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Videoanalyse…. und warum ich Gysbers trotzdem nicht verteufel

Posted by on Oktober 24, 2016

Eine Niederlage gegen Krefeld die weh tut – und ein Moment, der allen in Erinnerung bleibt: Das 3:3 und der Fehler von Gysbers. Nicht der wiederholt verschlafene Start oder das pomadige Überzahlspiel – nein, an diesem einen Fehler wird das ganze Spiel aufgehängt. Schauen wir uns das mal an, deshalb herzlich willkommen zur ersten Videoanalyse und anschließend einer (kleinen) gebrochenen Lanze für unsere #67.

Schauen wir uns die Ausgangslage auf dem ersten Bild an:

gysbers1

Überzahl der Wild Wings. Krefeld steht nicht gut in der Box. Die Wild Wings mit vier Spielern (#2 – #5 ) tief und #5 spielt den Puck an der Bande hoch zu Gysbers. Bis dahin alles perfekt, drei Krefelder Verteidiger auf der Puck-Seite gebunden und der vierte viel zu weit weg, „bewacht unseren zweiten Verteidiger“ der überhaupt nicht an der blauen Linie steht. Für Gysbers (#1), der den Schläger rechts hat, bietet sich eigentlich der ideale Passweg an den langen Pfosten zu #2 an, der dann drei sehr gute Optionen hätte: Schuss, Pass zu #3, Pass zu #4. Eine sehr vielversprechende Spielsituation in der der entscheidende Fehler passiert. Gysbers spielt den Pass nämlich NICHT, sondern nimmt die Scheibe erst an und schaut.

gysbers2

Keine Sekunde später und auf einmal hat Gysbers praktisch keine Optionen mehr. Zu beachten ist auch, dass er die Scheibe an der Rückhand vom Schläger führt. Der zuvor noch ideale Passweg an den langen Pfosten ist zwar theoretisch noch möglich, dafür hat er die Scheibe aber falsch am Schläger und Verteidiger #1 könnte den Passweg erreichen. Der in dem Fall „natürliche“ Pass entlang der blauen Linie ist nicht möglich, weil dort zum einen gar kein Spieler von uns steht und zum anderen Verteidiger #2 den Raum abdeckt. Bliebe noch die Möglichkeit den Puck wieder rechts an der Bande tief zu spielen. Mit der Rückhand ginge das nur mit wenig Zug und ungenau, zudem könnte auch hier Verteidiger #1 den Passweg erreichen bzw. Verteidiger #3 den Passempfänger direkt unter Druck setzen. Um den Puck mit Wucht die Rundung entlang zu spielen, passen Körper- und Schlägerhaltung sowie Gysbers‘ Bewegung Richtung Mitte überhaupt nicht zusammen. Ähnlich verhält es sich mit der Option „Schuss“, dazu fehlt die Zeit weil Verteidiger #1 mit Tempo kommt. „Sicher“ wäre nur gewesen den Puck unkontrolliert Richtung langer Pfosten tief zu spielen.

gysbers3

Ohne „leichte“ Option sieht Gysbers nur die Chance den auf ihn zustürmenden Verteidiger auszuspielen und sich in den freien Raum zu bewegen (als blauer Punkt markiert). Durch das Tempo des Verteidigers wäre dieser aus dem Spiel und Gysbers hätte alle Optionen: Freie Eisfläche vor sich, Pass an den langen Pfosten, Pass die Bande entlang, Pass vors Tor, Schuss (ein Spieler steht gut im Slot um die Sicht zu nehmen). Ich kann ihn da verstehen, er hat die Chance gesehen und alle anderen Optionen waren nicht wirklich attraktiv. Geht das gut, dann hat man eine sehr gute Chance auf das 4:2, geht das schief – dann passiert eben das wie gestern. Der Verteidiger hat spekuliert, Gysbers hat gezockt und der Verteidiger diesmal gewonnen. Passiert.

Soweit zum Video.

Der Fehler gestern ist offensichtlich, da muss man auch nix schönreden. Trotzdem sollte man die Gesamtbilanz angucken. Gysbers ist neben Goc unser einziger Verteidiger mit nennenswerter Torgefahr und trotz seiner Böcke mit dem drittbesten +/- Wert ausgestattet. Ja, er verschuldet Tore! Aber: Ja, er produziert auch Tore! Wenn man jetzt einen Yannick Mund als Ersatz fordert – das wird ja fleißig getan – dann mag es sein, dass er diesen Bock an der blauen Linie nicht schießt. Vielleicht weil er auch gar nicht die Möglichkeit dazu bekommt. Wird er dieselben Scorerpunkte wie Gysbers einfahren und weniger Gegentore (mit) zulassen? Oder wird er gar die gleichen Gegentore (mit) zu lassen, aber nach vorne nichts produzieren?

