Plädoyer gegen die Hysterie

Sportlich voll im Soll, die Play-Offs fest im Blick – der Schwenninger Fan könnte sich eigentlich gemütlich zurücklehnen und sich des Lebens freuen. Doch leider scheint das nicht zu reichen. Denn wie auch in anderen Bereichen der Gesellschaft, wo aus jeder Mücke gerne ein Elefant gemacht wird, wo jedes noch so kleine Thema eine Bühne findet um hochgejazzt zu werden, gibt es auch im Eishockey Ereignisse, die beinahe hysterisch und übertrieben bearbeitet und besprochen werden.

Thema 1, hier in Schwenningen: Der Bremerhavener Bus wird besprüht. Klar, dass ist keine schöne Sache, der Verursacher – wenn er denn gefunden wird – sollte auch „die Ohren lang gezogen“ bekommen. Aber was man sonst so gelesen hat? „Steinigen und lebenslanges Stadionverbot“. Bitte? Geht’s auch ne Nummer kleiner? Ja, es gibt einen Sachschaden, aber der ist in überschaubarem Rahmen. Es wurde keiner verletzt, es wurde keiner gefährdet und wenn es abwaschbare Farbe wäre, dann könnte man darüber sogar schmunzeln. Man merkt es auch ligaweit, dort wurde von der Aktion Notiz genommen, kurz der Kopf geschüttelt und dann ist man zurück zur Tagungsordnung. Bremerhaven hat eine launige Meldung, Stichwort „Spätzle-Aboriginies“ geschrieben und mehr Aufmerksamkeit haben solche Aktionen, möglicherweise gerechtfertigt durch eine krude Ultra-Kultur, überhaupt nicht verdient. Nur in Schwenningen überbietet man sich mit den Forderungen nach Konsequenzen, schreibt weitschweifige Stellungnahmen und Entschuldigungen als hätten Schwenninger Fans einen Kindergarten überfallen. Ist das wirklich nötig und der Sache angemessen? Ich denke nein.

Thema 2, ligaweit. Die Adler aus Mannheim spielen Champions Hockey League, verlieren in Brynäs, scheiden aus, werden durch die Schiedsrichter – mit neutraler Brille – über das ganze Spiel benachteiligt und am Ende entlädt sich der aufgestaute Frust, besonders bei Thomas Larkin manifestiert er sich in einem üblen Blindside Hite gegen Daniel Paille. Ohne jede Diskussion, das war ein böses und gesundheitsgefährdendes Foul. Doch Worte wie „Amoklauf“, „Mordversuch“ und Forderungen nach lebenslanger Sperre sind auch hier völlig übertrieben. Man muss die Kirche im Dorf lassen, Fouls gehören zum Sport (leider) dazu und bei Vollkontaktsportarten, wie Eishockey eine ist, kann es bei harten Fouls auch zu ernsten Verletzungen kommen. Dies wird von den Spielern aber akzeptiert, das sind alles keine Unschuldslämmer und Hasenfüße.

Kleiner Exkurs, weil sich immer wieder beschwert wird, dass man nix über Verletzungen erfährt: Weiß ich, dass mein Gegenspieler z.B. eine Oberschenkelprellung rechts oder eine Bänderdehnung in der Schulter links hat, dann bearbeite ich die Stelle auf legale und illegale Weise, mit Körper, Stock und allem was ich habe. Jeder, der selber auf dem Eis stand, weiß, wieviele Möglichkeiten du dazu im Spiel hast, die ein Schiri gar nicht sehen kann. Das ist wie beim Boxen, da haue ich auch immer wieder auf den offenen Cut drauf. Fair? Bedingt. Zur Sportart zugehörig: Definitiv.

So, und das ist üblich und Verletzungen gehören zu dieser Sportart dazu. Es hat böse Fouls wie das Larkin-Foul schon immer gegeben (die Älteren werden sich in unserer Welt z.B. an Handrick-Martin erinnern) und es wird sie auch weiterhin geben. Und im Vergleich zu anderen Fouls aus der Vergangenheit ist diese Aktion jetzt auch nicht „outstanding“, sondern reiht sich in die Sammlung der „Dirty Hits“ ganz gut ein. Ob die Strafe mit nun 4 Spielen um 2 Spiele zu niedrig ausgefallen ist, darüber kann man streiten, aber in Relation zur Länge der CHL-Saison ist das eine harte Strafe, vergleichbar 20 Spiele in der NHL. Blicken wir kurz in die Vergangenheit:

Die Eishockey-Welt kennt eine gültige lebenslange Sperre (Ryspayev, KHL) und eine begnadigte lebenslange Sperre (Coutu, Boston, 1927). Und in vielen zigtausend Spielen seit 100 Jahren und mehr gibt es nur gut zwanzig dokumentierte Sperren für 20 oder mehr Spiele, darunter auch der hier bekannte Gordie Dwyer oder der in Deutschland hoch angesehene Tom Kühnhackl. Die meisten Strafen übrigens für Stockaktionen und/oder Attacken gegen Offizielle. Wenn die ganze Eishockey-Welt, die aus Spielern und ehemaligen Spielern besteht, wirklich der Meinung wäre, dass solche Aktionen so schlimm sind wie sie in den letzten Tagen vermeintlich gemacht wurde, müsste dann nicht ein Konsens herrschen, dass es viel mehr dieser hohen Strafen gibt?

Also auch hier – runterfahren und nicht den ganzen Hass auspacken, nur weil es sich um einen Mannheimer handelt. Als Alex Dück einst in den Play-Downs Frankfurts Superstar Pat Lebeau mit einem üblen Hit gleich im ersten Spiel aus der Serie genommen hat, da hat kein Hahn in Schwenningen danach gekräht. Waren die Zeiten anders? Ist es eine Generationenfrage, die heute ein anderes und „weicheres“ Eishockey sehen wollen?

Das Gegenargument zum ganzen Thema ist, dass so schnell die Hysterie beginnt, alles auch wieder vorbei ist. Wie bei einem guten Shitstorm. Doch macht es das besser?
Deshalb: Plädoyer gegen die Hysterie. Calm Down. Runterkommen und Sachen realistisch betrachten. Durchatmen => Nachdenken => Posten.

Oder welche Sau treiben wir nächste Woche lautstark durchs Dorf?

