All in!

Paul wer? Paul Thompson heißt der neue Trainer in Schwenningen. Ein 53jähriger Engländer mit singapurischen Wurzeln und ohne nennenswerte Spielerkarriere, der den Großteil seiner Coachingzeit in der drittklassigen englischen Liga verbracht hat, dort aber immerhin viermal den Titel holte. Natürlich kann man jetzt alle Witze von „Hoffentlich kommen wir nie ins Elfmeterschießen“ bis zu „Der Mann vom Brexit für den DELexit?“ reißen und natürlich ist es richtig auf die niedrige Qualität der englischen Liga hinzuweisen – aber bei einer genaueren Betrachtung kann man einige andere Aspekte feststellen. Gleich z.B. zum Satz davor. Auch in einer schwächeren Liga muss man sich erstmal gegen alle Konkurrenten durchsetzen, das hat er mehrfach geschafft und das ist ein Qualitätsmerkmal.

Blicken wir auf die Rahmenbedingungen in Schwenningen: Man steht im Keller, die Mannschaft ist limitiert und Geld ist auch nicht im Überfluss vorhanden – welcher Trainer aus dem oberen Regal ist da überhaupt bezahlbar und gewillt das Himmelfahrtskommando unter Rumrich anzutreten? Ein Krupp oder ein Zach würden zur Bedingung machen, dass ein Rumrich geht. Davon kann man doch ausgehen. Also muss man entweder einen der Haudegen wie Bill Stewart suchen, die schon überall waren und einen zweifelhaften Ruf im Gepäck haben. Oder man nimmt einen Unbekannten, man geht ins Risiko. Das ist genau das Risiko, dass wir als Underdog und kleiner Club auch mal gehen müssen.

Thompson hat nichts zu verlieren. Eine schlechtere Bilanz als Cortina ist kaum möglich, er kann also nur positiv überraschen. Und Rumrich weiß auch, dass er ein Manager auf Abruf ist. Auch wenn die Gesellschafter (noch) nicht zu einem Kurswechsel bereit sind, der gute Jürgen weiß, dass viel dazu nicht fehlt. Top-Trainer bekommt er nicht, also hilft es ihm doch auch, wenn er sich da einen Unbekannten ins Team holt.

Und in der Vergangenheit? Ein Stefan Mair kam ebenfalls aus einem unterklassigen Eishockeyland. Die Zeit mit ihm war gar nicht so schlecht, dafür hat manch Kanadier hier bitterlich enttäuscht.

Also: Es liest sich lustig, aber man sollte ihm eine Chance geben. Für mich ist das genau so ein ungewöhnlicher Weg, der Schwenningen auch ausmachen kann. Ich habe keine Ahnung wie er coacht, auf was er Wert legt, welches Eishockey er spielen lassen möchte – aber ich bin darauf gespannt. Immer was neues am Neckar.

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Die Cortina-Demission

Nach über zwei Jahren seriöser Ruhe und mit dem Erreichen der Play-Offs einer wirklich schönen vergangenen Saison, ist mit dem gestrigen Rauswurf von Pat Corina die Aufregung nach Schwenningen zurückgekehrt. Stellen wir zu Beginn gleich fest: Die Entlassung ist zwingend richtig. Schauen wir uns zwei Sachen an:

1. Die sportliche Leistung ist bar jeder Diskussion unterirdisch und schlecht. Kaum Punkte, kaum Tore, abgeschlagen letzter. Auch wenn immer wieder von einer Ergebnis- und keiner Leistungskrise gesprochen wird, man wird rund um die Helios Arena niemanden finden, der mit der Leistung zufrieden ist. Und langsam gehen auch die Ausreden (Pech, blöder Schiri, lange Busfahrt) aus. Es musste also etwas passieren.

2. Pat Cortina hat sich – das ehrt ihn – mehrfach vor die Mannschaft gestellt, gesagt, er glaube an die Mannschaft und immer wieder geäußert, er wisse nicht warum diese nicht alles geben. Unabhängig von seiner durchaus diskussionswürdigen Art Eishockey spielen zu lassen, das ist ein öffentliches Eingeständnis der Unfähigkeit die Mannschaft zu erreichen. Wenn der Bauleiter einstürzende Mauern bauen lässt und schulterzuckend antwortet, er wisse auch nicht warum seine Maurer die Steine hochkant aufsetzen, er habe ihnen das schon häufiger gesagt – dann muss entweder die Mannschaft oder der Trainer gehen. Wir sind im Sport, die Mannschaft kann man nicht entlassen.

Danke, Pat Cortina. Für das Erreichen der Play-Offs, für seriöses und ruhiges Auftreten – auch wenn ich Deine Art Eishockey, Dein steriles Defensivhockey nie geliebt habe. Der Rauswurf musste jetzt erfolgen.

Wo die Kritik aber anzusetzen hat, ist die Frage ob das alles ist. Was ist mit der Mannschaft, die durch die extra Erwähnung von Gesprächen mit dem Mannschaftsrat in der Pressemitteilung zur Demission, offensichtlich selber zur Säge gegriffen hat? Können sie jetzt wieder Eishockey spielen? Warum exponiert sich ein Manager, der spätestens nach einem fragwürdigen Fantalk einen sehr schweren Stand in weiten Teilen der Fanszene hat, indem er sich selber als Trainer in die vorderste Reihe stellt? Sonst befördert man für eine Übergangsphase den Co? Oder nimmt Wayne von der Jugend? Und warum gibt es keine einzige Silbe Eingeständnis an einer Mitschuld an der Situation durch den Manager (Mannschaftszusammenstellung) und den Co-Trainer (holt alle alten Buddys aus Finnland ins Team)? Und was ist nun mit der Verstärkung der Mannschaft, die seit Wochen immer wieder neu versprochen wird während andere Teams in Europa ohne Problem fündig werden?

