Causa Bremerhaven – Vorbild oder nicht

Während in Schwenningen schon die Golfschläger geputzt werden, atmet man ganz oben an der Nordsee noch die würzige Play-Off Luft. Der „Aufsteiger“ aus Bremerhaven hat nicht nur die Pre-Play-Offs erreicht, sondern dort auch souverän gegen Ingolstadt gewonnen und darf sich gleich im ersten Jahr auf „echte“ Play-offs gegen den EHC München freuen. Wir gratulieren, aber gleichzeitig macht sich in Schwenningen ein bisweilen sehr neidvoller Blick auf Bremerhaven breit, verbunden mit der Forderung doch das Konzept der Pinguins zu kopieren. Eine sinnvolle Sache?

Ich glaube nicht, denn der Erfolg der Bremerhavener ist einigen glücklichen Umständen zu Verdanken, einer der sich gebotenen Chance, die Bremerhaven beim Schopf gepackt hat. Platz 10 ging so billig weg wie nie, die anderen Teams (inkl. Schwenningen) balgten sich lieber um Platz 11 als die Chancen zu nutzen und Bremerhaven startete mit viel Euphorie, erspielte sich einen Lauf, konnte sich am Anfang oben festsetzen und dann mit einem gut funktionierenden und eingespielten Team diesen Platz bis zum Ende halten. Natürlich ist es bitter, wenn man selber seit Jahren mit viel Hoffnung in eine Saison startet und dann sehen muss, wie es einem anderen  Aufsteiger gleich im ersten Jahr gelingt. Andererseits ist dieser Unmut gar nicht notwendig, wir müssen auf uns selber schauen und es besser machen. Zudem kann man auf keinen Fall davon sprechen, dass Bremerhaven souverän die Play-Offs erreicht hat, am Ende war es ein Punkt vor Düsseldorf und wir waren auch nur sechs Punkte weg. Ein knappes Spiel gewonnen, Bremerhaven ein knappes Spiel verloren und wir wären punktgleich gewesen. Über eine lange Saison ist das beinahe Augenhöhe.

Für Bremerhaven ist das toll und ich wünsche Ihnen alles Gute in den Play-Offs, dort oben wird auch schon seit vielen Jahren im Management solide, ruhige und seriöse Arbeit abgeliefert – aber um sich dauerhaft in diesen Regionen zu etablieren, muss man dies über mehr als ein Jahr schaffen. Man sieht an Iserlohn, wie schnell ein Absturz aus den Play-Off Rängen erfolgen kann – ich bin sehr gespannt, ob Bremerhaven das im nächsten Jahr bestätigen kann. Und für uns sollte unser Weg das Ziel sein. Evaluieren, Adaptieren, Verbessern – aber jetzt nicht kopflos einem anderen Club nacheifern, der am Ende der Saison in der Tabelle nur im Bereich des statistischen Zufalls vor uns liegt.

Ein immer wieder eingeworfenes Argument für größere Erfolgschancen ist die stärkere Fokussierung auf Zweiflaggenspieler, schließlich habe Bremerhaven damit Erfolg gehabt. Ich will überhaupt nicht über die anderen Aspekte in dieser Diskussion reden – ein Deutscher mit deutschem Pass ist ein Deutscher mit allen Rechten und Pflichten – egal ob arisch über 600 Generationen oder aus dem kanadischen Urwald, frisch eingebürgert – aber man darf die Augen nicht vor der Realität verschließen, dass einige Clubs verstärkt darauf setzen, Spieler im Ausland zu scouten, die bereits über einen deutschen Pass verfügen oder diesen sehr schnell bekommen können. Diese dann „billig“ verpflichten und damit die Liga aufmischen. Im letzten Jahr ist es Iserlohn gelungen, dieses Jahr haben wir die Roosters hinter uns gelassen. Auch, weil die Spieler, die in der Liga einschlagen, dann von den „Großen“ verpflichtet werden. Dafür landete mit dieser Strategie Bremerhaven vor uns. Doch ist das wirklich der Grund? Blicken wir mal auf ein paar Zahlen:

Bremerhaven hatte mit Bergman, Lampl (D) und Bast, George, Hoeffel, Mauermann, Zucker (F) sieben Spieler, die unter diese Definition fallen. Betrachten wir mal die Spieler der Pinguins und deren Scoring.

Erläuterung: Um Verletzungen und Einsatzzeiten herauszurechnen ist immer der durchschnittliche Wert an erzielten Punkte pro Spiel angegeben. Lavallee, Slaton und McPherson werden bei Bremerhaven aufgrund ihrer langen Vergangenheit in Deutschland nicht zu den originären Zweiflaggenspielern gezählt, genauso wie Trivellato in Schwenningen.

Interpretation: Ich finde die Zahlen geben keineswegs her, dass die Zweiflaggenspieler den Unterschied ausgemacht haben. In der Abwehr, da treibt Cody Lampl den Wert nach oben, dafür bleiben die übrigen deutschen Spieler und die Ausländer hinter unseren zurück, in der Summe sind wir auf exakt demselben Niveau. Im Sturm zeigt sich, dass wir sogar besser dastehen, wenn wir alle Spieler mit deutschem Pass zusammenrechnen, auch unsere deutschen Spieler aus den vorderen Reihen alleine punkten besser als die Zweiflaggenspieler der Bremerhavener. Den entscheidenden Unterschied machen hier die Ausländer raus, hier hat Bremerhaven die signifikant besseren Scorer.

Und das ist für mich der Knackpunkt: Zweiflaggenspieler muss man genauso wie andere deutsche Spieler unter der Prämisse Preis/Leistung betrachten, sie alleine haben nie und werden auch nie den Unterschied ausmachen. Bremerhaven hat schlicht und einfach bei den Kontingentspielern die Hausaufgaben besser gemacht als wir, besser gescoutet und ein besseres Netzwerk genutzt. Hätten wir mehr als einen (Acton) ausländischen Stürmer gehabt, der die 30-Punkte Marke geknackt hat – dann würden wir diese Diskussion nicht führen.

