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Gefährlich harte Chancen – oder die Evolution einer Analyse

Posted by on Januar 13, 2016

Der ungewöhnliche Titel für diesen Beitrag liegt darin begründet, dass er einige Evolutionsstufen hinter sich hat. Immer wenn ich einen Gedanken zu Papier bringen wollte, hat sich der Blickwinkel auf die Situation durch die aktuellen Geschehnisse auf dem Eis verändert. Schauen wir mal, ob wir das mit einem Faden, so rot wie die drohende Laterne, in einem Text unterbringen können.

Die große Gefahr

Beginnen wollte ich vor zwei Wochen mit einer großen Gefahr, die ich im Anflug sah. Nämlich die, dass uns die Mannschaft sehr viel Freude bereitet hat und man es nicht über das Herz bringt, einen Spieler davon abzugeben. Liest man sich durch die Foren, dann findet man Befürworter für nahezu jeden Spieler. Egal ob ein Stastny, ein Rome, ein Ritter oder auch ein Rob Brown – geht es nach der Meinung im Internet, dann sollte Rumrich doch gefälligst alle behalten. Gründe: Nett. Kämpft. Kann man für die vierte Reihe gebrauchen. Nur muss ein Manager anders denken, denn bei aller Sympathie für die Truppe, wir sind auch in diesem Jahr wieder gewogen und für zu leicht befunden worden. Wollen wir uns sportlich verbessern, dann müssen wir einige Positionen austauschen und die Gefahr, die ich sah – und auch sehe – ist eben die, dass unpopuläre Entscheidungen schnell zu Unmut führen können. Das sieht man gut an der Torwartdiskussion, dabei ist eine Trennung von einem der beiden nahezu unumgänglich.

Stürmer für Reihe 4 findet man immer, da braucht man keinen Brown zu behalten. Fies gesagt ist er ein typischer Allrounder, kann alles, aber nix richtig. Auch der eher ungelenke Ritter, der unkonstante und strafenfreudige Rome (da wurde uns die Entscheidung abgenommen), der überforderte Billich, der seiner sportlich zugedachten Führungsrolle nie gerecht gewordene Stastny oder der zur Zeit jenseits von Gut und Böse agierende Pelech sind alles Kandidaten auf deren Position man noch Luft nach oben hat und sich verbessern kann. Und wenn man einen Schlager irgendwie loswerden kann, dann bitte schleunigst, heute und sofort.

Davor wollte ich warnen, dafür wollte ich ein Bewusstsein schaffen, dass trotz vieler guter und zufriedenstellender Spiele einiges an Blutauffrischung nötig ist, wenn wir uns auch tabellarisch verbessern wollen. Doch dann kamen die Spiele in Berlin, in Augsburg und gegen Straubing.

Ganz harte Wochen

Die Spielen waren schlecht, da muss man nix schönreden. Auch wenn man der Fairness halber anmerken sollte, dass z.B. die Partie gegen Straubing tristes Tabellenkeller-Eishockey von beiden Teams war und die Wild Wings personell arg gebeutelt waren. Mit einem Ritter in der ersten Reihe würde jeder zustimmen, dass man nicht DEL-tauglich ist und eine dritte Reihe Brown – Schlenker – Schlager verbreitet höchstens bei der eigenen Abwehr Angst und Schrecken. Das entschuldigt aber trotzdem nicht, warum man sich von den Tigers über das Körperspiel hat den Schneid abkaufen lassen.

Nach der Niederlage in Krefeld war dann endgültig klar, dass das ganz harte Wochen werden, die Zeit bis Anfang März wird trist und lang. Ich kann es in gewissem Sinne sogar nachvollziehen, halte es für menschlich, dass man ein paar Prozente zurückschaltet, wenn man selber einsieht, dass man seine Ziele (und sportlich und teamintern muss das Platz 10 gewesen sein) nicht mehr erreichen kann. Wenn man angespannt, mit viel Einsatz und manchmal über die Schmerzgrenze hinaus versucht hat ein Ziel zu erreichen und dann scheitert, dann ist der Kopf müde, dann ist man mental platt und selbst wenn man weiterhin mit 100% reingehen will – man kann es nicht. Es geht einfach nicht. Wenn wir ehrlich zu uns sind, dann haben wir das alle schon erlebt.