Es sind viele Frage, zu viele Fragen, die um die Helios Arena schwirren und der Freitag wird ein interessantes Spiel werden. Es herrscht Unmut und Wut und es kommt ein Gegner, der vermeintlich auf Augenhöhe ist. Ich glaube persönlich nicht, dass schnelle Erfolge – die angesichts der fehlenden Qualität der Mannschaft sowieso fraglich sind – die Unzufriedenheit und die großen Fragezeichen bezüglich der generellen Ausrichtung überdecken können. Es wird weiter brodeln und ich würde mir wünschen, dass sich die Geschäftsführung erklärt und klar positioniert. Nicht unbedingt auf einem Fantalk, aber entweder per ausführlichem Statement oder per Pressekonferenz. Die Fragen, Sorgen und den Unmut der Fans können sie dauerhaft nicht ignorieren.

Stellen sie sich!

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Die Systemfrage

Indiskutable 7 Tore, mickrige 3 Punkte und ein zementierter Platz am Tabellenende – auch in Schwenningen sind es noch 2 1/2 Monate bis Weihnachten, doch schon jetzt brennt der Baum lichterloh. Versuchen wir mal die ganze Situation aufzudröseln und zu analysieren. Denn Aktionismus hat selten Glück gebracht, der Kopf eines Trainers oder Managers ist schnell gefordert, doch was wenn die Probleme tiefer liegen?

Ausgangslage

Die war gut. Im letzten Jahr haben wir eine Saison erlebt, in der uns vieles reingelaufen ist. Nicht unbedingt zu erwartende Leistungssprünge von Strahlmeier und Poukkula, keine schwerwiegenden Verletzungen auf den wichtigen Positionen, eine ungerade Tabelle, die uns über viele Wochen besser dastehen ließ, als wir eigentlich waren und am Ende die erstmalige Qualifikation für die Play-Offs in der DEL Neuzeit. Auch wenn wir dann dort ziemlich chancenlos waren und das Cortina’sche Defensivhockey nicht immer ansehnlich war, es stand eine kämpfende Mannschaft auf dem Feld und dies wurde vom Schwenninger Publikum honoriert. Die Enttäuschung über das Play-Offs Aus verflog auch deshalb schnell, weil fast jedem klar war, wo die Potentiale zur Verbesserung liegen. Bessere Bullyquote, besseres Powerplay, mehr Tore. Die Last nicht mehr allein bei der individuellen Klasse von Acton und Fleury abladen und nette, aber in der Summe doch limitierte, Spieler wie Bartalis, Rech oder Hult gegen stärkere und torgefährlichere Kontingentspieler auszutauschen. Mit wem man auch sprach, fast jeder sagte, wir tauschen die 3 oder 4 Schwachstellen aus, drehen ein bißchen an den Schrauben und dann rocken wir das nächste Jahr. Es war Euphorie da und spätestens als Gesellschafter Michael Werner genau die Kritikpunkte öffentlich ansprach, herrschte Zufriedenheit rund ums Schwenninger Moos.

Doch dann wurde es sukzessive schlechter. Man gab Maurer und Bender ab ohne für Ersatz zu sorgen, verlängerte mit Hult, Bartalis und Co, gab Acton und Fleury ab und wollte dies durch Tiefe im Kader ersetzen. McRae, Korhonen und Bukarts – keiner riß den gemeinen Schwenninger Fan mehr vom Hocker und die Skepsis begann zu überwiegen. Warum spiegelte sich die richtige Saisonanalyse überhaupt nicht im Kader wider? Wer soll die Tore schießen? Wie will ich den Leader und die 45+ Punkte von Acton ersetzen? Kommunikative Patzer, wie einen Top-Spieler anzukündigen und dann mit Hult zu verlängern, dabei ganz außen vor gelassen.

Saisonauftakt

Die Vorbereitung war durchwachsen, schon da fielen die Wild Wings nicht eben durch Torhunger auf. Doch Vorbereitung ist Vorbereitung und wichtig ist was in der Hauptrunde passiert. Dort passierten leider zwei Dinge. Zum einen schlug das Verletzungspech zu und raubte uns mehrere Kontingentspieler, die als tragende Säulen eingeplant waren. Zum anderen erwiesen sich die Fußstapfen von Acton und Fleury für die Neuverpflichtungen als viel zu groß. Sie sind zwar alle läuferisch gut, aber McRae für seine Körpergröße ein halbes Hemd, Bukarts wetterwendisch mit Licht und Schatten und Korhonen bis auf das Tor gegen Nürnberg auch nicht produktiv. Der kämpferische Sieg gegen Nürnberg überspielte dabei die Probleme, die dezimierten Nürnberger waren schwächer als sie auf dem Papier sind. Seitdem achtmal verloren, fünfmal ohne eigenen Torerfolg. Und leider nicht nur knappe und vom Einsatz her akzeptable Niederlagen wie gegen Berlin, sondern auch klägliches „in-das-eigene-Schicksal-ergeben“ wie in Ingolstadt.

Sichtbar wurden dabei alle im Vorfeld befürchteten Probleme und die vollständige Ignoranz der Analyse. Die Klasse von Acton und Fleury, Spieler, die auch mal ein Spiel alleine entscheiden können, lassen sich nicht durch Tiefe auffangen. Das Powerplay ist noch schlechter geworden und die Bullyquote ist weiterhin unterirdisch. Dazu kommt dann noch, dass auch die Defensive nicht mehr so sattelfest ist wie im Vorjahr. Alles belegbar auch durch Zahlen: Die wenigsten Tore, die sechstmeisten Gegentore, 4 Gegentore in eigenem Powerplay, ein Topscorer mit kümmerlichen 2 Pünktchen, 5,26% Überzahlquote, die schlechteste Bully-Quote. Durch und durch ein nicht-ligataugliches Kellerkind.