Bremerhaven kann in der Hinsicht seriöser Arbeit ein Vorbild sein, Zweiflaggenspieler dürfen auch nicht per se verteufelt werden – aber jetzt alles über den Haufen zu werfen und die Fischköppe nachzuahmen, das ist für mich der völlig falsche Weg und wäre blinder Aktionismus. Wie schon mehrfach geschrieben – bessere Ausländer, mehr Grit. Das brauchen wir und das hatte Bremerhaven uns in diesem Jahr voraus. Nichts, was man nicht ändern könnte. Nichts, was wir nicht auch selber in der Hand hätten.

Ich würde mir wünschen, dass die Diskussion um Zweiflaggenspieler zurückgefahren wird, denn es suggeriert eine einfache Lösung, eine schnelle Lösung mit dem Ergebnis, dass dann alles gut wird. Dem ist nicht so und Bremerhaven ist dazu nachweislich noch ein schlechtes Beispiel.

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Versöhnlicher Abschied und ganz viel Geduld

Mit etwas Abstand zum letzten Spieltag kann man mit Fug und Recht von einem versöhnlichen Abschluss sprechen. Durch die beiden Siege in Straubing und gegen Nürnberg hat die Mannschaft noch einmal Charakter bewiesen, die beste Platzierung und die beste Punktzahl in der jüngeren DEL-Geschichte erzielt und die Pre-Play-Offs am Ende um sechs Punkte verpasst. Sechs Punkte, die durchaus drin gewesen wäre, die man hätte holen können, die man aber am Ende eben nicht geholt hat und deshalb ist die Platzierung verdient und entspricht dem Leistungsvermögen. Verletzungspech, fehlender Grit und Abschlussqualitäten und zu wenig Biss in Do-or-Die Games – die Gründe sind bekannt. Positiv ist, dass das alles Punkte sind an denen man arbeiten kann – negativ ist, dass die zum Teil schon vor der Saison offensichtlich bennant wurden. Natürlich gab es auch positive Überraschungen, allen voran sind da El-Sayed und Strahlmeier zu nennen, die mich sehr begeistert haben. Hoffentlich können sie diesen Trend fortsetzen.

Doch das Lamentieren über die vergangene Saison hilft nix mehr, rum ist rum und Rumrich und Co. liefern uns zumindest eins: Sportliche Kontinuität. Man kann zu Rumrich und Cortina stehen wie man will und man kann angesichts der einen oder anderen Verlängerung schon die Augenbraue heben – aber man muss sie jetzt mit deren Konzept arbeiten lassen und dann können wir im Herbst neu bewerten. Die Chancen sind gar nicht so schlecht, dass man die vorhandene Basis sinnvoll nutzt.

Eins wird dabei ganz schwierig: Die laaaaaaaaaaaaange Zeit bis zur neuen Saison – fünf Monate dürfen wir jetzt warten bis die neue Eiszeit beginnt. Viel Zeit zum Diskutieren, Kritisieren, Echauffieren usw. Eine Gratwanderung, die Fans bei Laune zu halten, gleichzeitig aber nicht zu früh und zu teuer zu verpflichten. Der Kader muss jetzt nicht stehen. Der Kader muss zu Saisonbeginn stehen. Oder kurz danach. Es ist wichtig eine Basis zu haben, die haben wir – im Tor mit Strahlmeier, im Secondary Scoring mit Hult, Bartalis und Giliati, bei den deutschen Stürmern in der Breite mit El-Sayed, Danner, Kurth und Maurer, mit Acton als Top-Stürmer. Wenn wir jetzt noch einen guten zweiten deutschen Torhüter dazu kriegen und in der Abwehr neben Brückner noch einen oder zwei halten/verpflichten können – dann kann für mich ganz beruhigt der Sommer kommen.

Top-Ausländer kannst Du im Juli verpflichten, zu Ostern dann ein oder zwei Verpflichtungen von Teams, die noch in den Play-Offs gespielt haben. Es wird ruhig werden in Schwenningen, es ist Geduld gefragt, viel Geduld – aber es lohnt sich diese zu investieren. Jeden Tag ein Sau durchs Dorf zu jagen und Rumrich zu drängen doch bitte jede Woche eine neuen Top-Star zu verpflichten – das ist nicht zielführend.

Ich finde, wir standen eine Woche nach Saisonende schon deutlich schlechter da als jetzt. Mehr Sorgen als die Mannschaft macht mir das Damoklesschwert Steuerfahndung.

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ERC Hollywood Revolutions

Wenn man etwas jinxed, dann kommt es so. Hier also der dritte Beitrag in drei Tagen. Nach den sportlichen Schlagzeilen platzte dann gestern noch die Meldung über eine Untersuchung der Finanzbehörden herein. Es geht um Sponsoren, Steuern, etc.. und laut der Presse kam es auch zu Durchsuchungen.

An dieser Stelle ist für mich hier auch Ende. Während die Querelen um z.B. Schmölz lediglich ärgerlich sind, können Gerüchte über wirtschaftliche Probleme oder falsche Informationen zu finanziellen Themen die Existenz akut bedrohen. Deshalb verbieten sich Spekulationen über Hintergründe und Folgen und ich werde dies hier auch nicht tun.

Die Wild Wings haben richtig und gut reagiert, indem sie proaktiv und vor der Presse eine Stellungnahme veröffentlich haben und jetzt muss man die Behörden ihre Arbeit machen lassen. Sollte es zu Ungereimtheiten gekommen sein, dann müssen die aufgeklärt und bei Bedarf sanktioniert werden. Man kann nicht einerseits über Steuervermeidungstricks von (Groß-)konzernen und fehlende soziale Gerechtigkeit jammern und andererseits beide Augen zudrücken, nur weil es sich um den Lieblingsclub oder einen Sponsor dessen handelt. Also warten wir mal ab.