Kategorien: Ligenleben, Tellerrand, Übertriebene Härte | Ein Kommentar

Helle Aufregung am Feiertag

Eigentlich ein Tag der Ruhe und der Familie, entspannt und vergnügt – nicht in Schwenningen. Helle Aufregung – und das gleich mehrfach. Das Spiel dabei noch am harmlosesten. Wer viele gute Spiele macht, muss auch mal schlechte Spiele abliefern – das ist schon immer so gewesen und eine natürlich Schwankung. Eine nach vielen tollen Aufholjagden platte und dezimierte Mannschaft und clevere Bremerhavener. Man kann nicht jedes Mal mehrere Tore aufholen, hat eben heute nicht gereicht. Trotzdem ist man punktemäßig noch im Soll…

..und kann optimistisch nach vorne blicken, denn entgegen aller, teils derben, Aussagen der Verantwortlichen über die leere Kasse und die Unmöglichkeit eines zusätzlichen Ausländers wurden die vielen Wünsche der Fans erhört und der größte Fehler bei der Zusammenstellung der Mannschaft endlich korrigiert. Und nicht nur korrigiert, sondern sehr überzeugend korrigiert. Damien Fleury kehrt zurück nach Schwenningen, der französische Nationalspieler und mit 25 Treffern in einem DEL-Jahr sehr erfolgreiche Stürmer, den nach einem Jahr das große Geld nach Peking in die KHL lockte. Jetzt kehrt der Weltenbummler also zurück an den Neckarursprung. Natürlich sind Rückholaktionen oft gescheitert und man darf nicht zu hohe und verklärte Erwartungen an ihn haben – aber mich begeistert diese Verpflichtung, denn er ist nicht nur ein zusätzlicher Ausländer im Kader sondern bringt viel mehr mit:

Er ist der Torjäger, der uns im Sturm fehlt und hat bereits bewiesen, dass er mit Acton funktioniert.

Er ist giftig und aggressiv, passt gut in unser Spiel.

Er ist einer der bei uns so rar gesäten Rechtsschützen.

Er kennt das Umfeld, die Fans und Teile des Teams.

Er ist vielleicht das fehlende Puzzleteil um uns tatsächlich eine echte Chance auf die Play-Offs zu geben.

Mein großer Respekt an die Verantwortlichen, sowohl an die sportliche Leitung, dass der Kontakt nie abgebrochen wurde und man bei der sich überraschend gebotenen Chance zugegriffen hat und genauso auch an die wirtschaftliche Leitung, dass man trotz Etat-Unterdeckung und noch nicht zufriedenstellenden Zuschauerzahlen die Schatulle nochmal geöffnet hat. Chapeau!

Doch damit nicht genug, nein, es gab auch noch Gesprächsstoff neben dem Eis. Der Mannschaftsbus der Bremerhavener wurde in der Nacht vor dem Hotel mit einem übergroßen „Meedale“ – Schriftzug besprüht. Die Aktion ist scheiße, doch man erlaube mir zwei kleine Anmerkungen dazu:

  1. Die allgemeine Empörung, auch bei den Bremerhavenern und ligaweit ist übertrieben. Lebenslanges Stadionverbot, Beleidigungen, etc.. – das volle Programm an Forderungen und Entgleisungen. Es ist kein Mensch zu Schaden gekommen, es handelt sich „nur“ um Sachbeschädigung. Das gehört aufgeklärt, das gehört gebüsst und sowas ist Kindergarten und sinnloser Vandalismus. Aber: Es ist für mich auf einem ähnlichen Level wie das Anbringen von Aufklebern auf fremden Eigentum. Nur größer. Und diese Aufkleber findest Du von allen Clubs überall in den Stadien und in der Liga – diese Unsitte ist nicht nur ein Schwenninger Problem. Man darf und muss die Aktion kritisieren und verurteilen, aber man sollte sich noch Empörungspotential für denkbare Steigerungen bewahren.
  2. Es liegt nahe, dass die im Graffiti benannte Gruppe an der Entstehung beteiligt war, denn meistens wollen Ultras doch auch, dass man weiß welche Aktion jetzt von wem stammt. Aber man weiß es nicht. Eine Vorverurteilung oder Sippenhaft kann nicht die Lösung sein, die Unschuldsvermutung muss gelten. Solange keiner der Beteiligten redet oder es eine Überwachungskamera gibt wird die Aufklärung schwierig – was soll die Polizei da groß machen? Aber wer immer das auch war, der sollte am Unmut der Fanszene ganz klar merken, dass so etwas keiner sehen will und er (oder sie) keinerlei Unterstützung in der Schwenninger Fanschaft für solche Aktionen hat.

Insgesamt ein unnötiges Schmierentheater, das vom überwiegend positiven Saisonstart leider ablenkt und niemandem hilft.

Kategorien: Phrasendrescher, Übertriebene Härte | Schreib einen Kommentar

Wie funktioniert das?

Derby verloren – doch keiner richtig enttäuscht, allenthalben Lob über die Wild Wings. Ich habe da eine Frage. Wie funktioniert das?

Schaut man auf die Zahlen, dann ist unheimlich viel von dem eingetreten, was vor der Saison vorausgesagt wurde. Wir stehen defensiv gut, lassen uns nicht abschießen, kassieren mit die wenigsten Gegentreffer und sind auf der Habenseite aber auch beinahe das Schlusslicht der Liga. Auch die befürchtete Verletzungsanfälligkeit schlägt wieder zu und wirft man einen Blick auf die einzelnen Spieler, dann ist auch alles wie wahlweise befürchtet oder erwartet. Außer Will Acton drängt sich kein Ausländer als konstanter Scorer auf, ein Bartalis für einen Ausländer mit katastrophalen Werten. Ansonsten gibt es Licht und Schatten. Während ein Höfflin in der Top-Reihe wieder sein Scoring-Potential aus dem Straubing-Jahr wiederfindet, können Kurth und El-Sayed überhaupt nicht an die guten Jahren anknüpfen, auch Wörle, Danner und Maurer weisen nur bescheidene Werte auf. In der Abwehr erfüllt Mirko Sacher die Erwartungen beinahe über, während bei Bittner die Leistung meilenweit vom vor der Saison geäußerten Führungsanspruch abweicht. Timonen scort solide, Bender kann überhaupt noch nicht an die Vorjahre anknüpfen und von Sonnenburg und Bohac wird wie erwartet fast nichts an Punkte und Toren beigetragen. Hinten drin steht Strahlmeier erwartet sicher.

Insgesamt klingt das nicht besonders gut – aber dennoch, der Blick auf die Tabelle zeigt Platz 8. Man gewinnt gegen direkte Konkurrenten, verschafft sich sogar ein kleines Polster auf Platz 10. Wie funktioniert das?