Lösungen

So richtig viel kann man den Spielern gar nicht vorwerfen. Die meisten spielen das, was sie können. Die meisten sind keine Torjäger, es sind solide und nette Arbeiter, gute Mannschaftsspieler. Da kann man auch als Trainer nicht viel machen, aus einem Ackergaul wird kein Rennpferd. Also eine andere Taktik? Auch das ist schwer, denn Cortina lässt die Mannschaft das spielen was sie kann, defensiv gut stehen, unangenehm sein, laufstark sein. Rennen wir nach vorne, dann sind wir hinten offen. Neuverpflichtung: Ja, das kann bedingt helfen. Wenn man einen Kaliber Acton findet, dann kann der zumindest etwas für Entlastung sorgen und den einen oder anderen Treffer beisteuern und auflegen und so den Druck von seinen Kollegen nehmen. Aber warum sollte man jetzt auf einmal einen finden, wenn man den ganzen Sommer über keinen gefunden hat und dann ohne Not/in großer Not mit Hult verlängert hat? Wahrscheinlich bräuchte man eher zwei solcher Spieler, aber das ist sowohl finanziell wie von der Zahl der Ausländerlizenzen her gar nicht möglich.

Aus diesen Gründen spreche ich mich klar gegen einen Trainerwechsel aus. Ja, ein neuer Spieler tut uns gut, aber ich finde man muss bereits jetzt die Weichen für das neue Jahr stellen. Und das führt uns zur..

Systemfrage

Grundsätzlich ist der „deutsche Weg“ und das „Defensivhockey“ gar nicht so verkehrt. Leider krankt es beim deutschen Weg an drei Punkten:

1) Die wirklich talentierten jungen Deutschen kommen nicht zu uns. Ein Hungerecker oder Wissmann im Vorjahr, die spielen nicht in Schwenningen. Wir kriegen dann entweder welche, die schon älter sind (Mitte 20) und/oder bei den großen Teams durchgefallen sind (Bittner, Höfflin, etc..). Meistens gibt es auch einen guten Grund dafür, dass die dort durchfallen: Sie sind nicht gut genug.

2) Als Folge davon zahlen wir für mittelmäßige deutsche Spieler zu viel Geld. Die Rahmenbedingungen: jung, am besten heimatverbunden, keine Zweiflaggenspieler machen den Markt so eng, dass wir ein Großteil unseres Budgets für Spieler wie Höfflin, Danner, Bittner, Brückner, Wörle, etc.. verbrauchen. Ja, ein Danner ist ein netter und guter Arbeiter – aber doch kein Leader einer Powerplay Formation.

3) Um die Schwächen der deutschen Spieler und die Höhen und Tiefen der Talente auszugleichen braucht es starke Ausländer, die dauerhaft scoren, die vorangehen, an denen die jungen Spieler wachsen können. Leider haben wir davon kaum welche. Hult, Rech oder Bartalis sind biedere Mannschaftsspieler, die für eine Lizenz einfach zu schwach sind. Ob das nun an mangelndem Budget oder dem fehlenden Netzwerk liegt, das ist schwer zu beurteilen. Es ist schon verdächtig, wenn ein Manager erstmal nach Nordamerika fliegen muss um die Stärken der Ligen kennenzulernen, von dort kein Spieler kommt, und wir stattdessen jeden holen, der schonmal von weitem einen Blick auf Petteri Vekkipärta erhaschen konnte und nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Nochmal: Die Absicht und das Ziel sind absolut zu begrüßen, aber wahre Größe ist es dann auch, wenn man Fehler eingesteht und nachjustiert. Ich bin der Meinung man muss etwas ändern. Ganz wichtig ist der Fokus auf den Nachwuchs und die Kooperationen zu behalten, dann kommen irgendwann auch wieder die Talente, die man haben wollte. Gleichzeitig sollte man sich aber öffnen, auch hin zu Zweiflaggenspielern und zu Ausländern aus Nordamerika, die wieder etwas ruppiger daherkommen und nicht so brav sind wie unsere Finnen. Keine Säufer wie Bukowski, Chyzowski und Co. – aber Spieler, die auch mal dazwischenhauen, die auch mal aus der Norm ausbrechen, die das Unerwartete machen.

Blicken wir in einem kleinen Exkurs nach Iserlohn: Die meisten Tore geschossen, die meisten Tore kassiert, die meisten Strafminuten und auf Platz 8 in der Tabelle. Da blickt man schon mit mehr als einer Träne im Auge sehnsüchtig ins Sauerland. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses „wilde“ Eishockey in Schwenninger besser ankommen würde als unser derzeitiges Eisschach.

Fassen wir das nochmal zusammen: Ich befürchte, dass die Saison schon fast gelaufen ist, das Kind ist in den Brunnen gefallen. Dies kann passieren und Schwenningen wird auch das überleben. Holen wir uns noch ein paar Rekorde (die wenigsten Saisontore, die meisten Zu-Null-Niederlagen, etc.) und stellen wir frühzeitig die Weichen für das nächste Jahr. Ob dafür ein Manager Rumrich noch der Richtige ist? Ob ein Trainer Cortina anderes Eishockey spielen kann. Ich habe starke Zweifel.

Aber so wie jetzt kann es nicht weitergehen.

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Die Bukarts-Überraschung

Es ist gerade mal eine gute Woche her, dass die sportliche Leitung mit der Weiterverpflichtung von Andree Hult für viel Mißstimmung unter den Schwenninger Fans gesorgt hat. Man sagte außerdem, der Kader sei voll und klar – man wolle die Augen und Ohren offenhalten, doch angesichts der Rückgänge im Sponsorenbereich hat ernsthaft keiner mit einer weiteren Verpflichtung gerechnet. Bonjour Tristesse rund um das Schwenninger Moos. Mitten rein in diese Stimmung platzte gestern die Verpflichtung von Rihards Bukarts. So schnell und so sinnvoll, das kam überraschend und hier muss man dem Management ein Lob für diesen Coup zollen.