Stattdessen lohnt vielleicht ein Blick in die Zukunft. Welche Ereignisse können uns in dieser Chaoswoche noch erwarten?

Mittwoch 18:00: Aufgrund von Schmähgesängen im letzten Spiel gegen Düsseldorf verhängt die DEL eine Sperrung der Fankurve für das kommende Heimspiel.

Donnerstag 11:30: Eine baurechtliche Überprüfung der Helios Arena hat bauliche Mängel im Bereich des Daches festgestellt. Dass dort entdeckte grüne Moos wird nun von einer Fachfirma untersucht. Bis dahin darf die Halle nicht betreten werden.

Donnerstag 14:21: Jürgen Rumrich äußert in einem investigativem Interview in der Neckarquelle, dass schon seit Wochen keiner mehr mit ihm gesprochen habe.

Donnerstag 14:34: Auf der Homepage lässt Rumrich klar stellen, dass er täglich mit sich selbst spricht.

Donnerstag 19:10: Aufgrund erhöhten Alkoholbedarfs auf der Schramberger Fasnet sieht sich Fürstenberg nicht in der Lage für das letzte Saisonspiel Bier bereitzustellen. Die Bierkarten gelten gleichwertig für roten Multivitaminsaft.

Freitag 09:40: Die DEL entscheidet für die neue Saison feste Schiedsrichtergespanne den Clubs zuzuteilen. Sämtliche Spiele der Wild Wings im nächsten Jahr werden von Herrn Aumüller geleitet.

Freitag 12:40: Zur besseren Verankerung in der Doppelstadt haben die Wild Wings beschlossen in der kommenden Saison jedes zweite Heimspiel in rot-gelb anzutreten. Die Fans werden angewiesen „Let’s go Badener“ zu singen.

Freitag 17:09: Endlich…..

Ach komm, scheiß drauf! Heute ist Eishockey, heute ist Derby. Vergessen wir das ganze Chaos, schieben wir den Dreck beseite und jagen das Federvieh. Das Schwenninger Eishockey wird auch diese Woche überstehen.

 

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ERC Hollywood reloaded

Ereignisreicher Tag gestern rund um die Wild Wings, deshalb werde ich den Blog-Beitrag von gestern noch ergänzen und ein bißchen aufwischen was sich so auf dem Boden verteilt.

Spieler beschweren sich in der Presse
Gestern hatten die Spieler das Wort, konnten sich offen beschweren, dass keiner mit ihnen redet. Dazu eine Ente(?) mit der Verpflichtung von Youri Ziffzer, die von Rumrich heftig dementiert wurde. Alles in allem einige Vorwürfe und Vorgänge, die für den Verein in der jetzigen Phase sehr unschön sind und den Eindruck erweckten, dass da in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und seriösem Arbeiten einiges im Argen liegt. Die rechte Hand weiß nicht was die linke tut und manchmal mischt sich auch der Fuß noch ein.

Rumrich feuert zurück
Die erste Reaktion von Rumrich selber kam über ein „Interview“ auf der Homepage. Ich habe absolut nichts gegen diese Art der Veröffentlichung, es ist sogar eine gute Möglichkeit wenn man seine Gedanken so nach außen trägt, aber wenn ich schon die vollständige Hoheit über die Fragen habe, dann sollte ich das noch ausnutzen und mich nicht widersprechen. Das Interview erweckt den Eindruck als hätten wir ein verwundetes Tier, das in Panik um sich schlägt. Einerseits zu fordern, dass sich alle Spieler und Angestellte der Wild Wings voll auf die kleine Play-Off Chance konzentrieren sollen und dann die Spieler öffentlich der Lüge bezichtigen. Dass man am gleichen Tag wo man diese Fokussierung einfordert und Vertragsgespräche aus diesem Grund ausschließt die Verlängerung des Co-Trainers verkündet, geschenkt.

Zweites Interview
Zusätzlich gibt Rumrich auch noch ein Interview im Südkurier, indem er zuerst gut reagiert, Bittner und Ziffzer als „interessante Spieler“ bezeichnet, aber in der jetzigen Phase keinen Kommentar zu Vertragsgesprächen abgeben will. Das ist gut, das ist richtig, so macht man das. Leider lässt er auch hier im zweiten Teil durchscheinen, dass sein Gemütszustand durch das Verhalten der Spieler irgendwo zwischen enttäuscht und beleidigt changiert.

Was bleibt
Ich weiß nicht, wer da gelogen hat, ob die Spieler, ob Rumrich oder ob die jeweiligen Agenten ihre Spieler nicht informieren – ALLE Seiten geben hier ein denkbar schlechtes Bild ab. Souverän geht anders, als Verein mit einem klares Fokus auf die letzten Saisonspiele sollte man über solchen Aussagen stehen und sich nicht auf eine öffentliche Schlammschlacht einlassen. Und wenn z.B. Trivellato wirklich gelogen hat und man mit ihm auch nicht mehr plant, dann spricht auch nichts dagegen ein Zeichen zu setzen und ihn für Mittwoch auf die Tribüne zu verbannen. Es geht – leidr – nicht um die Wahrheit, die kann sich kein Zeitungsleser erschließen, es geht im „postfaktischen Zeitalter“ um die Meinungshoheit.

Es bleibt der Eindruck, dass man in Schwenningen die Presse überhaupt nicht im Griff hat. Eine gute Pressearbeit besteht für mich aus Geben und Nehmen, hier mal eine Hintergrundinformation, da mal eine kleine News – und im Gegenzug spart sich die Presse Schmutzkampagnen oder fadenscheinige Gerüchte. Dass das hier anders läuft, das kriegt man auch in Eishockey Deutschland mit, das lesen auch potentielle Neuzugänge. Ich mache mir Sorgen.

