Dazu allgemeine Zufriedenheit mit dem Team, leichte Anflüge von Euphorie und mit Stefano Giliati eine Nachverpflichtung, die aus zwei Gesichtspunkten bemerkenswert ist:

  1. Man verpflichtet überhaupt zeitnah nach. Mit Jake Hansen und nun Giliati hat man schon zweimal den Kader nachgebessert und prokativ reagiert, nicht ewig gewartet und dann erschreckt festgestellt, dass der Zug Richtung Mittelfeld abgefahren ist. Ich weiß nicht wie es dazu gekommen ist, wer die treibende Kraft ist, aber ich könnte mir doch stark vorstellen, dass Cortina hier auch klar äußert, was er will und braucht. Er ist ein Trainer mit klarem System und klaren Vorstellungen, bisweilen sogar etwas stur, aber er wird intern artikulieren, wenn das Team noch jemanden braucht.
  2. Man holt keine Wundertüte aus Nordamerika, sondern einen Spieler mit Europa-Erfahrung, der schon mit einigen Kollegen aus dem Team und dem Trainerstab zusammengespielt hat und der dadurch dem Ruf „isn’t a team player“ enteilen können sollte. Zudem hat man hier clever gescoutet und den Markt beobachtet, schnell zugegriffen als Giliati beim namhaften HC Davos nicht mehr benötigt wurde und ist nicht einfach in der AHL-Scorer Liste von oben nach unten durchgegangen.

Doch trotzdem – auch mit Giliati und dem Momentum wird das kein Selbstläufer. Keine Frage, ich finde Giliati vom Papier her gut. Scheint ein Spieler vom Typ Jason Deleurme zu sein, ein kleiner flinker Giftzwerg, der sich nicht zu schade ist auch die dreckige Seite des Feldes zu beackern. JD, als einer meiner Lieblingsspieler in der ersten DEL-Zeit, würde unserem Team gut zu Gesicht stehen, wenn Giliati jetzt noch etwas mehr Effizienz und Zug zum Tor mitbringt, dann könnte das dieses Jahr echt was werden.

Zurück zum Titel des Beitrages: Früher konnte man sich in Wolfsburg verstecken, da ist eh kaum einer hingefahren. Dank DELekom Eishockey wird jetzt der halbe Schwarzwald morgen gespannt vor dem Bildschirm sitzen und erwarten, dass der Lauf weitergeht. Genauso am Sonntag, mit Iserlohn kommt das Tabellenschlusslicht, ein Team das hier kaum einer mag. Der Trainer – hat einst verbrannte Erde hinterlassen. Die Eindeutschungsstrategie – nicht gern gesehen. Rome und Pikkarainen – mit Licht und Schatten, besonders ersterer mit einigen dummen Aktionen. Sauerland – wir ……. auf das Sauerland!

Kurz gesagt: Viele freuen sich über die schwächelnden Roosters und erwarten beim Blick auf die Tabelle einen Sieg am Sonntag. Doch die Situation, dass uns Ex-Spieler abschiessen, die hatten wir schon viel zu oft. Deswegen wird das ein ganz schweres Wochenende. Man darf sich nicht von den Siegen blenden lassen, sondern muss weiterhin eisern diszipliniert spielen. Dann ist in beiden Spielen wieder was drin, dann kann man wieder die gewünschten 3 Punkte+ pro Wochenende holen.

Viel mehr als vom Ergebnis her wird der Sonntag ein Gradmesser, ob der Erfolg auch von den Fans goutiert wird. 4.000+ Zuschauer sollten schon die Stadiontore passieren.

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Ein wunderbarer Sport

Eishockey ist und bleibt ein wunderbarer Sport in dem sich Stimmungen, Perspektiven und Dinge sehr schnell ändern können. Noch vor zwei Wochen war die allgemeine Schwenninger Fanseele über den Saisonstart mehr oder weniger ernüchtert. Eine Woche später gab es zwar eine Steigerung, doch vor dem Wochenende mit den Partien gegen Köln und Mannheim hätte fast jeder gesagt, dass jeder einzelne Punkt an diesem Wochenende ein gewonnener Punkt wäre. Und es sind fünf Punkte geworden. Überraschend. Phänomenal. Grandios.

Glücklich?

Nein. Ganz klar nein. In meinem letzten Beitrag nach dem Bremerhaven – Spiel hatte ich auf die Aussage von Cortina hingewiesen, dass er in der Vorbereitung nicht „fertig geworden“ ist. Ich gebe offen zu, dass ich nicht geglaubt hätte, dass er das so schnell und so erfolgreich aufholt. Aber seit dem Rohrkrepierer zum Auftakt in Ingolstadt haben wir uns sukzessive verbessert. In allen Bereichen, mit festen Reihen die sich finden, einem breit verteilten Scoring, einer homogenenen Mannschaftsleistung und vor allem: EINEM PLAN!

Ich habe zum ersten Mal seit langer Zeit das Gefühl, dass wir mit einem vernünftigen, an die Fähigkeiten der Mannschaften angepassten Gameplan agieren, der uns Stand jetzt zumindest die Möglichkeit einräumt gegen jeden Gegner in der Liga aus eigener Kraft zu gewinnen. Garantien gibt es im Sport keine, aber die Taktik mit einer soliden und extrem disziplinierten Defensive gepaart mit Effektivität in einem von starkem Zug zum Tor geprägtem Konterspiel, hat zumindest an diesem Wochenende funktioniert. Hätten wir versucht in Köln mitzuspielen oder die Adler spielerisch zu dominieren, dann wären wir höchstwahrscheinlich untergegangen. Aber so – aus den gegebenen und limitierten Möglichkeiten nahezu das Optimum herausgeholt.