Klar, man kann kritisieren, ob man statt Hult und Bukarts nicht lieber einen überragend guten Spieler geholt hätte, aber es weiß keiner von uns wie die genauen Abläufe waren und wie schnell ein Bukarts verfügbar war und so weiter. Betrachtet man das unter sportlichen Gesichtspunkten, dann hat man mit Bukarts sehr viel richtig gemacht. Er ist mit gerade einmal 22 noch richtig jung, richtig hungrig und als Lette technisch und läuferisch gut ausgebildet und hat im letzten Jahr in einer erfolgreichen Berliner Mannschaft mit sehr viel Energie gespielt. Obwohl er erst sehr spät zum Team stieß und die mangelnde Eingespieltheit offensichtlich war, konnte er respektable 8 Punkte in 16 Spielen einfahren.

Bukarts ist dazu endlich der ersehnte Rechtsschütze für die vorderen Sturmreihen und passt mit seiner technisch orientierten Spielweise und der überschauberen Körpergröße genau in unser Konzept. Dazu bringt er Erfahrung aus der AHL und KHL mit und hat für Lettland schon an zwei Weltmeisterschaften teilgenommen. Er gibt uns mehr Optionen und Tiefe, erhöht den Druck auf unsichere Kantonisten wie Rech oder Bartalis und gibt Hult das beruhigende Gefühl, dass es jetzt nicht ganz so tragisch ist, wenn der sich seine üblichen Verletzungspausen nimmt. Am meisten an der Verpflichtung begeistert mich aber das Entwicklungspotential.

Wir sprechen in Schwenningen gerne von „jungen deutschen Spielern“ und meinen dann Leute wie Höfflin, Bittner oder Sacher. Diese sind aber gar nicht mehr jung, die sind bald im besten Eishockeyalter und da ist die Entwicklung vom Talent zum gestandenen Spieler bereits abgeschlossen, da sind keine großen Sprünge mehr zu erwarten. Bei Bukarts ist das anders, der kann wirklich noch explodieren.

Bleibt natürlich die Frage, warum so einer nach Schwenningen kommt, der im Umfeld der WM noch davon gesprochen hat, dass er sich selber in der KHL/NHL sieht. Klassischer Fall von „verzockt“ vermutlich. Aber das ist gar nicht negativ gemeint und jeder Spieler, den wir holen, hat so seine Macken. 11 Vereine in 9 Jahren, munter verteilt über alle Kontinente, da kommt ein Wandervogel, da kommt keiner, der sich konstant mit einem Verein identifziert, vielleicht auch kein ganz einfacher Charakter. Er sucht seine Chance und wenn er bei uns die Leistung bringt, dann ist er schneller wieder weg als in Schwenningen das Bier verbraucht wird. Doch ein Jahr Freude kann er uns dann immer noch machen.

In der Summe hat sich nach letzter Woche einiges aufgehellt und es ist im Nachhinein schade, dass man ihn und Hult nicht gleichzeitig oder in umgekehrter Reihenfolge verkündet hat. So hat man sich unnötig Ärger eingefangen. Der Kader ist jetzt natürlich auch kein sicherer Play-Off Kandidat – das wäre in Schwenningen auch vermessen – und es bedarf weiterhin vieler „Wenns“ und „Wäre wäre Fahrradkette“ für den Erfolg, aber ein paar grundlegende Sorgen – auch im Hinblick auf die finanzielle Ausstattung – hat diese Verpflichtung zumindest bei mir vertreiben können.

Letzte Woche habe ich uns keine Chance gegeben, jetzt sehe ich immerhin die Chance auf eine Chance auf die Play-Offs. Und das ist das Los der Wild Wings und das ist auch gut so. Packen wir es an.

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Es ist schade…

Liebe Jürgen Rumrich,
lieber sportliche Leitung,

ich – und viele Fans – können damit leben, wenn man mit der Wahrheit ums Eck kommt. „Wir haben Sponsoren verloren, das Minus aus der letzten Saison, laufende Nebenkosten haben sich erhöht, Strahlmeier und Sacher wurden teurer – wir müssen leider am Etat für die Spieler etwas sparen, bemühen uns dafür aber Spieler mit Herz und Leidenschaft an die Neckarquelle zu lotsen, die zumindest jede Woche ein Erlebnis in die Helios-Arena zauben.“ Natürlich ist das dann trotzdem sehr bitter, dass es selbst nach der erfolgreichsten Saisons der jüngeren Vereinsgeschichte nicht möglich scheint, an der Sponsorenfront signifikante Verbesserungen zu erzielen. Aber dann weiß man woran man als Fan ist. Noch bitterer ist es, wenn sich der Gedanke permanent in den Vordergrund drängt, dass man kräftig verarscht wird.

Ich war lange ruhig, wollte mich erst wieder äußern, wenn auch der Sturm komplett ist. Das ist nun heute mit der Verlängerung von Andree Hult geschehen. Und leider hat man wie in der Verteidigung auch auf dem Papier einen Rückschritt gemacht. Den Abgängen Will Acton (Top Scorer und Lebensversicherung), Damien Fleury (Torjäger), Uli Maurer (bissiger, solider Arbeiter) und Lennart Palausch (Talent ohne Perspektive) stehen mit McRae und Korhonen zwei ausländische Neuzugänge entgegen, die in große Fußstapfen treten müssen. Kornelli könnte ein Upgrade zu Palausch sein, die Position von Maurer wird – wie sein Pendant in der Abwehr, Tim Bender – nicht ersetzt.