Ich hoffe, dass alle Seiten jetzt zur Ruhe kommen und wir uns auf das wichtige Spiel morgen in Mannheim konzentrieren können. Egal ob die Play-Offs rechnerisch noch möglich sind oder nicht, bei dem Kurpfälzer Federvieh sollte jeder Wild Wing und jeder Wild Wings Fan immer und zu jeder Zeit gewinnen wollen. Und wenn nicht, dann machen wir ihnen wenigstens das Eis kaputt.

Blick aufs Sportliche – ich will morgen kein ERC Hollywood Revolutions schreiben müssen.

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ERC Hollywood

S’goht dagege und der ERC scheint sich von Tag zu Tag närrischer zu verhalten. Nicht mal sportlich, da ist alles in Butter. Man hat sich stabilisiert, die Punktequote verbessert und selbst drei Spieltage vor Saisonende eine – wenn auch kleine – rechnerische Chance auf die Play-Offs. Saisonziel erreicht, Zufriedenheit allenthalben könnte man da meinen. Doch leider ist es nicht ganz, es gibt einen Teil der Fans, die trotz erreichtem Saisonziel unzufrieden sind, die sich mehr erwartet haben, die höhere Ansprüche haben. Doch das soll hier heute nicht das Thema sein, ich bin der Meinung, dass wir ziemlich genau da stehen, wo wir von Etat, Anspruch und Wirklichkeit her hingehören.

Viel ärgerlicher dagegen sind die ganzen Nebengeräusche. Angefangen von den öffentlichen (Nicht-) Vertragsverhandlungen mit Sascha Goc, dem wochenlang und immer noch andauernden Verwirrspiel um die Verlängerung von Strahlmeier und jetzt in voller Breitseite eine Zeitung, die die Verpflichtung von Youri Ziffzer und Dominik Bittner vermeldet, was umgehend von Manager Rumrich heftig dementiert wird. Parallel beschweren sich Trivellato und Schmölz öffentlich, dass keiner mit ihnen redet und sie gerne bleiben würde und dazu kommt noch eine Alkoholfahrt von Jake Hansen – für die der Verein natürlich absolut nichts kann – garniert mit einer zeitgleichen Meldung über die Vertragsverlängerung mit Fürstenberg. Welch herrliche Ironie.

Man kann über viele dieser Einzelfälle diskutieren, einen Trivellato muss ich nicht zwingend halten, aber wenn ich öffentlich für ein Konzept von jungen deutschen Spielern werbe und dann die, die da perfekt reinpassen so vor den Kopf stoße, dann wirkt das auf die Öffentlichkeit – höflich gesagt – irritierend. Bestes Beispiel ist Schmölz: Sehr gute Entwicklung aus den hinteren Reihen zum Scorer, zweitbester deutscher Punktesammler, einer der wenigen der auch mal Härte rein bringt und beim Publikum beliebt. Genau solche Spieler sollten unseren Weg verkörpern, genau mit solchen Leuten kann man dem Publikum diesen Weg verkaufen – mit ihm jetzt nicht mal zu reden, ihn nicht mal „bei der Stange zu halten“ ist aus meinen Augen grob fahrlässig.

Schließlich sind deutsche Spieler auf dem Markt teuer, die Alternativen für uns nicht so groß gesät und gerade auf dem deutschen Sektor haben wir uns verbessert und es wäre wichtig einen Stamm an Spieler auch mal in eine neue Saison mitzunehmen. Kein alljährlicher Rebuild, bitte! Und dafür sind die Voraussetzungen eigentlich gut, mit El-Sayed, Danner, Kurth, Schmölz, evtl. Maurer hätte man einen Stamm von fünf Stürmern, die für 20 Punkte in der Saison gut sind, die auch sympathisch daherkommen und einfach nach Schwenningen passen. Und die Voraussetzungen sind auch deshalb gut, weil jeder sieht wo die Probleme liegen. Abschlussqualität und mehr Härte, bessere Ausländer – das ist es was uns in dieser Saison gefehlt hat.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Cortina mit der letztjährigen Mannschaft und seinem vernünftigen Defensivsystem die Play-Offs erreicht hätte, wahlweise auch mit diesem diesjährigen Team plus Fleury und Pelech/Rome.

Doch irgendwie nutzen wir dieses Basis nicht aus, reißen uns mit dem Hintern wieder ein was wir mühsam aufgebaut haben. Und es ergibt noch kein klares Bild. Ist Rumrich jetzt die ärmste Sau oder schlicht unfähig oder irgendwo dazwischen? Wo sind die treibenden Kräfte? Haben wir die Presse nur absolut nicht im Griff oder arbeitet die Presse bewusst gegen uns?

Es ist schade, denn das Bild das wir abgeben, die öffentlich geführten Vertragsgespräche und eine halbe Mannschaft, die sich über die Journaille beschwert – das ist einem Proficlub nicht würdig. Den ERC Hollywood sollten wir ganz schnell wieder in die Kiste packen, Nägel mit Köpfen machen, mit den Spielern reden und dann seriös und PROAKTIV agieren – sich nicht von der Presse treiben lassen. Ein Fantalk wäre mal wieder was.

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Das Ende aller Träume

Dieses Wochenende bedeutet für das Schwenninger Eishockey in der Tat ein Ende, das Ende aller Träume. Ich schreibe bewußt nicht „Saisonziel verpasst“ oder so etwas, denn das Saisonziel „So lange wie möglich Platz 10 in Reichweite zu haben.“ haben wir mit Hängen und Würgen halbwegs erreicht, die Play-Offs – oder korrekterweise Pre-Play-Offs – sind und waren ein Traum. Und wie bei Träumen so üblich, bleiben es halt oft Träume. So auch wieder in diesem Jahr. Mit den Niederlagen gegen München und in Straubing ist es zwar mathematisch immer noch möglich, aber nicht mehr realistisch. Die Zahlenspielerei von letzter Woche nochmal aktualisiert müssten wir schon über dem Niveau von Spitzenreiter Nürnberg spielen, um das noch zu erreichen. Vergessen wir’s.

