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Wie gut sind wir eigentlich?

Posted by on September 21, 2015

Die Frage stellte Helmut de Raaf vor dem ersten Spieltag. Nach vier Spieltagen will ich mal versuchen Sie zu beantworten und unsere Situation zu beleuchten. Auf den ersten Blick stehen wir mit zwei mickrigen Punkten am Tabellenende – auf den zweiten und dritten Blick ändert sich daran auch nichts, aber das heißt noch lange nicht, dass wir das Handbuch für panischen Aktionismus aus dem Regal holen müssen. Doch dazu ein Absatz später mehr.

Nach der letzten Wochenende habe ich mich trotz einiger Anfragen zurückgehalten, weil man der Ankündigung im Vorfeld der Mannschaft Zeit zu geben dann auch Taten folgen lassen sollte. Als Ersatzbefriedigung habe ich mir dann eben aufgrund einer flapsigen Bemerkung über Joey MacDonald einen veritablen Shitstorm eingefangen, der aber nur dem Statistiker in mir bewiesen hat, dass auch die Fanschar der Wild Wings der Gaußschen Normalverteilung folgt und einige durch ihre plumpen Beleidigungen ihre Position nahe an einem Ende der Kurve eindrucksvoll bewiesen haben. Nichtsdestotrotz bleibe ich dabei, dass ich es beängstigend finde, wenn man einen angeschlagenen Torhüter einsetzt, der sich dann TV-wirksam übergeben muss bzw. bei Symptomen einer Gehirnerschütterung die Fürsorgepflicht vernachlässsigt. Aber Schwamm drüber – zurück zum aktuellen Geschehen.

Vier Spiele, drei Niederlagen, ein knapper Sieg – und das gegen Top-Teams der Liga. Das ist so ungefähr das was man erwarten konnte. Viel mehr als die nackten Zahlen sollte man aber auf die Spiele ansich achten. Die jungen Spieler machen Spaß, die Mannschaft kämpft und zerreißt sich in jedem Spiel. In jedem Spiel hat man mindestens ein Drittel lang gezeigt, dass man auch gegen Spitzenmannschaften der Liga mindestens mithalten kann. In jedem Spiel hat man aber auch gesehen, dass man das Tempo (noch) nicht über 60 Minuten durchhalten kann. Alle Gegner haben uns letztlich über die Tiefe im Kader und die Abgezocktheit besiegt, lediglich den Red Bulls aus München ist die Zeit ausgegangen.

Auch wenn man in Mannheim gerne ein Kacktor oder gegen Köln den Schiedsrichter dafür verantwortlich machen möchte – genau diese Argumentation ist mir schon oft begegnet. „Gut gekämpft“, „Knapp dran“, „Alles abverlangt“, „Pech gehabt“ – Es ist manchmal gar nicht so schwer gut auszusehen, weil keiner weiß ob der dann siegende Gegner wirklich alles gegeben hat. Und wenn man viele Spiele knapp verliert, dann ist das in der Gesamtbetrachtung auch eine Frage der Qualität. Wir haben auch in den letzten beiden Jahren Spiele verloren, in denen man gut aussah. Fakt ist auch in diesem Jahr: Wir haben nicht die Qualität von Köln oder Mannheim – aber das darf man auch nicht erwarten.

Also alles wie immer? Nein, denn de Raaf und Co. haben durch ihre offene und ehrliche Kommunikation eine Stimmung vermittelt, die diese Fehler und Resultate derzeit toleriert. Das muss nicht ewig so sein, aber im Moment ist man durchaus damit zufrieden, dass die Mannschaft alles gibt und echauffiert sich lieber über liebestolle Hamster und vermeintlich vogelwilde Schiedsrichter. Doch auch wenn jeder klar sagt, dass die Mannschaft Zeit bekommt – zwischen den Zeilen und in manchen Zwischentönen kann man schon rauslesen, dass das auf Dauer doch nicht ausreicht. Spätestens die Spiele gegen unsere Kragenweite – Straubing, Augsburg und Co. werden auch für de Raaf und sein neues Konzept zur Nagelprobe. Dort erwartet der Schwenninger Fan dann auch Punkte, dort reicht es nicht mehr ein Drittel durchzupowern und dann eine Rückzugsschlacht zu schlagen.