Es soll mir nur recht sein, der Erfolg gibt der sportlichen Leitung derzeit recht und ich freue mich, wenn es so bleibt und das auch in Bälde durch merklich gestiegene Zuschauerzahlen honoriert wird. Doch ich würde es gerne verstehen. Ein paar Ansatzpunkte:

  • Cortina hat ein richtig gutes und homogenes Team geformt, durch die Breite im Kader auf den deutschen Positionen herrscht ein gesunder Konkurrenzkampf und einsatzmäßig ist jeder voll dabei. Denn außer Acton und Strahlmeier kann praktisch jeder ersetzt werden.
  • Mirko Sacher hat nicht nur Sascha Goc als Scorer ersetzt, sondern spielt auf dem Niveau eines Kontingentspielers und das dazu noch defensiv verdammt solide. Zweitbester Punktesammler der Verteidiger in der Liga und dazu mit +6 auch noch einen sehenswerten Plusminus – Wert. Kein blindes Voranstürmen, sondern ein kompletter Verteidiger. Für mich noch vor Strahlmeier ein Kandidat für Marco Sturm.
  • „Unsung hero“ – Für mich ist das Jussi Timonen, eine der besten Verpflichtungen die wir in den letzten Jahren getätigt haben. Ein unauffälliger, seriöser Verteidiger mit einem überragenden Plusminus – Wert (+9 ist fast Ligaspitze), einer sehr ordentlichen Punkteausbeute und NULL Strafminuten.
  • Zusammengefasst haben wir uns vor allem defensiv gesteigert. Wir waren schon im Vorjahr unangenehm zu spielen, jetzt können wir aber nicht nur zerstören, sondern sind unsere Verteidiger auch in der Lage aus der destruktiven Spielweise heraus konstruktiv das eigenen Spiel anzukurbeln und das zahlt sich spürbar in Punkten und Toren aus.
  • Und zu guter Letzt auch ein wenig Glück in engen Spielen. Moral ist das eine, aber die Scheibe muss auch reinwollen. Dieses Glück erarbeitet und verdient sich die Mannschaft gerade.

Genießen wir es und hoffen wir, dass es so bleibt.

Kategorien: Ligenleben, never too low, Übertriebene Härte | Schreib einen Kommentar

2771

So lautet die erschreckende Zahl des Wochenendes. Denn gerade einmal 2771 Zuschauer verirrten sich am Sonntag in die Helios-Arena gegen Straubing. Die üblichen Erklärungen waren schnell gefunden: Zu früh, ist erst September, unattraktiver Gegner, zweites Heimspiel am Wochenende, Wahlsonntag, schönes Wetter, usw.. Doch aus meiner Sicht sind das vor allem vorgeschobene Ausreden, weil man sich nicht eingestehen möchte, dass auch der Schwenninger Fan heutzutage in erster Linie Erfolg und Siege sehen will. Ja, die Mannschaft spielt attraktiver und dynamischer als im Vorjahr, aber das Vorjahr war am Ende für viele sehr frustrierend und genau vor einem Jahr standen wir nach dem sechsten Spieltag ebenfalls mit 9 Punkten in der Tabelle, der weitere Weg ist bekannt.

Viele Fans – und ja, ich nenne sie auch Fans und spreche ihnen das nicht ab – warten verständlicherweise erstmal ab, ob es sich tatsächlich um eine Trendwende oder nur um ein Strohfeuer handelt. Die Erkenntnis aus dem Saisonstart ist für mich: Wir können noch so leidenschaftliches Eishockey spielen, damit kriegst Du in Schwenningen die Halle nicht mehr voll. Punkt! Dazu ist das Angebot zu vielfältig in der Umgebung und die Preise auch zu hoch.

Wie also zum Erfolg kommen? Geht es mit dem Team, von dem die meisten Zuschauer überraschend positiv sprechen? Ich habe weiter meine Zweifel, denn von den ersten sechs Spielen hätten wir vom Chancenplus her fünf gewinnen können/müssen, haben aber die Tore nicht gemacht. Und haben ligaweit die zweitwenigsten Treffer erzielt. Wie schon vor Saison ist das Tore schießen unser Problem. Unangenehme, bissige Spielweise, schnelles Forechecking – alles keine Frage, das können wir. Aber am Ende zählt der erfolgreiche Abschluss und da hapert es weiter, da fehlen uns die Spieler, die auch konstant das nötige Scoring bringen. Beispiel: Mirco Höfflin. Brilliantes letztes Wochenende, dieses Wochenende nicht erfolgreich. Auch Danner, Wöhrle, Maurer, El-Sayed, etc.. haben und hatten gute Wochenenden, die sich mit schwächeren abwechseln. Einzig der unverwüstliche Will Acton erfüllt die Ansprüche, die man für nachhaltigen Erfolg braucht und scort quasi fast immer.

Wenn es irgendwie nur ansatzweise möglich ist, dann sollte man nachlegen und sich hinterfragen, ob ein Try-Out Franzose ohne Scorerpunkt, der nach eigener Aussage noch einige Wochen brauchen wird um überhaupt in der DEL mitzuhalten, wirklich eine sinnvolle Lösung ist. Dass man während der Saison so nachlegen kann, dass es langfristig hilft, das hat man mit der Personalie Will Acton bereits bewiesen. Dann sind die Chancen auf attraktive Spiele UND Erfolg deutlich größer und dann kommen auch die Zuschauer wieder.

Kategorien: Ligenleben, Never too high - never too low, Übertriebene Härte | 10 Kommentare

Wo stehen wir?

Die Vorbereitung ist rum, der Ernst der Punktspiele steht unmittelbar bevor. Zeit, auf die Vorbereitungsspiele zurückzublicken. Wo stehen wir? Was kann man erwarten?

Personalangelegenheiten

Da verlief die Vorbereitung leider nicht reibungslos, immer wieder gab es Verletzte oder es wurden Spieler als Vorsichtsmaßnahme geschont, kaum ein Spiel indem sich endgültige Reihen wirklich einspielen konnten. Das kann nur Pech sein, das kann aber auch ein Zeichen sein, dass wir einen verletzungsanfälligen Kader haben. Ich glaube, die Antwort lässt sich relativ schnell erkennen, denn die Zeit der Schonung ist vorbei und wenn wir im Oktober regelmäßig vier Mann im Spital haben, dann handelt es sich um ein strukturelles Problem. Größere Auswirkungen hatte der längere Ausfall von Marco Wölfl, dadurch bekam Dustin Strahlmeier gleich einen Vorgeschmack auf die Hauptrunde, denn auch dort wird er sehr viel und sehr häufig spielen müssen. Er hat seine Sache aber gut gemacht, ich habe überhaupt keine Bedenken Strahlmeier als Starter für die neue Saison zu nehmen.