Doch kamen diese Niederlagen überraschend? Ich meine nein, denn im Laufe einer Saison gibt es etwas was selten lügt: Die Tabelle. Und auch wenn die wehtut, weil man sieht was an der Nordseeküste mit ähnlich begrenzten Mitteln in diesem Jahr gelingt, sie sagt aus, dass wir im Schnitt nur einen Punkt pro Spiel holen. Die vier Punkte am vorvergangengen Wochenende waren ein Ausreißer nach oben, das Wochenende jetzt mit 0 Punkten hat uns wieder genau auf Schnitt gebracht.

Ich glaube nicht, dass das an der Einstellung liegt, ich glaube einfach, dass es gute und schlechte Tage gibt. Jeder unserer Jungs kann tolles Eishockey spielen, jeder kann den Gegner aussteigen lassen, jeder kann genau in den Winkel schießen, das Team kann jeden in der Liga schlagen. Aber eben nicht konstant und immer. Das ist neben läuferischen und technischen Grundlagen und taktischer Flexibilität ein grundlegendes Qualitätsmerkmal. Und ich finde es falsch, dann immer auf der Mannschaft herumzuhacken, wenn einfach nicht mehr geht.

Vergleichen wir mal andere Sportarten. Ganz aktuell, Mischa Zwerev wirft in Melbourne bei den Australien Open den Weltranglistenersten Andy Murray raus. Ist er jetzt der beste Tennisspieler der Welt und muss er das nicht in jedem Spiel bringen? Nein, denn er kann dieses Niveau nicht konstant bringen. Das unterscheidet die guten von den sehr guten. Und an einem guten Tag und bei einem schlechten Tag des Gegners schlagen wir daheim eben Mannheim oder Nürnberg, aber dieses eine von zehn Spielen in denen uns das gelingt, das ist eben nur eines. Anderer Vergleich: Biathlon oder Ski Alpin. Es gibt sicher 30 oder mehr Leute, die ein Rennen gewinnen können, aber in der Konstanz kann es derzeit nur ein Fourcade. Es gibt jede Menge gute Skiläufer, denen mal ein Traumlauf aufgeht, aber diese Läufe in Serie können eben nur ein Marcel Hirscher oder eine Mikhaela Shiffrin bringen.

Deswegen ist das Erwachen aus dem Traum für mich kein böses Erwachen, sondern einfach ein Ergebnis einer rationalen Betrachtungsweise der Realität. Dieses Jahr ist eben nicht das Jahr in dem der Knopf aufgeht, dann eben nächstes Jahr. Dafür kann man jetzt die Weichen stellen und wenn man Bremerhaven ausblendet und mal die Historie von Straubing und Iserlohn in der DEL betracht, dann sind wir voll im Soll. Straubing ist mit den Plätzen 12,14,13,13,13,6 (Play-Offs) gestartet, die Roosters mit 15,12,9,12,11,11,11,5 (Play-Offs), wir stehen bei 13,14,14,??. Alle Mannschaften wollen in die Play-Offs, es gibt für uns keine Garantie und wenn wir es einmal in fünf Jahren schaffen, dann ist das für uns ein Erfolg.

Deshalb gilt es jetzt auch schon den Fokus auf die neue Saison auszurichten und dort einen neuen Anlauf zu wagen. Natürlich, Platz 11 oder 12 als beste Platzierung in der jüngeren DEL-Geschichte ist ein schönes Ziel und auch die bisher beste Punktzahl von 55 Punkten aus dem Vorjahr gilt es noch zu übertreffen – aber man sollte jetzt genau drauf achten, wer noch mitzieht und sich damit für einen weiteren Vertrag empfiehlt. Ich bin nach dieser Saison nicht so verbittert und enttäuscht wie in den vergangenen Jahren – natürlich spüre ich auch keine überbordende Freude – aber dann eben einen nächsten Anlauf im neuen Jahr. Das ist eben unsere Rolle in der DEL und die kann und muss ich akzeptieren.

Und die Fischköppe stürzen nächstes Jahr auch ab. Punkt.

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Platz 10 – eiskalt kalkuliert

Gutes Wochenende, zwei Spiele gewonnen, aufsteigende Form – sportlich hatten wir in Schwenningen schon deutlich schlechtere Zeiten. Und so schielen Fans und Team – zurecht – auf Platz 10. Ausgehend von einer kleinen Diskussion im esbgforum über die noch zu vergebenden Punkte und die mögliche Erreichbarkeit von Platz 10 habe ich kurz eine kleine Excel-Tabelle angelegt, die aus meiner Sicht die Wichtigkeit des direkten Duells am Freitag in Straubing unterstreicht. Dieses Spiel müssen wir gewinnen, das ist ein Schlüsselspiel und wenn man am Kader noch etwas tun will, dann muss dies bis Freitag geschehen. Hier zuerst die Grafik (anklicken zum Vergrößern):

Erläuterung: Platz , Teamname, Spiele und Punkte sind aus der aktuellen Tabelle übertragen. Die fünfte Spalte berechnet den bisherigen Punkteschnitt und die sechste Spalte die Endpunktzahl, wenn der bisherige Schnitt beibehalten wird. Dort sieht man, dass die Zielmarke für Platz 10 derzeit 65 Punkte sind. Die weiteren Spalten zeigen dann jeweils den Punkteschnitt, den das Team in den kommenden Spielen erzielen muss, um die Punktzahl in der Kopfzeile zu erreichen. Mathematisch nicht mögliche Zellen sind ausgeblendet. Die beiden rechten Spalten zeigen dann noch den notwendigen Schnitt für die prognostizierte Punktzahl für Platz 6 und Platz 1. Daraus lesen wir also, dass wir in den kommenden Spielen 1,81 Punkte im Schnitt pro Spiel machen müssen. Also genauso weiter wie dieses Wochenende.