Es wäre nur fair zu warten, bis Korhonen und McRae einen Fuß auf Schwenninger Eis gesetzt haben. McRae hat durchaus gute Werte aus der AHL im Gepäck und beide kennt man im Schwenninger Trainerstab persönlich, beide verfügen über eine gute „work ethic“. Ich will und kann diese gar nicht schlecht schreiben, es ist durchaus möglich, dass sie Fleury und Acton vergessen machen können, es ist nur nicht unbedingt wahrscheinlich. Dass die sportliche Leitung das ähnlich sieht, konnte man daran erkennen, dass zusätzlich ein Center der Extraklasse versprochen wurde, sich man damit Zeit lassen möchte um den richtigen zu finden. Beabsichtigt oder nicht, hier wurde ein Erwartungsdruck aufgebaut, der spätestens dann erste Risse bekam, als Cortina sich zitieren ließ, dass man überlegt stattdessen einen deutschen Center zu holen und jeder Fan mit wenigen Minuten Internetrecherche erkennen konnte, dass der Markt für deutsche Center „der Extraklasse“ leergefegt ist.

Der Luftballon bläst sich auf, die Fans träumen von einem wirklich starken Center und – plopp – wird Andree Hult aus dem Hut gezaubert. Ich habe nichts gegen ihn, solider Spieler, Arbeiter, Kämpfer – aber er ist drei Jahre hier, stagniert in seinen Leistungen, ist verletzungsanfällig und die Hoffnung, dass er mit 30 Jahren nochmal explodiert – da kann ich auch genauso hoffen, dass Brückner ein Angebot aus der NHL bekommt oder die KEB Pyrotechnik erlaubt. Hult hat sein Level, ich würde ihn jederzeit statt Bartalis für das Secondary Scoring nehmen, aber er ist kein Top-Center für die Scoring Line in der DEL und wird das auch nie mehr werden.

Der Schwenninger Weg steht für ehrliches Eishockey, dann seid bitte auch ehrlich zu den Fans. Das haben sich die treuen Anhänger verdient. Sagt, wir müssen kleinere Brötchen backen und sprecht nicht von Spielern, die dann nicht geholt werden können. Sprecht nicht von den Schwächen, die ihr erkannt habt, wenn ihr dann nichts daran verändert. Sagt uns ehrlich, wenn das die Mannschaft ist, die wir uns leisten können, aber versucht uns nicht weiszumachen, dass sich die Mannschaft nur dadurch verbessert, dass sie einfach noch ein Jahr länger zusammenspielt. Es gibt Fans, die gehen länger zum Eishockey als der Manager alt ist, die sehen auch, dass wir zwar eine Menge vernünftige Spieler mit, aber viele davon auch limitiert sind. Und sie sehen auch, dass ein Sturm mit nur zwei Rechtsschützen – und die noch in den hinteren Reihen – unausgewogen zusammengestellt ist. Gerade im Powerplay geht so etwas auf Kosten der Variabilität. Unser Sturm hat im letzten Jahr 103 Tore geschossen – so wenig kann man mit einer ebenfalls nicht verstärkten Abwehr hinten gar nicht weniger kassieren, um das auszugleichen. Und sich auf Strahlmeier alleine zu verlassen, ist auch gefährlich. Mit dem Kader wird die Saison ein Ritt auf der Rasierklinge, bitte benennt das auch klar.

Das Schwenninger Publikum ist treu und leidensfähig, aber es wird nicht gerne für dumm verkauft. Ich gebe der Mannschaft wie jedes Jahr eine faire Chance, aber die sportliche Leitung hat den Kredit, den sie sich mit dem tollen Platz 10 im Vorjahr erkämpft hat, durch das Verhalten in der Sommerpause wieder verspielt. Nicht durch die Transfers, ich glaube, dass diese Sachzwängen geschuldet sind, sondern vor allem durch die unterirdische Kommunikation.

Und das ist so verdammt schade, denn das ist im Prinzip völlig unnötig.

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Der Abgang von Will Acton

Paukenschlag bei den Wild Wings: Will Acton wechselt trotz laufenden Vertrages nach Nürnberg. Wirklich überraschend? Nein, die Gerüchte hielten sich schon länger und aus der persönlichen Sicht ist es für ihn verständlich, denn mehr als im vorigen Jahr wird Acton in Schwenningen schwer erreichen können. Gut, Titel und Nürnberg passen zusammen wie Aumüller und sichere Spielleitung, aber wenigstens ist uns der Alptraum erspart geblieben, ihn im nächsten Jahr als rotblaue Dose oder gar im Adler-Fetzen auf dem Eis sehen zu müssen. Es bringt auch nichts Acton nachzutrauern, sich über den Wert von Verträgen in der Sportwelt zu echauffieren oder sich über die Phrasendrescherei „…gehe fest davon aus, dass Acton bleibt…“ der letzten Wochen zu ärgern. Es hilft auch nichts, dass die Verhandlungen zwischen uns und Nürnberg souverän und professionell abgelaufen sind und vermutlich eine kleine Ablöse geflossen ist – für das Lob in der Pressemitteilung der Nürnberger können wir uns keinen Nachfolger backen.

Wichtig ist der Blick nach vorne, die Frage, wie mit den Folgen umgegangen wird. Es war ja unstrittig, dass man den einen oder anderen Ausländer austauschen sollte um sich zu verbessern, aber keiner hat sich gewünscht, dass Acton geht und Bartalis und Rech bleiben. Umgekehrt hätte man es erwartet. Denn auch wenn Acton, kaum kam das erste Wechselgerücht auf, von der einen oder anderen Seite bereits schlecht geschrieben wurden: Dieser Mann war unsere Lebensversicherung. Topscorer. Praktisch nie verletzt. Enorme Eiszeiten und vor allem ein Spieler, der seinen Nebenleute besser macht. Dazu am Saisonende lange angeschlagen – man kann sagen verheizt worden – und verletzt gespielt und deshalb nicht mehr so dominant, sich trotzdem immer in den Dienst der Mannschaft gestellt. Skandalfrei, freundlich, pflegeleicht. Kein Wunder, dass man ihn in Nürnberg so lobt.