Natürlich reicht das nicht zur Meisterschaft und es werden Spiele kommen, in denen wir die Disziplin in der Abwehr nicht halten können, in denen uns Strahlmeier (oder hoffentlich auch bald wieder MacDonald) nicht lange im Spiel halten, in denen wir es nicht schaffen werden die für unser Spiel so wichtige Führung zu erzielen oder in denen uns am Ende die Kraft ausgeht. Auch ist der Kader weiterhin sehr dünn, der Ausfall von Hult in gerade eingespielten Reihen trifft uns hart. Doch das alles ist kein Beinbruch, solange der Einsatz stimmt und solange der grundsätzliche Plan zu erkennen ist.

Ich bin auch gespannt, wie die anderen Clubs in der Liga auf unsere Spielweise reagieren werden. Cortina hat an diesem Wochenende seine Karten erfolgreich auf den Tisch gelegt, jetzt müssen die anderen Clubs zeigen was sie können. Und ob wir dann noch die taktische Variabilität haben um wieder darauf zu reagieren – die Frage ist müßig und Cortina und das Team haben uns schon mal überrascht.

In der Gesamtbetrachtung kann man jetzt sehr zufrieden sein, ein Derbysieg schmeckt immer gut und drei Punkte bei den Fischstäbchen nimmt man jederzeit gerne mit. Und nichts ist schöner als wenn man sich irrt und die Prognose mächtig positiv übertroffen wird.

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Ich glaube es geht schon wieder los….

..zwei Spiele gespielt, Heiligabend drei Monate entfernt und in Schwenningen brennt der Baum. Einzig an der in der Kurpfalz beim Federvieh brennenden roten Laterne wird sich hier und da noch aufgegeilt. Trotz eines Sieges gegen Bremerhaven wird auf die Mannschaft eingedroschen, der Abgesang bereits jetzt gesungen und alles und jedes in Frage gestellt. Danke Merkel!!!!111ELF!

Ist es wirklich so schlimm?

Jein. Wie schon im letzten Eintrag geschrieben, war die Leistung in Ingolstadt überhaupt nichts. Gegen Bremerhaven hat man zwar gewonnen, aber das gesamte Spiel war biederes DEL-Niveau und keine großartige Leistung auf die man sich etwas einbilden kann. Da muss man nicht viel schönreden, mit den an diesem Wochenende gezeigten Leistungen wird es eine Herkulesaufgabe den Anschluss an die Pre-Play-Offs lange zu halten. Doch aus meiner Sicht gibt es ein paar Gründe dafür und ganz wichtig ist mir eine Aussage von Pat Cortina, der während der Vorbereitung bemängelt hatte: „Wir sind noch nicht soweit wie wir sein wollen.“ Das zeigt sich jetzt auch. Wir haben kaum eingespielte Reihen und unsere Spieler haben nicht die Qualität, dass sie mit zwei unbekannten Mitspielern quasi sofort Leistung abliefern. Wir brauchen einstudierte Spielzüge, die viel beschworenen „Automatismen“. Die fehlen noch und deshalb sieht unser Spiel in weiten Teilen noch sehr unschön aus.

Das ist aber nicht deswegen so, weil Cortina vergessen hat das einzustudieren, sondern weil er offensichtlich noch auf der Suche ist. In Ingolstadt hat er es mit ausgeglichenen Reihen versucht, gegen Bremerhaven mit zwei starken und zwei schwächeren. Dazu viele Änderungen in der Vorbereitung, die Poukkula-Verletzung, die Integration von Hansen – in einer noch nicht funktionierenden Mannschaft sind das alles Faktoren die zu einer Verkrampfung führen und es nicht leichter machen.

Man kann jetzt wieder über die fehlende Tiefe im Kader – was ist mit Samson? – lamentieren, ja man sollte es sogar – aber es hilft nichts auch wenn man schon die Frage stellen darf, ob man statt zweiter Eismaschine, Nebelmaschine, Spotlight und Logo-Projektoren nicht lieber in einen weiteren Stürmer investiert hätte. Wir werden mit diesem dünnen Kader leben müssen und wir müssen darauf hoffen, dass sich die Spieler schnell finden. Dann kann sich unser Spiel durchaus noch verbessern. Und wird es sich auch.

In gewissem Sinne drücke ich damit Hoffnung ohne wirkliche Grundlage aus – aber was bleibt uns sonst? Sich über das quasi nicht-existierende Körperspiel aufregen? Konstatieren, dass der Trainingsschwerpunkt Überzahlspiel – vorsichtig gesagt – eher wirkungslos ausgefallen ist? Schwenningen zeichnet sich dadurch aus, dass Stimmungen schnell wechseln können. Wir dürfen uns aufregen, aber blicken wir auch nach vorne – noch sind Hopfen und Malz nicht verloren und wenn doch, dann kann man daraus auch ein gutes und stimmungshebendes Getränk brauen.

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