Schauen wir nun das Spiel in Straubing am Freitag an, ein Team auf Augenhöhe, das derzeit Platz 10 behält. Nehmen wir zwei Szenarien: Straubing gewinnt oder wir gewinnen.

Die obere Rechnung zeigt einen möglichen Sieg der Wild Wings in Straubing. Dann würden sogar 64 Punkte reichen und wir müssten nur noch 1,62 Punkte im Schnitt erreichen. Immer noch sehr ambitioniert, aber nicht völlig unrealistisch. Verlieren wir aber das Spiel, dann braucht man 68 Punkte für Platz 10 und wir bräuchten einen Schnitt von 2,15. Besser als ihn der jetzige Tabellenführer über die ganze Saison halten kann. Sehr unrealistisch. Faktisch unmöglich.

Ich weiß, dass in der Rechnung die Unbekannten Berlin und Bremerhaven fehlen (dann wäre der Sollschnitt aber auch bei mindestens 1,95) und die Realität jede Statistik schlagen kann – aber für mich ist im Bezug auf Freitag klar: Verlieren verboten!

 

 

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Der Tag danach

Zum Jahreswechsel hat es auf der Schwenninger Geschäftsstelle wohl einen neuen Füller gegeben, soviel Verträge wurden in den letzten Tagen unterschrieben. Danner, Kurth und Brückner langfristig – da gab und gibt es viel Zuspruch. Danner gehört bald schon zum Inventar und ich würde nicht dagegen wetten, dass in einigen Jahren ein Freiburger sein Trikot unter unser Dach hängen darf. *brrr* *schüttel*. Einsatzmäßig kann man Danner und Brückner nie etwas vorwerfen, sie sind natürlich keine Überflieger, aber sie spielen das was sie können mit sehr viel Herz. Beide passen nach Schwenningen. Bei Kurth ist definitiv noch mehr Potential da, hier finde ich es gut, dass man nach dem kleinen Rückschritt in diesem Jahr das Vertrauen in ihn nicht gleich verloren hat.

Für mehr Aufregung sorgt die Verlängerung des Vertrages von Jürgen Rumrich um zwei Jahre, schließlich ist der Manager nicht unumstritten. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ihn nicht für die Idealbesetzung auf der Position halte und ich habe mich über die Verlängerung nicht freuen können. Auch die Aussage von Herrn Werner, dass man Rumrich organisatorisch entlasten möchte, damit er sich mehr auf das Sportliche konzentrieren kann, finde ich schade – ich hätte mir da gewünscht, dass man Cortina mehr sportliche Macht zugesteht. Aber gut, es bringt nichts wöchentlich das gleiche Gemeckere zu bringen, es ist für uns nicht einfach eine Person zu finden, die sich diesen Manager (+plus Team-Organisator) Job in Schwenningen für vergleichsweise kleines Geld antut – wir müssen jetzt mit Rumrich leben, also machen wir das Beste draus. Positiv ist für mich ganz eindeutig, dass die Gesellschafter durch die langjährigen Verträge ein klares Bekenntnis zum Standort Schwenningen abgeben und Rückzugsgerüchten mal kurz den Mittelfinger präsentieren.

Lassen wir also den Manager mal Manager sein und überlassen ihm die sportliche Planung fürs kommende Jahr. Ich möchte noch gar nicht so über mögliche Verlängerungen nachdenken, schließlich sind wir noch mitten in einer Saison in der durchaus noch etwas möglich ist. Die letzten Wochen haben neben einem fantastischen Erlebnis Wintergame die bisherige Saison fortgeschrieben: Die Mannschaft spielt das was sie kann, versucht hinten dicht zu machen und konnte sich nach der Rückkehr einiger Verletzten in der Offensive und im Powerplay – wir haben die viertbeste Überzahl der Liga(!) –  stabilisieren und dadurch ein paar enge Spiele gewinnen, die man im November noch verloren hat.

Natürlich sind sieben aufzuholende Punkte in sechzehn Spielen auf dem niedrigen Niveau was heuer im Tabellenkeller herrscht kein Pappenstiel, aber der restliche Spielplan kommt uns entgegen. Von den sechzehn noch zu bestreitenden Partien gehen ganze zehn gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte. Ausgangsgedanke ist, dass der Kampf um Platz 10 von allen Teams ab Platz 7 geführt wird. Dort ist der große Bruch in der Tabelle. Und von den übrigen sechs Spielen gegen die Top-Teams hat man immerhin vier daheim. Die Ausgangslage könnte also schlechter sein.

Und ich finde, da sollten wir uns jetzt alle drauf konzentrieren. Fans und Team. Falls finanziell möglich nochmal einen zusätzlichen Spieler verpflichten und dann alles reinwerfen. Wir haben Mitte Januar noch eine Chance auf Platz 10 – das haben wir uns immer gewünscht. Wir haben eine Mannschaft, der man wenig vorwerfen kann – auch das haben wir uns immer gewünscht. Wenn wir an Fasnacht Platz 10 feiern, dann wird am Ende keiner mehr fragen, ob und wieviel Punkte man dafür gebraucht hat und zu was das im Vorjahr gereicht hätte.

Und wenn wir es nicht schaffen, dann können wir immer noch Sündenböcke suchen und motzen. Kräfte bündeln – wir haben alle ein gemeinsames Ziel!