Kleiner Exkurs zum Wert für die Mannschaft: Wir betrachten Anthony Rech, der nach Startschwierigkeiten eine sehr gute Scoringphase hatte und gegen Ende kaum noch etwas auf das Scoreboard gebracht hat. Insgesamt 23 Torbeteiligungen. Von diesen 23 war Will Acton an 15 beteiligt und die starke Phase von Rech ist exakt deckungsgleich mit der Phase in der er neben Acton gespielt hat. Spätestens nach der Rückkehr von Fleury rückte dieser neben Acton und auch hier lässt sich eine Beteiligung an der Hälfte von Fleurys Punkten nachweisen. Eine oft gehörte Phrase ist „Mit den richtigen Nebenleuten ist Spieler X richtig gut.“ Will Acton ist und war so jemand, der als Nebenmann Spieler X hat gut aussehen lassen.

Trotzdem gilt auch hier der Grundsatz: Niemand ist unersetzlich. Acton war damals ein Glücksgriff, den gilt es jetzt zu wiederholen. Die sportliche Leitung ist jetzt gefragt hier für Ersatz zu sorgen und die Stimmung wieder aufzuhellen. Und nein, eine Verlängerung mit Andree Hult, wäre keineswegs das richtige Zeichen. Es ist bitter, dass die Meldung mitten in die Endphase des ersten Dauerkartenverkaufs reinplatzt, aber von einem Spieler sollte man seine Dauerkarte nicht abhängig machen. Es ist auch bitter, dass Ende April nun fast die ganze Euphorie einer guten Saison verflogen ist, aber bis zu einer endgültigen Bewertung der Folgen muss man abwarten, wer als Nachfolger verpflichtet wird.

Dennoch ist das heute kein schöner Tag für das Schwenninger Eishockey…

 

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Konsequente Verpflichtung

Juchhu, der erste Neuzugang ist da. Philip McRae wechselt aus Finnland von Ässät an den Neckarursrpung. Blicken wir auf die Statistiken, dann fällt auf, dass es ein Stürmer mit ordentlichen körperlichen Maßen ist, mit reichlich AHL-Erfahrung, dazu immerhin 15 Spiele in der NHL und mehrjährige Europa-Erfahrung in Finnland. Überall ordentliches, aber kein überragendes Scoring und mit einem AHL-Punkteschnitt, der spürbar über dem von z.B. Will Acton liegt, ist er für unseren Geldbeutel auf den ersten Blick eine gute Verpflichtung. Allerdings gibt es auch einige Makel. Die +/- Bilanzen sind, insbesondere für einen als Zwei-Wege-Center angepriesenen Spieler, unterirdisch und im Schnitt hat er in jedem zweiten Jahr mindestens ein Drittel der Spiele verpasst. Trotz seiner körperlichen Maße geht ihm das körperliche Spiel etwas ab und eine gewisse Verletzungsanfälligkeit ist nicht von der Hand zu weisen.

Aber das ist konsequent, es ist für Schwenningen fast nur möglich gestandene AHL-Profis zu verpflichten, wenn eben irgendein Makel existiert. Ein Ben Smith, wie ihn sich Mannheim gönnt, ist für uns schlicht und einfach nicht machbar. Auch die anderen Parameter der Verpflichtung sind konsequent: Zwei-Wege-Spieler, Teamplayer, Arbeiter – keiner, der über das physische Spiel kommt und keine Scoring-Maschine. Von daher passt er gut in das bisherige Bild der Mannschaft. Und der fast schon notwendige Bezug zum finnischen Eishockey ist bei ihm auch gegeben. 2014 hat er unter Väkkiparta gespielt.

So ist es also wie immer, Schwenninger Neuzugänge haben notgedrungen Licht und Schatten und ein gewisses Risiko ist immer drin. Allerdings sollte die persönliche Expertise von Väkkiparta im Hinblick auf Charakter, Arbeitseinstellung und Co. eine gewisse Sicherheit geben. Kleiner Pluspunkt am Rande: In dem Jahr unter Väkkiparta bei den Blues hatte er hinter dem überragenden Huhtala (jetzt in Mannheim) den zweitbesten +/- Wert im Team – vielleicht muss man einfach nur wissen, wie man ihn anpackt. Und noch ein Pluspunkt: Der katastrophale +/- Wert von -29 vor zwei Jahren in der AHL ist in einer absoluten Trümmertruppe zustande gekommen, da waren andere sogar noch schlechter.

Bleibt in der Summe ein Spieler, der einen guten Motor unter der Haube hat, seine PS aber nicht immer auf die Straße gebracht hatte. Ich bin angenehm erfreut über Philip McRae, wenn Cortina und Väkkiparta das hinkriegen, dann kann er uns helfen. Bleibt die Frage für welche Rolle er gedacht ist. Als Hult-Ersatz für das Secondary Scoring, dann bin ich sogar vorsichtig begeistert und zuversichtlich, dass wir uns da verbessert haben. Soll er dagegen einen Acton im Falle eines Abgangs ersetzen, dann sind die Fußstapfen sehr groß, denn als Scoring Leader oder Kopf eines Teams ist er in der Vergangenheit nicht aufgefallen.

Herzlich willkommen in Schwenningen, lassen wir ihn für uns spielen und schauen wir mal. Da haben wir schon auf dem Papier deutlich schlechtere Neuzugänge präsentiert bekommen und mit einem zweiten und dritten Blick auf den Spieler erkennt man einen Plan, erkennt man eine Konsequenz und eine Idee dahinter. Das finde ich gut.