Man weiß es nicht und ich wäre da arg skeptisch. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich persönlich eine Schwäche für Offensiv-Verteidiger mit einem Hang zur lässig, eleganten Spielweise habe, man erinnere sich z.B. an einen Michael Schutte, den ich auch lange nicht so kritisch gesehen habe. Ich mag Spieler, die etwas riskieren, ich mag Spieler, die auch mal etwas probieren – auch wenn es schief gehen kann. Offensiv-Verteidiger, die sich vorne einschalten, haben immer das Problem, das es bei Fehlern keine Absicherung gibt. Anders als der Stürmer hat er maximal seinen Verteidigungspartner und den Torwart hinter sich. Und Offensiv-Verteidiger, die regelmäßig scoren, immer die richtige Entscheidung treffen und mögliche Fehler sogar läuferisch noch selber ausbügeln können – die sind weit jenseits unserer Gehaltsklasse.

So muss ich eben clever agieren, einem Laissez-faire Verteidiger einen Stay-at-home Aufpasser dazustellen, der die Fehler ausbügelt. Dann kann ich auch die Punkte mitnehmen, die er regelmäßig produziert. Gestern fehlte diese Absicherung und Gysbers hat die falsche Entscheidung getroffen – sowas passiert und die Wirkung war aufgrund des Spielverlaufs natürlich extremer als z.B. der Tiefschlaf von MacDonald beim 0:1.

Cortina hat es richtig gesagt – alle müssen sich steigern. Auch Gysbers. Seine Art zu spielen war im Vorfeld bekannt, wenn man vernünftig gescoutet hat. („Has great patience with the puck…..but doesn’t play a very physical or aggressive game,….“ Eliteprospects) Ihm jetzt vorzuwerfen, dass er auch so spielt, das finde ich problematisch. Und eine Hexenjagd ist sowieso unanständig. In München ist er noch maßgeblich am Ausgleich beteiligt, aber jeder sieht und wartet nur auf seine Fehler. Das ist schade. Denn Eishockey besteht nicht nur aus Tore verhindern (da hat er seine Schwächen), sondern auch aus Tore erzielen (da hat er seine Stärken). Sonst könnten wir genauso jedes Spiel auf Hunkes rumtrampeln, der es gerade mal zu einem mickrigen Assist gebracht hat und dazu noch die schlechteste +/- Bilanz aller Verteidiger aufweist. Trotzdem spielt er genauso seine Rolle wie Gysbers, Goc und alle anderen und gehört zum Team. Unserem Team!

Ein Kommentar zu Videoanalyse…. und warum ich Gysbers trotzdem nicht verteufel

  1. Michael Jordan

    Ich sehe das wie Stefan Heck auf Facebook, ein Verteidiger – und erst recht ein AL-Verteidiger – sollte zunächst mal hinten den Laden dicht halten. Was mich an Gysbers, seit dem ersten Spiel, massiv stört, ist nicht der Bock gegen Krefeld, das war spielentscheidend, aber kann mal passieren. Sondern mich stört seine lasche Spielweise, kaum Körperspiel (Scouting hin oder her, ein Verteidiger muss richtig rangehen meiner Meinung nach), unkonzentriertes Spiel, besschissene Aufbaupässe die oft genug nirgendwo oder beim Gegner landen oder hart gespielt werden genau auf unseren Mann der von 2 Gegnern umgeben ist. Und Fehler über Fehler, Puck vertändeln, zu weit weg vom Gegenspieler etc. —– Toll dass er schon 3 Tore gemacht hat und seine +/- Bilanz gut ist. Trotzdem reicht mir seine Leistung für einen AL-Verteidiger nicht; der ist hinten ein dauerndes Sicherheitsrisiko, sollte er sein Defensiv-Verhalten nicht schleunigst deutlich steigern bin ich der Meinung dass er mal auf die Tribüne gehört und der Mund 60 Minuten die Chance kriegt, zu kratzen, zu beißen, zu spucken und den Gegner richtig anzugehen.

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