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Die Entmannung des Schwenninger Eishockey

Selten bin ich so frustriert wie gestern aus dem Stadion gegangen. Nicht wegen der Niederlage, man kann verlieren. Ich habe eine verunsicherte Mannschaft gesehen, die durchaus  gewollt hat, die nach 10 Minuten führen muss, die sich Chancen erspielt hat (ein mehr als deutliche Plus bei den Schüssen) um diese dann leichtfertig, überhastet mit Pech und Unvermögen teils kläglich zu vergeben, die das Spiel auch nach dem 0:2 durch den Anschlusstreffer wieder spannend gemacht hat und dann so ein saudummes Ei zum 1:3 kassiert. Man könnte auch über manche Coaching-Entscheidung diskutieren, ich hätte mir zum Beispiel bei doppelter Überzahl drei Minuten vor Schluss gewünscht das MacDonald vom Eis geht und ich finde es auch merkwürdig, wenn MacDonald dann quasi eigenmächtig vom Eis geht aber kein Feldspieler sich bemüßigt fühlt das Eis zu betreten. Vieles heute ist auch „haste scheiße am schläger haste scheiße am Schläger“ gewesen, doch das ist alles nichts was mich so frustriert.

Nein, es geht um etwas anderes. Eine wichtige Regel im Eishockey ist „Defend Home Ice!“ Und da haben wir heute kläglich versagt, eine schlagbare Düsseldorfer Mannschaft hat uns mit ein bißchen Gift und Härte an den Eiern gepackt und am Nasenring durch die Arena geführt. Im Tabellenkeller geht es bisweilen dreckig zu und wir haben uns nicht gewehrt. Danner wird in die Bande geworfen, unser Kapitän vor dem Tor in die Mangel genommen und Samson sieht sich nahe der Düsseldorfer Bank alleine gegen fünf rot-gelbe stehen. Das passt alles zu den bisherigen Spielen, wo gegen Köln unser Topscorer folgenlos zusammengefahren wird oder die regelmäßigen Attacken die unsere Torhüter einstecken müssen.

Eishockey ist ein Spiel, das nicht nur über Technik und Taktik entschieden wird. Eishockey ist ein Mannschaftssport und ein Vollkontaktsport, ein Kampfsport, bei dem auch viel über Respekt, Einschüchterung und Härte geht. Wenn der Gegner weiß, dass es ein Echo gibt, dann wird er vorsichtiger. Wenn er weiß, dass es Haue gibt wenn man den Topspieler angeht, dann wird er sich das zweimal überlegen. Jeder Stürmer, der sich in unseren Slot bewegt, muss wissen, dass es dort weh tut. Wer dazu The Code oder die Autobiographie von Terry Ryan gelesen hat, der weiß wie wichtig dies für das Innenleben einer Mannschaft ist. Es gibt zwei Sachen, die ein Team zusammenschweißen: Ein zünftiges Kabinenfest und eine anständige Prügelei in der Vorbereitung. Denn nur wenig hilft Dir für ein Team mehr, als das Wissen, dass Du Dich im Kampf gegenseitig aufeinander verlassen kannst und das einer für den anderen einsteht. Aufstehen, wenn Du hinfällst. Keine Schmerzen, keine Schwäche –  und auch das Spielen mit Verletzungen.

Und in diesem Bereich haben wir völlig versagt, wir haben keinen solchen Spieler im Team, wir lassen alles mit uns machen. Und die Spieler, die sich wehren würden haben nicht die Statur und es fehlt die Unterstützung. Wir können nicht rein über das Spielerische kommen, das können vielleicht Teams wie München oder Nürnberg, aber auch die haben mit Pinizzotto oder Brandon Prust entsprechende Typen und Polizisten im Team. Düsseldorf hatte Conboy dabei. Diese Spieler müssen gar nicht soviel fighten, ihre Präsenz alleine reicht aus. Das haben wir in den vergangenen Jahren mit O’Connor und Pelech selber beobachten können.

Ich will keine Boxliga wie die LNAH, aber eine gesunde Härte gehört zu diesem Sport dazu und sie kann Spiele auch verändern oder entscheiden. Siehe ganz akut „Flyin‘ Reimer“ in Nürnberg oder auf ganz hohem Niveau der Stanley Cup-Run der Pittsburgh Penguins 2009, der sich auch darauf gründete, dass Max Talbot in nahezu aussichtsloser Situation in der ersten Runde den wesentlich größeren Dan Carcillo zum Kampf herausforderte und dem ganzen Team einen gewaltigen Boost gab.

Man kann verlieren, man kann auch viel verlieren – aber man darf sich, vor allem in der eigenen Festung daheim, niemals alles gefallen lassen. Nicht in diesem Sport. Ich will kein Schwenningen indem jedes dahergelaufene Gastteam machen kann was es will. Die Rymsha-Brüder, Guy Lehoux, Dave Chyzowski, Rich Chernomaz, Mike Bullard, Sandy Moger, Sean O’Connor, Andi Renz, Sana Hassan, Adam Borzecki, Ian MacNeil, Jason Deleuerme, Mike Stevens und zuletzt Matt Pelech, Ashton Rome und Damien Fleury waren alles Spieler, die sich eben nicht alles gefallen haben lassen, die dazwischen gehauen haben, die den Torwart beschützt haben, die für das Team eingestanden sind und die Respekt für unsere blau-weißen Farben erzeugt haben. Und letztlich haben sie auch die Zuschauer unterhalten.

Warum, Herr Rumrich, haben wir keinen einzigen solchen Spielertypen im Team?

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Eine ehrliche Saison

November in Schwenningen bedeutet: Krise, Frust und gegenseitige Anfeindungen. Warum sollte es in 2016 anders sein? Die Mannschaft steht beinahe abgeschlagen am Tabellenende, die Zuschauer bleiben aus und im Schrotflintenmodus wird vom Gesellschafter bis zum Eismeister jede Sau mindestens einmal pro Wochenende durchs Dorf gejagt. Ich möchte da gar nicht so sehr einstimmen, ich finde nämlich, dass das was wir dieses Jahr sehen gar nicht so sehr zum Skandal taugt. Im Vergleich zu den Vorjahren haben wir keinen vermeintlichen Sauhaufen, keine gerüchtete Trümmertruppe, keine für von Sofacoaches für inkompetent gehaltenen Fragezeichen auf der Trainerbank – sondern schlicht und einfach eine Truppe, die das spielt was sie kann. Ich möchte das auch gerne begründen und näher ausführen.