Positiv überzeugt auf Feldspielerseite haben aus meiner Sicht Markus Poukkula, der gezeigt hat, dass er weiß wo das Tor steht und Mirko Sacher, dem der Sprung in die höhere Liga kaum zu schaffen macht. Auch Dominik Bittner, der mit einem nassforschen und gescheiterten Anspruch auf das Kapitänsamt für Aufsehen sorgte, versuchte die in der Presse angekündigte Führungsrolle auf dem Eis zu übernehmen und das Spiel mit viel Ruhe am Puck von hinten anzukurbeln. Dominik Bohac bringt zumindest mal die vorgesehen Härte mit ins Team. Negative Einzelkritik lassen wir mal noch weg, denn Vorbereitung ist Vorbereitung und manche Spieler sind erst dann richtig da, wenn es zählt. Dass da bei einigen noch Luft nach oben ist, ist offensichtlich.

Bleibt noch die Personalie Rech. Der mit Try-Out Vertrag ausgestattete Franzose fiel mir zu wenig auf. Er spielte nicht schlecht, deutete aber auch nicht an, dass er jemand ist, der den Unterschied macht. Im Grundsatz solide, aber ist das gut genug für uns? Und wen könnte man sonst kurzfristig kriegen? Aber die Frage stellt sich eh nicht, denn kommunikativ ruft die sportliche Leitung erst eine Frist bis zum Ende der Vorbereitung aus um dann nach zwei Spielen, in denen er aufgrund von Vaterfreuden gefehlt hat, über die Presse zu lancieren, dass er bleiben wird. Und auch wenn ihm jede Sekunde mit seinem Kind gönne, es wirkt alles wieder gemütlich in Schwenningen, es gibt keinen Druck, hier kriegt jeder Vertrag. Ein kurzer Satz: „Anthony Rech wollte trotz der Geburt seines Kindes unbedingt um den Vertrag kämpfen, doch für die Wild Wings gibt es mehr als Sport und sie haben ihn selbstverständlich freigestellt.“ wäre eine Win-Win-Win Situation für Spieler, Club und Fans gewesen – bis auf die Frau von ihm, wenn er tölpelhaft den Windeleimer umwirft, hätten alle davon profitiert. So bleibt ein ungutes Gefühl in der Bauchgegend, ob wir eine Ausländerposition mit ihm stark genug besetzt haben.

Spiele und Spielerisches

Die Ergebnisse sind ganz klar. Hüllen wir über den Auftakt gegen Thurgau den Mantel des Schweigens, dann hat man unterklassige Teams (Ravensburg, Freiburg, Innsbruck), teils klar, besiegt und gegen Spitzenteams wie Novgorod und Genf kein Land gesehen. Interessantestes Spiel aus meiner Sicht der Vergleich gegen den EHC Biel aus der NLA. Denn da es in der DEL keine Teams gibt, die unterklassig oder auf dem Papier schwächer sind, werden wir es immer mit Minimum gleichstarken und meist stärkeren Team zu tun haben. Insofern war die Partie gegen Biel eine Blaupause für das, was uns diese Saison erwarten kann. Eng und giftig am Mann, destruktiv überzeugend und vorne die wenigen Chancen eiskalt genutzt. So konnte man dann einen 3:0 Vorsprung in die Verlängerung retten und hätte zumindest einen Punkt geholt.

Ist das jetzt etwas auf das wir aufbauen können? Bedingt. Denn diese „Hinten gut stehen und vorne hilft der liebe Gott (Acton, nicht Roby)“ – Taktik hat uns zwar ein paar Siege beschert aber über die ganze Saison nicht den nötigen Erfolg gebracht. Leider gibt die Vorbereitung wenig Anlass zur Hoffnung, dass sich unser Sturm so verbessert hat, dass wir mehr als diese Taktik fahren können.

Positiv für mich ist, dass sich die Mannschaft sehr homogen gezeigt hat und man ihnen einsatzmäßig wenig vorwerfen kann. Die meisten Spieler spielen das was sie können, überzeugen im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Das war auch im Vorjahr der Fall, aber reicht das? Reicht das auch für eine positive Stimmung am Neckarursprung?

Stimmung

Die ist gar nicht mal so schlecht wie man im Vorfeld befürchten musste. Ein gut besuchtes, top-organisiertes und feuchtfröhliches Vorbereitungsturnier in Kreuzlingen hat bei den Fans viel Anklang gefunden und schreit nach Wiederholung und auch 150 Fans im 5 Stunden entfernten Genf sind ein gutes Zeichen für die Schwenninger Eishockeybegeisterung. Dazu ein gelungenes Sommerfest. Insgesamt haben Mannschaft und sportliche Leitung durchaus Kredit bei den Fans, es wird auch realistisch konstatiert, dass Vorbereitung eben noch Vorbereitung ist. Aber genauso ist man auch Realist genug, dass viele zusammenpassen muss und die Mannschaft einige Fragezeichen aufweist. Die Chance ist aber da.

In Iserlohn punkten und dann das Federvieh schlagen und es kann sich etwas entwickeln. Genauso kann man in Iserlohn verlieren und gegen die Adler kein Land sehen und pünktlich zum Lebkuchenverkauf im Supermarkt brennt in Schwenningen Anfang September schon wieder der Baum.

Es wird eine Saison der Extreme, das sagt mir mein Bauchgefühl. Entweder überraschen wir und erreichen Platz 7 oder 8 oder wir liefern eine neue Definition für „abgeschlagen letzter“ und jagen Rumrich, Cortina und Co. noch in diesem Jahr geteert, gefedert und angefüllt mit kontaminiertem Trinkwasser über die Stadtgrenze in Richtung Villingen.

Kategorien: Ligenleben, Übertriebene Härte | Ein Kommentar

Alles ist scheiße!

Liest man sich so durch die Foren und FB-Seiten rund um die Schwenninger Wild Wings, dann bleibt dem unbedarften Beobachter vor allem ein Eindruck hängen: „Alles ist scheiße.“ Der Manager inkompetent, der Trainer kümmert sich um nix, die Ausländer zu wenig und zu schwach, die Deutschen nur Masse statt Klasse, die Gehälter zu hoch, der Etat falsch verwendet, die Eintrittspreise zu hoch, die Trikots zu rot, das Wetter zu heiß, das Bier zu schlecht, der Spielplan ungünstig und so weiter und so fort. Egal was es rund um die Wild Wings zu lesen gibt oder veröffentlicht wird – es dauert nicht sehr lange und der negative Spin in den Kommentare ist nicht zu übersehen. Doch woran liegt das ? Ist wirklich „alles scheiße“?