Damit wir in diesen Spielen erfolgreich sind – und das will ja jeder – muss sich aber noch etwas tun. Die Causa Voutilainen muss diese Woche gelöst werden bzw. es muss ein Ersatz herkommen. Denn der vorbildliche Kampf der Mannschaft, die im Sturm mehr oder weniger zur Rumpfmannschaft wird, wird über kurz oder lang zu Verschleiß führen. Wenn wir dem Kader nicht Entlastung im Sturm zuführen, dann gehen wir spätestens an Weihnachten auf dem Zahnfleisch. Denn Spieler wie Kurth oder Schmölz müssen auch erstmal lernen, wie sich eine volle DEL-Saison auf ihren Körper auswirkt. Und die Wirkungskette ist ja bekannt. Körperliche Verschleiß => mangelnde Konzentration => kein Erfolg => Unzufriedenheit => Alle Mann in den Ostbahnhof.

Zudem müssen auch die erfahrenen Spieler noch zulegen. Die jungen Deutschen (und auch Schlager und Danner) spielen was sie können. Aber: Wenn wir eh schon mit so wenigen ausländischen Spielern im Sturm spielen, dann müssen die auch zwingend die ihnen zugedachten Rollen ausführen. Und beim Blick auf die Statistik sind sowohl Hult wie auch Stastny und Fleury (der auch zu oft auf der Strafbank hockt) noch weit von ihrem Soll entfernt. Rome schießt wie im letzten Jahr viel, aber auch oft schlecht. Bei Goc wirkt es leider so, als habe er sein Scoring-Potential in der Vorbereitung verbraucht und auch Pikkarainen und Hunkes haben noch Luft nach oben. Es ist leicht irritierend, wenn unter Einbeziehung der +/- Statistiken Danner und Schlager die tragenden Säulen unseres Spiels sind. Das geht auf Dauer nicht gut.

Also „Holland in Not“? Nein. Keineswegs. Wir dürfen auch die Gegner nicht unterschätzen und ja, wir haben zuwenig Tore geschossen aber wir haben gegen vier Top-Teams auch „nur“ 12 kassiert – ein guter Wert – und mit über 88% das drittbeste Unterzahl der Liga. Es zeigt, dass de Raaf einen Schwerpunkt auf die Defensive gelegt hat, hinten gut stehen will. Das ist gelungen und angesichts des Startprogramms eine gute Strategie gewesen. Jetzt gilt es dann die Automatismen im Spiel nach vorne einzubringen und unsere durchaus talentierten Stürmer zu aktivieren um das Gesamtkonzept möglichst schnell zu vollenden. Und bitte, gebt der Mannschaft Unterstützung durch etwas mehr Tiefe im Kader. Dann kann das wirklich was werden dieses Jahr und dann wissen wir auch bald, wie gut wir wirklich sind.

Ein Kommentar zu Wie gut sind wir eigentlich?

  1. Eishockeyfan

    Wohl wissend, dass geschriebene Ironie oft falsch verstanden wird und wohl wissend, dass diese falsch zu verstehende Ironie in eine öffentliche Gruppe mit vielen fremden Menschen gepostet wird, die den Grad der Ironie nicht verstehen können, weil man sich nicht kennt und wohl wissend, dass man sich über einen körperlichen Zustand eines Spielers des eigenen Vereins ironisch lustig macht, der gerade das Auftaktspiel gegen den Branchenprimus fast „alleine“ positiv für uns entschieden hätte, zeigt nicht unbedingt, dass man im höheren Bereich der Gaußschen Normalverteilung ist, wie man es den anderen abspricht und sich selbst zuschreibt, sondern vllt nur am anderen Ende der Verteilung hockt, und meint, man sei etwas besseres.

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