Vorweg eins – so Spiele wie in Krefeld gibt es. Das war unterdurchschnittlich, aber eine solche peinliche Vorstellung war bisher nicht die Regel und ich gestehe es jeder Mannschaft zu, dass sie ein paar solcher Tage im Jahr hat. Die haben wir alle auch und wenn man unterdurchschnittlich spielt, dann gibt es auch Spiele die überdurchschnittlich sind. Reine Mathematik.

Doch zurück zum Begriff ehrliche Saison. Wir haben eine Mannschaft, die nicht das Talent hat, in der DEL eine tragende Rolle zu springen. Auch ich habe im Vorfeld schon gefragt, ob wir Torjägerpotential und Grit abgeben und adäquat ersetzen. Die Tore von Fleury, Rome und Stastny fehlen uns. Die Härte und Robustheit von Pelech und Rome fehlen uns. Die Spieleröffnung von Pikkarainen fehlt uns. Dazu kommt das mathematische Phänomen der Regression zur Mitte, dass erwartungsgemäß dafür sorgt, dass Acton, Hult oder Danner nach ihrem statistisch sehr guten Jahr wieder in Richtung ihrer durchschnittlichen Werte tendieren. Gut, wir erleben das auch andersherum – Maurer und El-Sayed tendieren nach schwachem Jahr nach oben, können das aber keineswegs ersetzen. So fehlen uns Tore, Tore, Tore und mal einer der dazwischenhaut.sc

Womit wir beim Trainer sind. Pat Cortina hat das offensichtlich erkannt, dass diese Mannschaft nur eine sehr begrenzte Offensivpower hat. Also lässt er ein Defensivsystem spielen, versucht die Zahl der Gegentore niedrig zu halten und vorne hilft der liebe Eishockeygott. Das hat in einigen Spielen (z.B. in Köln) funktioniert, in vielen aber auch nicht. Denn damit das gelingt muss man vorne eine exzellente Chancenverwertung und die nötigen Spieler mit Speed haben. Ein Giliati hat das, ein Acton hat das – aber gerade die Seuche am Schläger -, ein Samson dagegen ist ein Spieler mit hervorragenden Qualitäten wenn das Team das Spiel macht. Er ist kein Konterspieler. El-Sayed und Maurer sind durchaus Aufwertungen zum Vorjahr, aber es sind Arbeiter, keine Torjäger. Dazu kommt, dass die Stürmer defensiv arbeiten müssen. Das kostet Kraft und so fehlen uns Tore, Tore, Tore.

Und aufgrund dieser mangelnden Qualität bringt uns das durchaus effektive Defensivspiel nichts zählbares ein. Wir kriegen keine drei Gegentore im Schnitt, das ist für uns der beste Wert seit DEL Rückkehr und Empty-Netter oder Tore tief im Schlussdrittel wenn alles schon entschieden ist, sind dabei noch gar nicht rausgerechnet. Von den Gegentoren her sind wir locker ein Kandidat für Platz 10, aber Eishockey besteht leider nicht nur aus Verteidigen, sondern auch aus Offensive und da fehlen uns Tore, Tore, Tore.

Ich weiß, ich wiederhole mich – aber das ist für mich die Diagnose dieser Saison. Es ist schwer gegen uns Tore zu erzielen, aber es ist noch viel, viel schwerer für uns selber Tore zu erzielen. Und da ist die Crux. Die Mannschaft will, die Mannschaft kann aber nicht. Die Spieler wollen, den Spielern fehlt aber die Qualität.

Das sieht man auch und gerade im Powerplay. Das ist bisweilen erbärmlich und vielleicht – oder wahrscheinlich – ist es auch nicht Cortinas Stärke. Aber für mich steht und fällt das Powerplay mit den beteiligten Spielern. Wayne Hynes und vier Pylonen waren eine gefährliche Powerplay-Formation, weil der gute Wayne eine Übersicht, Ruhe und ein Spielverständnis hatte. Dagegen kriegst du mit fünf Arbeitern ohne Spielwitz auch mit dem besten Trainer nix zusammen. Wir haben im Powerplay einen Goc der schießen kann – das weiß die ganze Liga – und mit Acton und Samson durchaus gefährliche Leute, die aber nicht gefährlich angespielt werden, weil uns der Spielmacher, der Stürmer mit Finesse und der Quarterback an der blauen Linie fehlen. Gysbers – leider bei vielen inzwischen völlig unten durch – hat nicht das Passpiel von Pikkarainen, Goc und Kaijomaa auch nicht. Und der trickreichste Stürmer – Istvan Bartalis – ist leider schon länger verletzt. Ein Dilemma.

Der geneigte Leser, der bis hierhin durchgehalten hat, wird sich jetzt vielleicht die Frage stellen: „Konnte man das denn nicht schon bei der Zusammenstellung der Mannschaft ahnen?“ Die Frage stellt er zurecht und die stelle ich mir auch. Und damit landet man auch automatisch bei der Person, die für diesen Kader verantwortlich ist. Für mich ist Rumrich der erst Kandidat für kritische Fragen, nicht die Mannschaft, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihre Leistung abruft.

Um mit einem Bild abzuschließen: Wenn der Chef dem Handwerker fünf Akkuschrauber zur Verfügung stellt, dann kann dieser den Dachstuhl leidlich zusammenschrauben, wird aber spätestens beim Mauerwerk scheitern. Es braucht einen ausgewogenen Werkzeugkasten um ein stabiles Haus zu bauen. Und Cortina – man kann beinahe sagen die ärmste Sau – hat vom Manager seines Vertrauens eben nur die Akkuschrauber bekommen und muss zusätzlich damit leben, dass bei zweien das Bohrfutter gebrochen ist.

Scheiss Situation. Perspektive? Ich sehe gerade keine.

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