Natürlich gibt es große Fragezeichen, z.B. im Bezug auf den Kader, die man nicht wegdiskutieren kann und darf, aber die tief verwurzelte negative Stimmung kann nicht nur daher rühren. Zum einen ist es im Internet natürlich leichter, schnell mal zu motzen und das Mantra „nicht gemotzt ist schon gelobt“ manifestiert sich dann eben darin, dass die schweigende Mehrheit Entscheidungen mehr oder weniger positiv aufnimmt, diese Stimmen aber nirgendwo präsent sind und man deshalb nur das Negative liest. Zum anderen spielt da auch eine in den vergangenen Jahren stetig gewachsene Frustration eine große Rolle, gepaart mit ein paar unglücklichen Aussagen durch den Manager. Da fällt es schwer das Positive zu sehen, da ist man quasi automatisch in einem skeptischen Modus. Ich nehme mich da gar nicht aus.

Doch mittelfristig kann das zum Problem werden. Denn das Schwenninger Eishockey hat immer auch von der Begeisterung der Fans gelebt, von einer Underdog-Haltung und von einer Einstellung „Wir haben zwar keine Chance, aber wenigstens gute Laune.“ Ein Funke, der von den Rängen auf das Eis überspringt und ein Band zwischen Fans und Team schmiedet. Das ist ein Stück weit verloren gegangen und die negative Mentalität steuert uns leider nicht in die Gegenrichtung. Anstatt sich zu freuen, dass mit Werner Wohnbau ein Sponsor sein Engagement deutlich ausbaut, wird über rote Trikots gemotzt, die wir in den 80er Jahren in Schwenningen schon mehrfach hatten. Statt sich über abgeschaffte print@home Gebühren und einen Rabatt im VVK zu freuen, wird über Abendkassenpreise gemotzt. Statt sich auf die Vorbereitungsspiele zu freuen, wird gemotzt, dass es zu wenig Heimspiele gibt. Statt sich über ein attraktives DK-Paket zu freuen, sucht man Ausreden warum man doch wieder keine kauft. In einer Woche geht es nach einem endlosen Sommer endlich wieder los und jeder wartet praktisch nur darauf, dass die – natürlich dilettantisch – zusammengestellte Mannschaft mit Pauken und Trompeten untergeht und versagt.

Wir sollten da etwas ändern, das Glas ist nicht immer halb leer, das Glas sollte halb voll sein. Und wenn es zu schlimm wird, dann ist das Glas im Stadion eben immer ganz voll. Hoffnung macht mir, dass die Stimmung in Schwenningen schnell kippen kann. Himmelhochjauchzendzutodebetrübt – das kennen wir ja. Insofern, ich freue mich auf das Eistraining, ich freue mich auf die ersten Spiele, ich freue mich auf das Team und ich wünsche mir, dass sie uns alle positiv überraschen.

Kategorien: Never too high - never too low, Phrasendrescher, Übertriebene Härte | 3 Kommentare

Etatgeplauder

Im letzten Beitrag habe ich die Transparenz – auch im Bezug auf die Etatoffenlegung – beim Fantalk gelobt, doch was Michael Werner da in bester „Peter Zwegat – Manier“ am Flipchart gezeigt hat, ist aus meiner Sicht trotz des guten Willens nicht ganz ungefährlich.

Alleine die Schlagzeilen in der Presse „Wild Wings starten mit Unterdeckung“ lassen ligaweit aufhorchen und das nicht gerade positiv. Ich erkennen die Ehrlichkeit ausdrücklich an und ich sehe das genannte Minus auch nicht als kritisch an, denn andere Clubs, die einem ausgeglichen Etatansatz haben, preisen bei den Einnahmen den Gesellschafterzuschuss gleich mit ein. Michael Werner hat den bewusst rausgelassen, um aufzuzeigen welchen Anteil am Etat die Gesellschafter noch immer haben. Hätte er eine schwarze Null präsentiert und die Zuschüsse durch die Gesellschafter stillschweigend bei den Sponsoringeinnahmen verbucht, dann hätte kein Hahn danach gekräht. So ist die negative Presse in der Welt.

Nächstes Problem ist, dass die Zahlen gleich herangenommen werden um Vergleiche mit anderen Clubs anzustellen, nach dem Motto „Wer hat mehr und wer gibt das sinnvoller aus?“. Doch dafür taugen die Zahlen leider gar nicht. Wir haben einen Personaletat aufgelistet bekommen, der schließt aber vom Trainer bis zum Stadionputzer alle Angestellten rund um das Team mit ein, dafür werden für die Spieler zusätzliche aufzuwendende Kosten wie Fahrzeuge, Mieten, Berufsgenossenschaft separat notiert. Hört man jetzt von einem anderen Club, der Spieleretat beträgt xxx Euro, ist das dann vergleichbar? Nein, denn man weiß nicht, ob da z.B. Mieten und Fahrzeug inkludiert sind oder nur das spielende Personal gemeint ist. Eine echte Vergleichbarkeit wäre nur bei gleich angelegten Bilanzen herzustellen (und selbst da könnte man Kosten woanders verstecken).

Aus diesen Gründen ist es nett eine ungefähre Hausnummer zu haben, konkrete Schlussfolgerungen hüte ich mich aber daraus zu ziehen. Viel wichtiger ist der Draghieske Satz „Der Schwenninger Eishockeystandort ist sicher.“ Die präzisen Zahlen sollte man vergessen.

Kategorien: Konstruktives, Zahlendrehereien | Ein Kommentar

Stimmungsaufheller

In der Saisonvorschau wurden von mir einige Fragen aufgeworfen, gestern fand im Eisbär dann noch einmal ein Fantalk statt, bei dem sich Jürgen Rumrich und Michael Werner dem wütenden Mob der holden Fanschar stellten. Dafür gebührt ihnen auf jeden Fall Respekt, denn mancher Kommentar und manche Anschuldigung, die man quer durch die Foren so lesen musste, war leider arg unter der Gürtellinie und wenig sachlich und zielführend. Leider muss man das in einer exponierten Position wohl aushalten können.

Positiv ist die Transparenz, Michael Werner hat in bester Peter-Zwegat-Manier am Flipchart den Etat dargestellt und dabei mehr oder weniger durchblicken lassen, dass jedes Jahr ein kräftiger Zuschuss der Gesellschafter notwendig ist und die von Herrn Burger mehrfach geforderten 5.000 Zuschauer langfristig beinahe eine Notwendigkeit sind. Eindrücklich dabei, wie hoch die Nebenkosten z.B. für Berufsgenossenschaft und Versicherungen sind. Im Bezug auf den Kader und Rumrich wurde klar kommuniziert, dass dieser mit Vorgaben und in einem engen Budget arbeiten muss, auf dem Flipchart mit 3,3 Millionen als Mannschaftsetat gekennzeichnet.