Bonus: Selbst für die Aluhut-Fraktion ist noch etwas dabei. Legt man das Rumrich-Zitat „Philip ist ein physisch starker Spieler, der als Zwei-Wege-Stürmer sehr vielseitig einsetzbar ist.“ und die Kurzeinschätzung bei eliteprospects „McRae is a hard working two-way center. He has good size, but could play a more physical game. Can be used in many situations on the ice.“ übereinander, dann muss Rumrich den vor dem heimischen Rechner gescoutet haben. Sorgen macht mir bei diesem Phrasensalat nur, dass er kein Spieler ist, der „weiß wo das Tor steht.“ Aber das können wir ihm noch zeigen. 🙂

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Actimel…

..aktiviert Abwehrkräfte. Da sich Rumrich heute im Bezug auf eine mögliche Verpflichtung von Niki Goc dahingehend äußert, dass die Abwehr komplett sei und man nur zwei U23 – Spieler holen will, die dann aber für Freiburg vorgesehen sind, kann man so früh wie selten mit der Analyse beginnen. Eigentlich ist es einfach, denn die Abwehr bleibt nahezu komplett zusammen, lediglich Tim Bender verlässt uns. Grundsätzlich ist Kontinuität in der Abwehr verständlich, denn die Abwehr stand im letzten Jahr gut. Zusammen mit Strahlmeier und Wölfl haben wir uns sehr wenig Gegentore eingefangen und es war sehr schwer gegen uns zu Abschlüssen zu kommen. Doch ist es Kontinuität? Nein, es ist ein Rückschritt. Denn Tim Bender verlässt uns.

Ja, Bender hat die Erwartungen nicht immer erfüllt und stagnierte in seiner Entwicklung, aber er war ein solider Scorer unter den Verteidigern mit guten Plus-Minus Werten. Angesichts der Tatsache, dass wir mit Bittner, Bohac, Sonnenburg und Brückner vier Verteidiger hatten, die kein einziges Mal das Tor getroffen haben und unser punktbester Verteidiger einsam schwache Plus-Minus Werte hat, finde ich es fahrlässig Bender gehen zu lassen ohne dafür Ersatz zu holen.

Man kann natürlich argumentieren, dass Sacher lange verletzt war und in einer kompletten Saison deutlich mehr für das Scoring tun kann. Richtig, aber irgendwelche Verletzungen hast Du immer. Eine Stärke war im letzten Jahr unsere Breite im Kader, diese wird in der kommenden Saison in der Abwehr reduziert. Das ist schade. Zudem wurde in der Saisonanalyse korrekterweise erkannt, dass das Powerplay eine unserer Schwächen war. Fehlender Quarterback, fehlender Blueliner. Dazu die Ankündigung, dass man sich punktuell verbessern will. Leider ist davon in der Abwehr nichts zu sehen.

Und dann rächt es sich, dass man ohne Not und sehr schnell so viele Verträge verlängert hat. Da ist ein Goc auf dem Markt, der natürlich keiner für das Powerplay ist, aber allemal stärker daher kommt als ein Brückner, Bittner oder Bohac und jetzt ist der Kader voll. Die Abwehr ist für mich kein Schritt nach vorne, es ist mindestens ein halber Schritt zurück.

Vielleicht sollte man bei Actimel anfragen, um die verlorenen Gelder von EBM Papst auszugleichen. Vielleicht ist das auch der Grund warum man kleinere Brötchen backen muss. Ich kann mit der Abwehr leben, sie ist ordentlich und mit dem Prinzip Hoffnung – wenige Verletzte und einer der U23 Spieler erweist sich als tauglich – kann das auch wieder für Platz 10 reichen. Aber dann sollte man sich die Aussagen „punktuell verbessern“ und „Schwächen erkannt“ sparen.

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Was ist mit Acton?

Man kann die gleiche Antwort geben, wie damals bei der Frage „Was ist mit Hacker?“ – Hallendach oder Titel. Held oder Heimat.

Abgesehen von harten Fakten wie dem vorhandenen Vertrag oder dem ohne Zweifel enormen Wert für die Mannschaft, gibt es noch ein paar weitere Aspekte, die man berücksichtigen sollte.

Erstens: Will Acton ist nicht dumm. Er weiß, dass das Ergebnis der letzten Saison so ziemlich das Maximum war, was er an einem Standort wie Schwenningen sportlich erreichen kann. Vielleicht noch ein Viertelfinale, aber ein Titel ist unrealistisch und die Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr wieder an Platz 10 zu scheitern ist nicht zu vernachlässigen.

Zweitens: In Schwenningen ist er der Held, aber auf Kosten seines Körpers. Nahezu die gesamte Last des Spiels ruht auf seinen Schultern und die letzte Saison hat gezeigt, dass die 20 bis gefühlt +30 Minuten Eiszeit pro Spiel ungesund sind. Am Ende war er angeschlagen, in der entscheidenden Saisonphase nicht auf der Höhe seines Könnens. Acton ist zur neuen Saison auch 31, da geht es bergab und diesen Raubbau an seinem Körper kann er nicht unbegrenzt betreiben. Dazu kommt, dass die bisherigen Vertragsverlängerungen kein Signal aussenden, dass sich in der Frage der Verantwortung entscheidendes ändern wird.

Drittens: Jetzt muss er es sich überlegen. Will Will in Schwenningen als großer Spieler in die Geschichte eingehen mit dem Abschluss als Trikot in der illustren Runde unterm Hallendach zu landen oder will Will zu einem anderen Team gehen, dort vielleicht ein paar Euro mehr verdienen, weniger Eiszeit und Verantwortung tragen, mit besseren Mitspielern zusammenspielen und eine echte Chance auf den Titel bekommen? Oder bei einem Wechsel in die AHL doch wieder mehr Richtung Heimat. Wie würdet Ihr entscheiden?