Der zu dünne Kader tut dazu sein übriges, dann hat der eine oder andere schon woanders unterschrieben und ist mit dem Kopf nicht mehr ganz bei der Sache, man will sich auch nicht mehr verletzen in den letzten bedeutungslosen Spielen und so kommt eins zum anderen und Straubing ist dann eine zu große Hürde. Das Problem ist, dass die Spiele für uns Fans eben nicht bedeutungslos sind und wir weiterhin den vollen Preis dafür zahlen. Entweder schafft es die Mannschaft irgendwie (körperliche und mentale) Frische zu finden oder es werden wirklich ganz harte Wochen. Vielleicht einfach mal zwei Tage saufen gehen und sich dann einschwören: „Jetzt haben wir noch 6 Wochen lang Spaß – Pelech fang am Freitag mal an!“

Die Chancen

Und im Laufe der Woche manifestierte sich dann der Eindruck, dass diese Phase jetzt auch Chancen bietet. Als weiteren Vorteil kann ich auch einen Bogen zum ersten Teil dieses Artikel schlagen, denn ich sehe eine Chance darin, dass die bisweilen unkritische Begeisterung für die Mannschaft durch die schwächeren Spiele etwas abkühlt und man sich leichter tut sich von einigen Akteuren zu trennen. Das macht es dem Management deutlich einfacher Spieler auszutauschen, als wenn das Team bis zum Ende mit allem kämpfen würde, was es hat. Das lieben zwar sehr viele in Schwenningen, aber wie oben bereits geschrieben – für höhere sportliche Ziele muss man etwas tun.

Und damit lande ich am Ende doch wieder bei einer großen Gefahr – wenn diese Phase zu lange dauert, die Spiele zu trostlos werden. Dann würde die Mannschaft tatsächlich alles mit dem Arsch wieder einreißen, was sie sich mühsam aufgebaut hat. Denn wir stehen punktemäßig kaum besser da als im Vorjahr, aber der Kredit den das Team hat ist ungleich höher. Es wäre schade, wenn wir wieder in diese Weltuntergangsstimmung der letzten Saison zurückfallen, einen Keil zwischen Team und Fans treiben und sich die Fans am besten noch gegenseitig zerfleischen.

Deshalb: Die vier schlechten Spiele werden durch die guten Partien zuvor aufgewogen, ich kann akzeptieren, dass man mental in einem Loch ist – aber jetzt schnaufen wir durch und bringen die Saison gemeinsam und versöhnlich zu Ende. Und nächstes Jahr mit neuem Mut…..

2 Kommentare zu Gefährlich harte Chancen – oder die Evolution einer Analyse

  1. Andre Gutmann

    Schöner Aufruf – aber es ist Dir auch klar, dass Du im Grunde aufgrund der geschilderten sportlichen und daraus resultierend mentalen Lage „Übermenschliches“ vom Team verlangst (zumal es systembedingt um keinen Abstieg zu kämpfen gibt, wofür die Spieler ja nichts können). Im Übrigen – so sehr ich die Vorstellung des Zusammenhalts von Team und Fans („wie heißt es im Song so schön: „Siegen und verlieren – gemeinsam Fans und Team“) toll finde – im Stadion sind immer noch die Fans, die für das Spiel zahlen, und die Spieler, die für das Spiel bezahlt werden (u.a. von dem, was die Fans zahlen) – das ist beileibe keine „Schicksalsgemeinschaft auf Augenhöhe“, was sich ja schon in der (für eine Erinnerungskultur, wie wir Menschen es sind) typischen Aufwiegen des letzten Eindrucks gegenüber vorherigen Leistungen (4 schlechte Spiele werden gegen ca. 25 gute Spiele aufgewogen) zeigt. Wenn der Zusammenhalt tatsächlich besteht, müsste man eigentlich auch nach der „mentalen Frische“ des Fan-Volks fragen, die genauso wie die Spieler auch nur Menschen sind.

    • Der schwarze Schwan

      Ich glaube durchaus, dass man an der Stimmung im Stadion auch eine gewisse Müdigkeit und Enttäuschung bei den Fans wahrnehmen kann.

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