Kernaussage: Das Geld was da ist, ist verbraucht. Wir haben nicht mehr und der Etat ist auf Kante genäht. Offen bleibt natürlich dabei die Frage, ob das Geld optimal eingesetzt wurde, ob man die jetzigen Spieler auch für weniger Geld bekommen hätte. Dies ist aber reine Spekulation, ich nehme das jetzt einfach mal so hin.

Im Bezug auf den Kader und das Konzept wurde klar kommuniziert, dass man u.a. durch die Möglichkeit der Verpflichtung von Tobias Wörle von einem weiteren Ausländer Abstand genommen hat und mehr in die Tiefe des Kaders investiert hat. Das ist ein möglicher Weg, in der Tiefe sind wird wirklich anständig besetzt, aber mir ist das weiterhin zu viel Hoffen und Beten nötig, dass alle deutschen Spieler die nötigen Tore und Scorerpunkte beisteuern.

Man kann diesen Weg für richtig oder falsch halten, man muss ihn aber zuerst einmal akzeptieren, denn letztlich – und das wurde überdeutlich – sind es trotz aller Anstrengungen im Sponsorenbereich immer noch die Gesellschafter, die die Party bezahlen.

Am Ende stand die eindringliche Bitte von Rumrich und Werner, der Mannschaft eine Chance zu geben. Das werde ich auch tun und ich hoffe, dass es auch alle unzufriedenen Fans tun werden. Jeder dieser Spieler kann beweisen, dass er den Schwan mit Stolz und Würde auf der Brust trägt und angesichts der herrschenden Stimmung kann man nur positiv überrascht werden.

Der Fantalk hat nicht alle Fragen beantwortet, aber er war ein wichtiger Schritt um das Verhältnis vor der Saison zu verbessern.

Kategorien: Business as usual, Übertriebene Härte, Vereinsheilige | Ein Kommentar

Auf halbem Wege…

So langsam wird es wieder Eishockey-Wetter und der schwarze Schwan meldet sich zurück. Ich habe bewusst keine Transfermeldung kommentiert, weil ich Rumrich und Cortina die Chance geben wollte, ein Team komplett zusammenzustellen bevor sie sich der notwendigen Bewertung ihrer Arbeit stellen müssen. Da die Kaderplanung jetzt abgeschlossen ist, kann man also loslegen.

Der Rückblick auf die letzte Saison deckt vor allem drei Schwachpunkte auf, die für das Verpassen der Pre-Play-Offs maßgeblich waren: Zu wenig Scoring, zu wenig Grit, zu wenig Tiefe. Mit dem Rest konnte man zufrieden sein, das Team spielte meistens das was es konnte, defensiv stand man ganz ordentlich und die jungen deutschen Spieler haben uns viel Freude gemacht.

Diese Klarheit in der Analyse ist eine wunderbare Vorlage für die Arbeit zur neuen Saison gewesen, schließlich waren die vermeintlichen Schwachstellen vermeintlich schnell auszumerzen. Der Beginn dieses Weges war auch ausgeprochen positiv: Mit MacDonald, Goc, Gysbers und Samson bekam man einige Großverdiener von der Payroll und schuf sich ein ordentliches Polster zum Manöverieren. Rumrich stellte sich auf einem Fantalk, man wolle den Fehler nicht machen und mit nur 8 Ausländern in die Saison gehen, zwischen den Zeilen konnte man sogar einen möglichen Start mit 10 Ausländern herauslesen (was nicht explizit gesagt wurde).

Weiterhin ging die sportliche Leitung auf Scouting-Tour, die Heim-WM natürlich, Cortina war in Finnland, Rumrich in Schweden und den USA. Auch wenn die Begründung für den Amerika-Trip für die erste hochgezogene Augenbraue der Sommerpause sorgte „…will die Stärke der Ligen dort einschätzen..“ wurde den Fans spätestens mit der Aussage, dass man zwei schwedische Spieler an der Angel hätte der Mund wässrig gemacht. Es kam dann ein Finne, dazu später mehr. Blicken wir zuerst auf die einzelnen Mannschafteile.

Im Tor kam der Abschied von MacDonald nicht überraschend und Strahlmeier hat sich den Posten als Starter redlich verdient. Natürlich hatte er seine schwachen Momente, doch in der Summe hat er gezeigt, dass man ihm viele Spiele in der DEL zutrauen kann. Als Backup wählte man die Billiglösung und holt Marco Wölfl fest ins Team. Der ist die DEL-Tauglichkeit bisher noch schuldig geblieben, aber insgesamt ist das ein Risiko was ein Kellerteam gehen kann, wenn nicht sogar muss. Bei einer langfristigen Verletzung von Strahlmeier muss man sowieso nachbessern und das gesparte Geld für einen teuren Backup kann man woanders zielführender einsetzen (in der Theorie).

Die Verteidigung wurde stark umgebaut. Mit Goc setzte man dem erfahrensten Spieler den Stuhl vor die Tür, ein Abschied für den Kapitän der aufgrund seiner Verdienste anders hätte ausfallen sollen. Sportlich, das hat das Ende der vorherigen Saison gezeigt, zu verkraften. Wie seine Auswirkung auf die Hierarchie und das Kabinenklima war, das kann man von außen nicht beurteilen. Simon Gysbers war zwar nie so schlecht, wie er oft gemacht wurde, aber dem Posten als Top-Verteidiger wurde er zu selten gerecht. Der Abgang ist logisch, genauso der Abgang von Hunkes, der zum einen viel verletzt war und zum anderen nur noch solide und unauffällig spielte. Da kam für einen Ausländer auch zu wenig. Bei Trivellato stockte die Entwicklung.

Sehr positiv ist die Verlängerung von Tim Bender, der einen weiteren Schritt gemacht hat. Brückner ist ein solider Rollenspieler, tut nicht weh und Kaijomaa wurde wohl um der Konstanz wegen gehalten. Überragend hat er auch nicht gespielt. Mit Bittner konnte man einen Nationalspieler aus Mannheim an den Neckarursprung lotsen, dem eine Führungsrolle zugedacht wird. Rückkehrer Mirko Sacher hat in der DEL2 eine positive Entwicklung genommen, die DEL sollte für ihn jetzt nicht mehr zu früh kommen. Sonnenburg und Bohac bringen Erfahrung, Grit und Härte mit, schön, dass man auch „Zweiflaggenspieler“ nicht mehr kategorisch ausschließt. Für Gysbers und Hunkes holte man nur einen neuen Ausländer, Jussi Timonen bringt über 500 Spiele aus der finnischen Liga als Referenz mit, auf den bin ich gespannt.