Viertens: Positiv ist, dass er einen Dreijahresvertrag hat. Dadurch müssen die Wild Wings ihm noch ein Abfindung zahlen gibt es immerhin noch eine Ablösesumme. Wenn er geht, dann muss Ersatz her und dann ist die sportliche Leitung eben gefragt. Acton war ein Glücksgriff während der Saison, so einen muss man dann nochmal finden.

Fünftens: Ob der Wechsel jetzt konkret wird oder ob nur der Agent ein paar Worte der Presse gesteckt hat, um mal den Marktwert zu testen. Wie es auch ausgeht, für Schwenningen wäre der Wechsel ein Rückschlag, aus Will Actons Perspektive kann ich es verstehen. Aber immer noch besser jetzt im April als eine Woche vor Saisonbeginn.

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Bauernhockey und Frostfussball

Sommerpause – und wenn man nicht heimlich unter der Bettdecke den Adlern etwas gönnen möchte, dann ist das Thema Eishockey erstmal gestorben. Zeit für einen kleinen Bericht und einen Blick über den Tellerrand. Ein beruflicher Aufenthalt in England ließ sich mit einem Wochenende in London und mit dortigem Eishockey verbinden. In der Stadt selber gibt es zwar keinen nennenswerten Club, aber Guildford ist mit dem Zug 45 Minuten entfernt und dort gibt es mit den Guildford Flames – die nicht nur beim Namen sondern auch beim Logo eine starke Inspiration aus Calgary nicht leugnen können – ein Team, das im Mittelfeld der Tabelle beheimatet ist. Gegner an einem frostigen Sonntag abend waren die Coventry Blaze. Die Eishalle befindet sich außerhalb des Städtchen in einem großen Freizeitkomplex, man teilt sich einen gemeinsamen Eingang und Kassenbereich mit Schwimmbad, Bowlingbahn, Fitnesstudio, etc.. Energetisch macht die Kombination Sinn, aber das Stadionbier muss hier im Schwimmbadcafe getrunken werden, alternativ gibt es Obst und Smoothies und die Zeit bis zum ersten Bully kann man sich damit verteiben, dass man durch Panoramascheiben den Badenixen beim Plantschen und Rutschen zuschaut.

Auf die Frage an der Kasse, ob ich mir schon Gedanken gemacht hätte, wo ich sitzen möchte, antworte ich, dass ich überhaupt nicht sitzen will. Und – in der Tat – es gibt Stehplätze. Für knapp 16 Pfund werden die Plätze direkt am Plexiglas hinter einem Tor als Stehplätze verkauft. Sonst hat die Halle noch knapp 1.800 Sitzplätze. Das Spiel endet mit 1:3 für den Gast, Guildford ist eigentlich das bessere Team, aber dank Torwartfehler und glücklichem Abpraller vom Schiedsrichter kann Coventry mit 3:0 in Führung gehen. Niveaumäßig fühlt man sich an dunkelste Zweitligazeiten erinnern, so ein Dienstag in Weißwasser war ähnlich begeisternd. Bauernhockey? Durchaus, jedes Team hat den einen oder anderen grobschlächtigen Charakter im Team, der das Eislaufen für sich zu keiner Zeit erfunden hat und jede Pub-Schlägerei bereichern würde. Man google mal nach Danick Paquette. Dazu gibt es ein paar Ausländer, die in England ihren Karriereabend verbringen. Bei Coventry steht ein Nastiuk im Tor, dazu ein Adam Courchaine, der bei seinem Tor kurz seine Klasse aufblitzen lässt, ansonsten aber ein Schatten vergangener Tage ist. Für die EIHL reicht es.

Im Stadion gibt es kein Bier – es ist verboten Alkohol zu trinken wenn man die Eisfläche sehen kann. Stattdessen Pommes und ein Kaffeeautomat. Und die Stimmung? Gut 30 Gästefans sind aus Coventry mit, beim Heimteam gibt es einen „Guildford Dancers“ – Block, der bei jeder Musikeinspielung des DJs kräftig tanzt. Auch die gegnerischen Fans beteiligen sich zu klassischer „Put your hands up in the air“ Animaton. Schlachtrufe und Fangesänge sucht man vergeblich, es ist aber absolut friedlich und mehr ein Familienereignis. Viele Kinder sind dabei.

Ganz anderes dagegen am Vortag beim Trivialsport. Englischer Fußball ist und bleibt ein Männerbusiness. Im zugigen Stadion von Fulham beim Derby gegen die Queens Park Rangers finden sich kaum Frauen, die dem Schneeregen trotzen wollen. Das Stadion in Fulham – Craven Cottage – ist ein englisches Stadion alter Schule. Gemauerte Tribünen mit ranzigen Holzsitzen, enge Eingänge und eine Lage mitten im Wohngebiet. Man ist nah dran, man riecht den Rasen und fühlt sich atmosphärisch an den alten Bauchenberg erinnert. Das Spiel ist spannender, Fulham gibt eine 2:0 Führung noch aus der Hand und am Ende trennt man sich 2:2. Ehrlicher englischer Fussball.

 

Stimmungsmäßig ein großer Unterschied zu Deutschland, kein ultragesteuertes Absingen wie in der Sonntagsmesse, sondern melodische und spielbezogene Anfeuerungsrufe, die aus allen Ecken des Stadions kommen. Dazu die Eigenheiten, wie das namensgebende Craven Cottage, ein Jagdhaus am Spielfeldrand von dessen Balkon die Spielerfrauen aus ihren Männern zuschauen dürfen. Fulham – auch wenn es nur die zweite Liga ist – ist ein schönes Beispiel für englischen Fußball, der durch Investoren noch nicht – oder nicht mehr – seinen ursprünglichen Charakter verloren hat. Hat sich gelohnt.

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