Insgesamt wirkt die Abwehr für mich homogener, der Erfolg steht und fällt damit ob Timonen als Leader die Erwartungen erfüllt, Bender und Bittner Führungsrollen übernehmen und Bittner und Sacher ihr Scoring deutlich ausbauen bzw. in die DEL übernehmen können. Dann könnte das funktionieren, sonst haben wir einen Hühnerhaufen. Lediglich etwas größer könnte die Abwehr sein, kein Spieler über 1,90m sorgt nicht gerade für Angst und Schrecken.

Der Sturm – auch der ist mir in der Summe zu „klein und schmächtig“ – wurde weniger verändert. Auf der deutschen Seite konnte man lediglich den bei den Fans beliebten Daniel Schmölz nicht halten, mit Höfflin und dem erfahrenen Wörle ist das auf dem Papier ein gleichwertiger Ersatz. Beide sind keine „Starspieler“, aber beide sind solide Stürmer, die uns mehr Tiefe im Kader geben. Mit den deutschen Stürmern waren wir im Vorjahr mehr oder weniger zufrieden.

Bei den Ausländern wurde früh klar, dass man mit Jerome Samson nicht verlängert, da stimmte das Preis-/Leistungsverhältnis nicht. Doch bevor man dafür Ersatz ankarrte, wurden erstmal jede Menge Verträge verlängert: Bartalis, Giliati, Hult, Poukkula. Jeder durfte bleiben, egal ob verletzungsanfällig oder leistungsmäßig nur bedingt tauglich. Dies sorgte für die nächste hochgezogene Augenbraue – denn beim Scoring der Ausländer haperte es und jetzt dürfen es alle nochmal versuchen. Hier hätte ich mit zwei der vier geplant und auf den anderen Positionen frisches Blut geholt. Doch tief durchatmen – im Kader sind/waren noch drei Planstellen im Sturm frei.

Zwei sind es immer noch, denn es wurde nur noch Anthony Rech mit Try-Out präsentiert. Kein Schwede, kein in Nordamerika gescouteter, sondern ein junger, unbekannter Franzose. Risikotransfer, aber gar nicht so schlecht. Natürlich ist die französische Liga schlechter als die DEL, aber er hat dort den besten Punkteschnitt aller Spieler und war bei der WM auf einem Level mit dem wohlbekannte Fleury. Das kann funktionieren – aber wenn nicht, dann fehlt uns im Sturm gewaltiges Potenzial. Außer dem unverwüstlichen Will Acton hat dort jeder Spieler ein großes Fragezeichen über dem Kopf.

In der Summe ist der Sturm für mich zu dünn besetzt, (im Verhältnis) zu viele Arbeiter und zu wenig Scoring. Acton, Giliati, Hult mag funktionieren, wenn alle fit sind, aber beim Secondary Scoring wird es düster. Die deutschen Spieler alle solide, aber der Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Spieler ist die Möglichkeit, die Top-Leistung jede Woche abzurufen. Das traue ich dort kaum einem zu. Zudem der Sturm für mich zu „technisch“ und zu wenig „körperlich“ für den Kampf im Tabellenkeller und so Fakten wie die Tatsache, dass wir nur einen einzigen rechtsschießenden Stürmer im Kader haben, sorgen zumindest für eine weitere hochgezogene Augenbraue.

Doch sah das trotz einiger diskussionwürdiger Verlängerungen bis zur „Kader iss fertisch“ – Aussage gut aus, ein Konzept, ein Ausmerzen von Schwachstellen, wenn – ja wenn – noch mindestens ein weiterer ausländischer Top-Stürmer gekommen wäre. Besser zwei. Doch bei 80% des Weges ist man stehen geblieben, die Versprechungen über Schweden und 10 ALs stellten sich als leere Versprechungen heraus und verständlicherweise ist der Unmut in Fankreisen ziemlich groß. Viele fühlen sich schlicht und einfach verarscht.

Mir geht es ähnlich, mir geht das große Fragezeichen nicht aus dem Kopf warum man den Weg nicht vollendet hat. Mit dem jetzigen Team plus zwei AL würde ich einen Kampf um Platz 10 für absolut realistisch halten. Doch warum tun wir das nicht? Warum?

Großverdiener weggeschickt und auf dem Papier keine neuen Stars geholt. Haben wir – wie manche Stimmen behaupten – bei Höfflin und Bittner „Mondpreise“ bezahlt und bei den Vertragsverlängerungen für Poukkula, Bartalis und Giliati noch ordentlich draufgelegt? Das wäre Irrsinn, denn keiner dieser Spieler macht den Unterschied. Ist uns deshalb das Geld ausgegangen oder hat die Sponsoren-Finanzamt-Steuer-Geschichte doch einen Loch ins Etat gerissen? Dazu passt aber nicht die Aussage, dass der Etat leicht erhöht worden ist. Und warum verkündet Rumrich noch vor kurzem, dass noch ein Spieler kommen soll? Oder ist das tatsächlich das Konzept, mit viel Eiszeit für die deutschen Spieler darauf zu hoffen, dass die alle gleichzeitig ihre Karrieresaison spielen, konstant und nicht nur in einzelnen Spielen glänzen und ein Höfflin z.B. statt wie im Vorjahr 0 auf einmal 20-30 Tore schießt, wenn er nur genug spielt?

Das wäre Harakiri mit Anlauf, denn wenn Spieler über ihre Verhältnisse spielen (wie z.B. Danner vor zwei Jahren oder El-Sayed im Vorjahr), dann gibt es genauso Spieler, die unter ihrem Level spielen. Das ist, war und wird schon immer so sein. Warum sollte es genau in diesem Jahr in Schwenningen anders sein? Hoffen Rumrich und Cortina wirklich, dass alle über sich hinauswachsen und die ganzen verletzungsanfälligen Spieler in diesem Jahr verschont werden?

Auf alle diese Fragen ist die sportliche Leitung den treuen Fans und Dauerkartenkunden eine Antwort schuldig. Und wenn die nicht zufriedenstellend ausfällt, dann erleben wir leider, leider einen sehr vergifteten Start in die Saison. Und davon hat keiner was.

Kategorien: Humanressourcen, Never too high, Übertriebene Härte | Ein Kommentar

Causa Bremerhaven – Vorbild oder nicht

Während in Schwenningen schon die Golfschläger geputzt werden, atmet man ganz oben an der Nordsee noch die würzige Play-Off Luft. Der „Aufsteiger“ aus Bremerhaven hat nicht nur die Pre-Play-Offs erreicht, sondern dort auch souverän gegen Ingolstadt gewonnen und darf sich gleich im ersten Jahr auf „echte“ Play-offs gegen den EHC München freuen. Wir gratulieren, aber gleichzeitig macht sich in Schwenningen ein bisweilen sehr neidvoller Blick auf Bremerhaven breit, verbunden mit der Forderung doch das Konzept der Pinguins zu kopieren. Eine sinnvolle Sache?

Ich glaube nicht, denn der Erfolg der Bremerhavener ist einigen glücklichen Umständen zu Verdanken, einer der sich gebotenen Chance, die Bremerhaven beim Schopf gepackt hat. Platz 10 ging so billig weg wie nie, die anderen Teams (inkl. Schwenningen) balgten sich lieber um Platz 11 als die Chancen zu nutzen und Bremerhaven startete mit viel Euphorie, erspielte sich einen Lauf, konnte sich am Anfang oben festsetzen und dann mit einem gut funktionierenden und eingespielten Team diesen Platz bis zum Ende halten. Natürlich ist es bitter, wenn man selber seit Jahren mit viel Hoffnung in eine Saison startet und dann sehen muss, wie es einem anderen  Aufsteiger gleich im ersten Jahr gelingt. Andererseits ist dieser Unmut gar nicht notwendig, wir müssen auf uns selber schauen und es besser machen. Zudem kann man auf keinen Fall davon sprechen, dass Bremerhaven souverän die Play-Offs erreicht hat, am Ende war es ein Punkt vor Düsseldorf und wir waren auch nur sechs Punkte weg. Ein knappes Spiel gewonnen, Bremerhaven ein knappes Spiel verloren und wir wären punktgleich gewesen. Über eine lange Saison ist das beinahe Augenhöhe.

Für Bremerhaven ist das toll und ich wünsche Ihnen alles Gute in den Play-Offs, dort oben wird auch schon seit vielen Jahren im Management solide, ruhige und seriöse Arbeit abgeliefert – aber um sich dauerhaft in diesen Regionen zu etablieren, muss man dies über mehr als ein Jahr schaffen. Man sieht an Iserlohn, wie schnell ein Absturz aus den Play-Off Rängen erfolgen kann – ich bin sehr gespannt, ob Bremerhaven das im nächsten Jahr bestätigen kann. Und für uns sollte unser Weg das Ziel sein. Evaluieren, Adaptieren, Verbessern – aber jetzt nicht kopflos einem anderen Club nacheifern, der am Ende der Saison in der Tabelle nur im Bereich des statistischen Zufalls vor uns liegt.

Ein immer wieder eingeworfenes Argument für größere Erfolgschancen ist die stärkere Fokussierung auf Zweiflaggenspieler, schließlich habe Bremerhaven damit Erfolg gehabt. Ich will überhaupt nicht über die anderen Aspekte in dieser Diskussion reden – ein Deutscher mit deutschem Pass ist ein Deutscher mit allen Rechten und Pflichten – egal ob arisch über 600 Generationen oder aus dem kanadischen Urwald, frisch eingebürgert – aber man darf die Augen nicht vor der Realität verschließen, dass einige Clubs verstärkt darauf setzen, Spieler im Ausland zu scouten, die bereits über einen deutschen Pass verfügen oder diesen sehr schnell bekommen können. Diese dann „billig“ verpflichten und damit die Liga aufmischen. Im letzten Jahr ist es Iserlohn gelungen, dieses Jahr haben wir die Roosters hinter uns gelassen. Auch, weil die Spieler, die in der Liga einschlagen, dann von den „Großen“ verpflichtet werden. Dafür landete mit dieser Strategie Bremerhaven vor uns. Doch ist das wirklich der Grund? Blicken wir mal auf ein paar Zahlen:

Bremerhaven hatte mit Bergman, Lampl (D) und Bast, George, Hoeffel, Mauermann, Zucker (F) sieben Spieler, die unter diese Definition fallen. Betrachten wir mal die Spieler der Pinguins und deren Scoring.

Erläuterung: Um Verletzungen und Einsatzzeiten herauszurechnen ist immer der durchschnittliche Wert an erzielten Punkte pro Spiel angegeben. Lavallee, Slaton und McPherson werden bei Bremerhaven aufgrund ihrer langen Vergangenheit in Deutschland nicht zu den originären Zweiflaggenspielern gezählt, genauso wie Trivellato in Schwenningen.

Interpretation: Ich finde die Zahlen geben keineswegs her, dass die Zweiflaggenspieler den Unterschied ausgemacht haben. In der Abwehr, da treibt Cody Lampl den Wert nach oben, dafür bleiben die übrigen deutschen Spieler und die Ausländer hinter unseren zurück, in der Summe sind wir auf exakt demselben Niveau. Im Sturm zeigt sich, dass wir sogar besser dastehen, wenn wir alle Spieler mit deutschem Pass zusammenrechnen, auch unsere deutschen Spieler aus den vorderen Reihen alleine punkten besser als die Zweiflaggenspieler der Bremerhavener. Den entscheidenden Unterschied machen hier die Ausländer raus, hier hat Bremerhaven die signifikant besseren Scorer.

Und das ist für mich der Knackpunkt: Zweiflaggenspieler muss man genauso wie andere deutsche Spieler unter der Prämisse Preis/Leistung betrachten, sie alleine haben nie und werden auch nie den Unterschied ausmachen. Bremerhaven hat schlicht und einfach bei den Kontingentspielern die Hausaufgaben besser gemacht als wir, besser gescoutet und ein besseres Netzwerk genutzt. Hätten wir mehr als einen (Acton) ausländischen Stürmer gehabt, der die 30-Punkte Marke geknackt hat – dann würden wir diese Diskussion nicht führen.

Bremerhaven kann in der Hinsicht seriöser Arbeit ein Vorbild sein, Zweiflaggenspieler dürfen auch nicht per se verteufelt werden – aber jetzt alles über den Haufen zu werfen und die Fischköppe nachzuahmen, das ist für mich der völlig falsche Weg und wäre blinder Aktionismus. Wie schon mehrfach geschrieben – bessere Ausländer, mehr Grit. Das brauchen wir und das hatte Bremerhaven uns in diesem Jahr voraus. Nichts, was man nicht ändern könnte. Nichts, was wir nicht auch selber in der Hand hätten.

Ich würde mir wünschen, dass die Diskussion um Zweiflaggenspieler zurückgefahren wird, denn es suggeriert eine einfache Lösung, eine schnelle Lösung mit dem Ergebnis, dass dann alles gut wird. Dem ist nicht so und Bremerhaven ist dazu nachweislich noch ein schlechtes Beispiel.

Kategorien: Ligenleben, Tellerrand, Übertriebene Härte, Zahlendrehereien | Ein Kommentar